(Kscope/Edel) Mit "Distant Satellites" erscheint endlich der Nachfolger zum vielgelobten Vorgänger "Weather Systems" aus dem Jahre 2012. Das zehnte Studioalbum ANATHEMA's ist "oh Wunder" keine Rückkehr zum alten Doom Metal der ersten Jahre, dafür hat sich die Band seit der Jahrtausendwende zu lange musikalisch stets weiter entwickelt. Zwischenzeitliche alternative Sounds machten mit der Zeit atmosphärischem und vor allem melancholischem Progrock Platz. Der moderne 70er Jahre-Sound wird auch auch dem neusten Werk beibehalten und erinnert sowohl an Pink Floyd als auch Porcupine Tree oder akustische Katatonia. Trotz zwanzigjährigem Bandbestehen klingt die Band hungrig. Der Sound des Werks, dass in den Cederberg Studios (Oslo) unter den aufmerksamen Ohren von Produzent Christer-André Cederberg eingespielt wurde, wirkt angenehm live und erinnert daher klanglich an das jüngste, brillante Live-Album "Universal". Haben sich ANATHEMA auf ihren bisherigen Platten stets weiterentwickelt, wirkt der neuste Output allerdings wie ein "Weather Systems" Part II, was zwar nichts Schlechtes bedeutet, jedoch wenig innovativ daherkommt. Viele Trip-Pop-Passagen sind dem Verfasser dieser Zeilen jedoch etwas zu ruhig ausgefallen und ein langweiliges Instrumental wie 'Firelight' ist mehr als unnötig. Dafür entlohnen packenende Hymnen wie der dreiteilige Epos 'The Lost Song', bei dem einmal Vincent Cavanagh, einmal Lee Douglas den Hauptgesang übernehmen und sie ihn sich beim Abschluss bravurös teilen. Diese treibenden Pink Floyd-Rocker sind die mitreißendsten Stücke des Albums. 'You Are Not Alone' ist ein kleiner Hit, und die beiden Balladen 'Anathema' und 'Ariel' gehen wahrlich unter die Haut. Anathema press session © Scarlet PageSängerin Lee Douglas übernimmt inzwischen immer mehr Gesangsteile und ist diesmal gleich auf mehreren Stücken Leadsängerin ('Ariel') . Einige Songs wurden übrigens von Bandfreund Steven Wilson (Porcupine Tree) gemixt, dem die Band viel zu verdanken hat. Überhaupt ist der Klang schön transparent und öffnet neue Dimensionen für die Schönheit der Kompositionen, die Intensität, Dramatik und auch viele stille Momente in sich einen. Das Ergebnis ist monumental und erhaben. Fans der Frühphase werden hiermit zwar wahrscheinlich kaum etwas anfangen können, wer aber ANATHEMA seit etwa 2000 verfolgt und mag, der wird sich über dieses Werk freuen. Neulinge, die die oben genannten Refrenzen schätzen, sollten sich Zeit nehmen, um dieses Album zu erforschen - es lohnt sich! Album-VÖ: 06.06.2014 (Photo by Scarlet Page)