(Epic Records) Auf dem sechsten Studioalbum "Hats Off To The Bull" stagnierte der Sound des Alternative-Trios etwas, daher wollten CHEVELLE mit "La Gárgola" mit frischen Ideen und neuen Facetten musikalisches Neuland betreten. Doch keine Bange, die Änderungen im Klangkosmos der drei Herren Pete Loeffler (Gesang/Gitarre), Sam Loeffler (Schlagzeug) und Dean Bernardini (Bass, Gesang) sind nur marginal. Aber die dezenten Neuerungen sorgen trotzdem für mehr spannende Momente als zuvor. Es wurden Stilmittel wie Vintage-Sounds, E-Drums, Percussions, Gesangsverfremdungen etc. eingesetzt, um die Klangbandbreite zu erhöhen, was durchaus als gelungen zu bezeichnen ist. Der Einstieg in das neuste Werk ist mit 'California' schnell und hart gewählt, jedoch erkennt man das Dreiergestirn sofort. Der charakteristische Sound wird dann aber mit 'The Island' etwas aufgebrochen. Die Nummer ist wie flüssige Lava: ein wütendes alles verschlingendes Monster, über dem der beschwörende emotional aufgeladene Gesang von Frontmann Pete wie ein Vorbote des Wahnsinns trohnt. Nicht nur hier klingen CHEVELLE wie eine böse, simplere Variante von Tool. 'Take Out The Gunman' ist ebenfalls melancholich aber deutlich simpler, eben die perfekte erste Single samt erstzunehmender sozialkritischer Botschaft in Richtung all zu freie amerikanische Waffengesetzgebung. Das nachfolgende 'Jawbreaker' hat eine Industrial-Komponente dank stampfender Gitarren und simpel pumpendem Groove. 'Gargoyle' ist noch düsterer und aufwühlender, manchmal verhalten, dann wieder manisch aufbrausend. 'One Ocean' nimmt Druck und Tempo heraus und stellt eine wahre Änderung des Soundgefüges dar. Die Ballade ist treibend, verzichtet aber auf die typischen druckvollen Gitarren im Refrain. chevelle-2014-courtesy of epic records'Feel The Rush' treibt mit Double-Bass-Attacken nach vorne, fällt aber immer wieder in sich zusammen, um sich im nächsten Moment wieder aufzubäumen. Der Song steigert sich ständig und klingt schön schräg wie ein Besuch in der Nervenheilanstallt. Darauf folgt der selbsternannte erste Zombie Song der Band mit dem Titel 'The Damned', der wieder den Vergleich zu Tool zieht oder einer psychedelischen Version von A Perfect Circle. Das Stück wirkt sperrig und uneingängig, doch mit jedem Durchlauf erhöht sich die Anziehungskraft. 'Under The Knife' ist da direkter und packt schon beim Erstkontakt. Die zweite, das Album abschließende Ballade, 'The Twinge' ist Melancholie pur und zieht mächtig nach unten. Nichts für jede Tages- und Nachzeit. CHEVELLE haben sich nach "Hats Off To The Bull" abermals von Joe Barresi (Queens Of The Stone Age, Tool, Coheed And Cambria) produzieren lassen, der der Band diesmal einen deutlich raueren Sound verpasst hat. CHEVELLE sind auf "La Gárgola" immer noch magisch, doch konnten die Alben zwei bis fünf den Verfasser dieser Rezension deutlich mehr entflammen. "La Gárgola" ist ein sehr gutes aber nicht außergewöhnliches Album, wenn man den Backkatalog kennt! Album-VÖ: 30.05.2014 (Photo courtesy of Epic Records)