(Bridge 9/Soulfood) Die fünf Engländer sind auch keine ganz junge Band mehr. Seit 2009 sind sie bereits unterwegs und im Laufe dieser Zeit durch mehrere Veröffentlichungen in Erscheinung getreten. E.P.'s und Split-Releases (mit Self-Defense Family) stehen schon zu Buche. Und jetzt folgt also das erste volle Album auf Bridge9 Records. UK Hardcore, das heisst heute moderner, sehr emotionaler Sound, die Gitarren eher weniger hart, mehr dieser Combo-Amp-Sound. Mehr Crunch als endlos hartes Gebrate. Touché Amore klingeln mir im Hinterkopf. Die Landsmänner von Landscapes ebenfalls. Das sich auch so (oder vielleicht gerade deshalb?!) ein sehr dichtes Soundgewand erzeugen lässt, wenn man nur weiß, wie, dass zeigt "Rain" sehr gut. Schöne, emotionale Riffs, die erst richtig aufleben, weil Schlagzeug und der knochentrockene Bass die Songs nach vorne treiben. GOODTIME BOYS wissen, wie man Songs aufbaut und Breaks richtig einsetzt. Das musikalische Songwriting ist abwechslungsreich genug für die Distanz einer Full-Length. Damit aber ein wirklich herausragendes Album dabei herauskommt, sind manchmal Kleinigkeiten entscheidend. In diesem Falle ist es für mich Sänger Alexander. Zu gleichförmig und ohne mich wirklich zu berühren, kommen seine Vocals rüber. Das er nicht monoton schreit, sondern manchmal Lines à la (ganz) alte Hot Water Music einwirft, ist einerseits sehr gut - andererseits, sticht die Stimme einfach nicht genug hervor und hat wenig dazu bei zu tragen, das die Songs im Ohr hängen bleiben könnten. Goodtime Boys-courtesy of Bridge NineDas Gesamtbild stimmt zwar, keine Frage. Die vermutlich introvertierten Texte (was die Titel erahnen lassen, Textblatt liegt leider nicht vor) werden ehrlich und authentisch vorgetragen. Und dennoch bleibt es beim großen Problem von "Rain": Trotz der unverkennbaren Qualität auf der musikalischen Seite will sich das Album nicht festsetzen und rauscht etwas ereignislos vorbei. Klingt paradox? Hört es euch an. "Rain" wird definitiv seine Freunde finden, keine Frage. Eine gute Live Band sind die Jungs ebenfalls. Zuletzt waren sie bei uns im Vorprogramm von Defeater unterwegs und haben mir im Chez Heinz in Hannover eigentlich ganz gut gefallen. Das ich mich aber nicht gleich daran erinnern konnte, die Band schon live gesehen zu haben, bestätigt mir auch den Eindruck, den die Scheibe hinterlässt. Dennoch, ihr solltet mal ein Ohr riskieren. Bridge 9 nimmt nicht so ohne weiteres eine Euro-Band unter Vertrag. Notiz am Rande: ein schönes Cover ziert "Rain". Album-VÖ: 23.05.2014 (Photo courtesy of Bridge 9)