(Oblivion/SPV GmbH) Mit seinem neusten Album "Neumond" kommt der Goldene Reiter diesmal ganz in düster silbrigem Glanz daher geritten. Seit JOACHIM WITT mit diesem Song in den 80er Jahren zu einem der bedeutendsten Musiker der Neuen Deutschen Welle wurde, brechen im unregelmäßigen Abständen immer wieder einzelne Songs bis an die Spitze der Charts durch. 'Die Flut' und vor zwei Jahren zuletzt 'Gloria' schallten über Wochen aus allen Kanälen. Jetzt bringt der Altmeister des deutschen Electro-Pop mit "Neumond" sein bereits 14. Studioalben raus. Dunkel, sphärisch und bis zum Bersten geladen mit Synthesizer-Effekten. Produziert wurden die neuen Songs mit Mono Inc.-Fontmann Martin Engler. Und vom ersten bis zum letzten Ton haargenau durchkomponiert ist dieses Album allemal. Klassischer Songaufbau, eingängige Refrains mit Ohrwurm-Charakter; wer auf pathetisch, melancholische Popmusik zum Mitsingen steht, wird dieses Album lieben. Der Pathos steht dabei beim Hamburger WITT wieder einmal ziemlich im Vordergrund. "Nur ein Kuss für den Abgesang, als die Erde im Rauch versank / der Mond scheint auf das Edelweiß / und wir stehen in Flammen, wenn der Himmel aufreißt" singt WITT in 'Die Erde Brennt'. Joachim Witt_Credit_Carsten Klick_9_800JOACHIM WITT hat ein Gespür für Texte und lässt mit diesem Album einen ganzen Metapher-Regen auf die Zuhörerschaft niederrieseln. Dabei schafft er es doch, an der Grenze zum Kitsch zu wandeln, ohne sie zu übertreten. "Nach der Jungfernfahrt / in ein steiles kurzes Glück" und "Ich bin zurück, weiß nicht wie lang, doch ich versuch's ein Stück" singt er in 'Strandgut' denn auf "Neumond" geht es vor allem um das Überwinden, das 'Aufstehen', wie es bereits im ersten Song heißt, nach dem Fall und das Überwinden der eigenen Schwäche und Schwermut. Mit 'Mein Herz' und 'Es regnet in mir' präsentiert er tanzbare Electro-Pop-Beats, die auch ein wenig an Rammstein erinnern und fordert Stärke, zum Tanzen und zum Glück, nach dem Fall. Insgesamt schafft JOACHIM WITT, der dunkle Reiter im Namen von Ehre und Moral, mit "Neumond" ein Konglomerat düsterer Pop-Hymnen, die vielleicht schwer zu ertragen, aber doch nicht zu viel sind. Album-VÖ: 25.04.2014 (Photo by Carsten Klick)