(Roadrunner Records) Um die Musik und das Auftreten von KING 810 halbwegs verstehen (für manche wohl eher tolerieren) zu können, muss man sich vor Augen führen, wo die vier Jungs herkommen. Ihre Heimat ist die Stadt Flint (area-code 810) im amerikanischen Bundesstaat Michigan, die in den US-Medien häufig auch als „Murdertown“ oder auch „Forgotten City“ bezeichnet wird. Flint hat eine der höchsten Mordraten in den Vereinigten Staaten und der dortige Alltag ist geprägt von Arbeitslosigkeit, Armut, Gewalt und Kriminalität. Diese Aspekte spiegeln sich dementsprechend auch in der Musik der Band wieder. KING 810 haben in diesem Jahr ihren Major-Label-Vertrag bei Roadrunner Records unterschrieben und kündigen mit der EP "Proem" ihr Debütalbum "Memoirs Of A Murderer" an, welches bereits im Sommer 2014 (voraussichtlich August) erscheinen soll. Schon im Jahr 2012 hatten KING 810 ihre erste EP "Midwest Monsters" (Independent) veröffentlicht. Kurz darauf wurde Sänger David Gunn überfallen und angeschossen, weshalb die Band eine Zwangspause einlegen musste. Nach Angaben von Gunn war dieses Ereignis ein Wendepunkt für den Sound von KING 810, der letztlich auch zur Entstehung von "Proem" geführt hat. Mit '810', dem ersten Song der EP, wird der geneigte Hörer von "Proem" auf das Leben in der Stadt Flint eingestimmt. Zu hören sind bruchstückhafte Ausschnitte von Medienberichten und Funksprüchen, welche wohl von Polizei, Rettungsdiensten und Feuerwehr stammen dürften. Unter Sirenengeheul geht es dann über zum zweiten Song 'Killem All'. Dieser beginnt eher verhalten, nimmt dann aber schnell Fahrt und vor allem Härte auf. Der Refrain wird einem dann quasi buchstäblich um die Ohren geschossen. Der Name des Sängers ist Programm! Gunns gutturaler (Sprech-)Gesang wird von satten, tiefen Gitarren-Riffs und treibenden Drums begleitet. Er presst die Worte aus sich heraus, sodass diese vor Wut und Aggressivität nur so sprühen. 'Killem All' ist ein absoluter Nackenbrecher und dürfte auch live den ein oder anderen Halsmuskel zucken lassen. Bis vor Kurzem war über die gängigen Videoportale auch ein offizielles Musikvideo zu 'Killem All' zu sehen, welches aus Aufnahmen von Überwachungskameras zusammengeschnitten worden ist. Diese Sequenzen sollen allesamt von Kameras aus Flint stammen. Mittlerweile scheint das Video wohl aus dem Netz verbannt worden zu sein, was wohl an den zahlreichen (realen) Gewaltszenen liegen dürfte. King810-courtesy of Roadrunner RecordsAuch die nächsten beiden Songs 'Fat Around The Heart' und 'Desperate Lovers' machen da weiter, wo 'Killem All' aufgehört hat. Schwere Midtempo Gitarren, ein sattes, präzises Drumming und Gunns unglaublich aggressiver Gesang bilden eine unheilvolle Symbiose und geben dem Sound von KING 810 so eine enorme Tiefe. Der letzte Song der EP, 'Anatomy 1:1', hat mich beim ersten Hören doch etwas überrascht. Bei diesem handelt es sich um einen reinen „vocal only“- Track. Gunns nervenzerrender Sprechgesang frisst sich einem bildlich ins Gehirn. Er erzeugt allein mit seiner Stimme eine Agressivität, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. KING 810 schaffen es, mit "Proem" ein musikalisches Spiegelbild ihres Umfeldes wiederzugeben. Ihre Musik strotzt nur so von Aggressivität, Wut und Verbitterung und es ist kaum möglich, sich als Hörer diesen Emotionen zu entziehen. "Proem" hat mich mit seinen Songs wirklich überzeugt und ich bin gespannt, ob das kommende Album mit der EP mithalten kann. EP-VÖ: 13.05.2014 (Photo courtesy of Roadrunner Records)