Dieses Jahr also München, nachdem die Berlin-Ausgabe des MONSTER BASH aus nicht genannten Gründen gecancelt wurde. Lange und teure Anreise, einchecken in einem Bed & Breakfast Hotel der unteren Kategorie im Gewerbegebiet der bayrischen Landeshauptstadt und ein Feueralarm in der ersten Nacht inkl. Zwangsevakuierung. Wenn das nicht alles schon Punkrock ist, weiss ich auch nicht weiter. Der Samstag begann mit bedecktem Himmel, welcher sich pünktlich zum Opener der Festivität öffnete und einem zumindest wettertechnisch ein schönes Berlin-Gefühl vermittelte. Das Gelände mit den beiden Locations Zenith und Kesselhaus war ganz charmant, kurze Wege ist das Stichwort. Umständliche Bändchenausgabe und bei jedem Clubwechsel eine weitere Kontrolle war etwas nervig. Auch die Getränke- und Fressstände hätten zahlreicher und besser organisiert sein dürfen. Nun aber zum eigentlichen, nämlich dem absolut famosen Line-Up, welches schon beim Lesen des Plakats das Wasser im Munde zusammen laufen ließ. Den Anfang auf der großen Bühne legten pünktlich um 13.45h RED CITY RADIO hin und fackelten gleich ein Feuerwerk all ihrer Hits ab, von denen es wahrlich nicht wenig gibt....das aktuelle Album "Titles" wurde verständlicherweise favorisiert. Dann rüber zu BAYSIDE, die, um es vorweg zu nehmen, einer der Gewinner des Festivals waren. Durch ihre einzigartige Mischung aus harten Gitarrenlicks und melancholischen Melodien, sowie der gänsehauterzeugender Stimme ihres Frontmanns jagte der Puls im Sekundentakt nach oben und man bekam das Grinsen während der gesamten halben Stunde nicht mehr aus dem Gesicht gewischt. THE LAWRENCE ARMS durften als nächste ran und meine persönliche Erwartungshaltung und Vorfreude auf die Jungs war dermaßen hoch, dass sie nur enttäuscht werden konnte. Und leider passierte auch genau dies... es wurden etliche Songs gezockt, die man immer schon mal live hören/sehen wollte, allerdings fehlte der Druck, der unbedingte Wille, irgendwie die Spielfreude. Schade. THE MENZINGERS dagegen im kleineren Kesselhaus haben eines der mitreissendsten Sets abgeliefert, die ich jemals von ihnen sehen durfte. Auch der Sound war fast perfekt (was man leider nur von wenigen Bands des Tages behaupten kann) und so gab es ein Best-Of Programm aus älteren Songs und neuen Tracks vom Album "Rented World". Die erste Möglichkeit für eine kleine Verschnaufpause gab das Konzert von SLIME (die braucht man nun wirklich nicht mehr). Es folgten ATLAS LOSING GRIP, die durch extreme Soundprobleme kaum hervorstechen, aber durch Bühnenpräsenz und der Vorstellung eines neuen Songs punkten konnten. Auch bei ALKALINE TRIO war der Sound nicht der Derbste, die Hitdichte und Performance haben es hier ebenfalls rausgerissen.Wenn Matt Skiba nicht betrunken ist, ist er live wirklich gut - nachmittags ist dementsprechend die perfekte Zeit für die Jungs aus Chicago. Irgendwie sind mir THE WONDER YEARS durchgeflutscht. Hm!? Oldschool Hardcore aus NYC war dann das Motto - und was ein Brett lieferten bitteschön MADBALL ab....die 90er lebten wieder auf und dank Wirkung des vorher eingeflößten Alkohols konnte man befreit auf und ab hüpfen, mitgröhlen und sich wieder jugendlich fühlen. Spitzenauftritt! RYKER'S hab ich mir dagegen geschenkt, weil ich mit dem dumpfen Prollgetue und dem 08/15 HardCore noch nie warm geworden bin. Gleichzeitig mit den RYKER'S wurden I AM THE AVALANCHE auf die 3rd Stage geschickt, die im Kleinstformat neben der Hauptbühne ihr Dasein fristete. Die Band aus Brooklyn spielte ein phänomenales, abgehkompatibles Set, welches in dieser Form auf einem Festival so intim und zugleich ausufernd großartig war, dass man allein beim Gedanken daran schon wieder dieses Kribbeln im Bauch fühlt, welches Verliebtsein bedeutet. Könnte ich eine Band heiraten, es wären I AM THE AVALANCHE. Der ehemalige Dead Kenndys-Frontman JELLO BIAFRA übernahm die Rolle der lebenden Legende und zelebrierte sich selbst - das war ziemlich einzigartig und teilweise großes Kino und als auch noch einige Klassiker wie z.B. 'California Uber Alles' abgefeuert wurden brachen alle Dämme. Der Abend begann und BOYSETSFIRE enterten die Zenith Bühne. Perfekte Show.Punkt. Mehr gibts eigentlich nicht zu sagen, außer das es ewig hätte weitergehen können. Was für sympathische Menschen, was für unglaubliche Hits, was für eine Energie! Da mussten IGNITE im Anschluss mächtig reinholzen, um den Auftritt von BOYSETSFIRE vergessen zu machen. Und genau das schafften sie mit Bravour. Der Opener 'Bleeding' hat alle Anwesenden genau dort abgeholt und auf eine grandiose Melodic-Hardcore Reise mitgenommen. Die eingestreuten neuen Songs passten superb ins Gesamtkonzept und machten mächtig Bock auf den neuen Output. Schön, dass es Zoli nach seinem Rückenleiden wieder so gut geht. Headliner waren NOFX, die eigentlich wie immer waren - einige alte Klassiker zum Besten gaben, aber nicht wie beim Groezrock tags zuvor, das 20 Jahre alte Album "Punk in Drublic" durchzockten. NOFX sind NOFX sind NOFX. Entertainment wird einem allemal geboten, und die Anzahl der Dancefloorfiller ist fast schon erschreckend, nur fehlt irgendwie das Überraschungsmoment. Einmal in zwei Jahren kann man sich das vielleicht noch geben, aber nach fast einem dutzend Auftritten, die ähnlich ablaufen, ist auch mal gut! ITCHY POOPZKID hab ich mir übrigens ebenfalls gespart. 🙂 Fazit: grandioses Line-Up, etliche Freunde, viel Spass und Abwechslung - 10 Stunden Vollbedienung mit einigen kleinen Kritikpunkten! Schönes Ding, vielen Dank.....nächstes Mal aber bitte wieder in Berlin!