(Red Bull Records/PIAS) Es gibt diesen alten Kinderspruch „Aus Spaß wurde ernst“ und genau das ist es, was den Background von BEARTOOTH darstellt. Tausendsassa Caleb Shomo, einst Frontmann bei Attack Attack!, gründete seine aktuelle Band eher aus Joke, als mit einem ernsten Hintergrund. Er scharte dafür einige Gleichgesinnte um sich und nach einigen Namensänderungen wurde schließlich der finale Bandname BEARTOOTH aus der Taufe gehoben. Das nun anstehende Debüt "Disgusting" soll nach dem Release der EP "Sick" nun für den großen Durchbruch sorgen und Shomo hat hierfür auch nichts dem Zufall überlassen und die Scheibe komplett selbst geschrieben und eingezimmert. Durch die gesammelten Touren mit August Burns Red, Memphis May Fire oder Of Mice & Men hatte der BEARTOOTH-Head auch genügend Genregrößen und Lehrmeister um sich versammelt. Kurzer, clean gesungener Einstieg bei 'The Lines' und schon geht der Punk ab. Der Start gefällt mir schonmal richtig gut, denn Shomos Shouts sind rotzig und die instrumentale Seite hat viel zu bieten. Und viele Parallelen zu genannten Größen des Genres treten nichtmal auf. Auch 'Beaten In Lips' schlägt in diese Kerbe und lässt sich nicht nur gut hören, sondern auch abtanzen. Klingt gut und lässt den Anspruch zur Eigenständigkeit stetig steigen. Mit 'Body Bag' kommt davon noch um einiges mehr ins Spiel, so stimmt die Mixtur aus Rock n Roll, rotzigen Shouts und rythmischem Erguss auch hier wieder und die stampfenden Beats drücken alles an die Wand. Melodie-Fetischisten werden bei 'In Between' bedient. Die Schraube zieht deutlich in die tanzbare Richtung an und das Gespür für kontrollierter wirkendem Vorgehen steht BEARTOOTH hervorragend zu Gesicht. Pogo und Mitsingen erwünscht. Aber da wir nicht zum Schmusen hier sind, haut uns 'Relapsing' wieder ordentlich aufs Maul und angenehme Züge von Everytime I Die sind zu vernehmen und der Chorus ist überragend und,wäre er 10 Sekunden länger, fast schon hymnisch. 'Ignorance Is Bliss' hat sogar das Potenzial, einer meiner Hits des Jahres zu werden. Der punkige Rotz wird immer wieder von Wahnsinn und Melodie gleichermaßen durchbrochen. So würde ich mir A Static Lullaby 2014 vorstellen. Der Musikgott hab sie seelig. beartooth-disgusting-6339'I Have A Problem' gibt es auch in bewegten Bildern zu sehen und zieht zeitweilig das Tempo ein gutes Stück an. Auf der Vorgänger-EP war diese Nummer schon als Opener zu hören. Die Knallersongs hören einfach nicht auf und auch 'One More' gehört dazu. Diese Nummer nur als melodischen Punkrock zu bezeichnen, würde der Komplexität nicht gerecht werden, denn hier gibt es viele feine Facetten zu entdecken. 'Me In My Own Head' wird seinem Titel gerecht und wirkt schizophren bis zuletzt und auch dem Harmoniepart traut man nicht so recht über den Weg und das ständige Warten auf die Ausbrüche wird dann auch belohnt. Auch im letzten Drittel von "Disgusting" wird es nicht langweiliger und mit einem groß klingenden Titel wie 'Keep Your American Dream' darf man sich eh keine Schwäche erlauben. Und so findet man den Songnamen auch in den Lyrics reichhaltig wieder. Es gab in meiner Jugend einige Filme mit reitenden Leichen (Die Nacht der reitenden Leichen z.B.). Nicht nur der Titel 'Dead' passt zu dieser Thematik, auch der Rhythmus lässt uns durch den kürzesten Song des Albums gallopieren, um dann mit 'Sick And Disgusting' die letzte Runde einzuläuten. Und hier werfen BEARTOOTH nochmal alles rein, was sie in den 11 voran gegangenen Songs verbrochen haben inklusive eines Dauer leidenden Caleb Shomo. Ein Debüt nach Maß. Ich persönlich hatte hier das Vergnügen, einen Kandidaten für meine diesjährigen Top Ten zu rezensieren. Und hier gilt, auch wenn beide personell nichts miteinander zu tun haben: A Static Lullaby sind tot, es lebe BEARTOOTH. Full House. Album-VÖ: 06.06.2014 (Photo courtesy of Red Bull Records)