(Universal Music) Freitag der 13. bereitet den meisten Menschen immer noch irgendwie ein mulmiges Gefühl in Richtung Verdauungstrakt und kribbelige Füße. Möchte man dieses Gefühl in Worte fassen, würden wohl Unglück und Angst ganz oben stehen. Verkriecht sich der größere Teil an diesem Tag unter seinem Bett, geht ein kleinerer Teil gerne die bewusste Konfrontation mit Unheil und Mystik ein. Eine von diesen Todesmutigen ist LANA DEL REY, die genau am Freitag den 13. ihr zweites Studioalbum mit dem passenden Titel "Ultraviolence" veröffentlichte. Nach dem ihr Debüt "Born To Die" einschlug wie nichts Gutes, kann sich der Nachwuchs einfach bequem ins schon angewärmte Nest fallen lassen. Denn, wenn DEL REY eins kann, dann großen Wind um sich und das, was sie damit verkaufen will, machen. Zur Inszenierung ihrer Kunstfigur, die dank Kunstkörper sich irgendwo zwischen White Trash und Grande Dame wiederfindet, spielt sie mit Anstößigen, Grau Zonen und vor allem mit der Sehnsucht der Menschen. In absoluter Hoffnungslosigkeit ertrunken, schleppt sich DEL REY schwer und beklemmend durch ihre Lieder. Vom Suchen, Finden, Verlieren und Verletzten der Liebe handeln ihre Texte, die durch ihre tieftraurige und zerbrechliche Stimme getragen werden. Auch schwingt neben einer klaren Bestimmtheit fast immer etwas Weises oder Herrschendes mit. Diese Ambivalenz von Zartheit und Härte gibt LANA DEL REY eine Kälte und Unnahbarkeit, die fast etwas Mystisches hat. 'Cruel World' zeigt diese Mischung von Verzweiflung und Schwarzer Witwe. Durch schwere Gitarren-Klänge und akzentuierte Drums gelingt die perfekte Inszenierung. Und genauso akribisch arrangiert sich DEL REY in und um ihre Musik. Dabei untermalen Hall und Chor nochmals diese tiefe Traurigkeit. Lana Del Rey 2014_1 ©NeilKrug'Ultraviolence' sprüht, wenn man so ein fröhliches Wort in diesem Zusammenhang überhaupt benutzen kann, nur so vor tiefsten 90ties Charme, dank berauschendem Zusammenspiel von gehauchter Kopfstimme und Synthies. Das ungewöhnlich beschwingte Gitarrensolo bei 'Shades Of cool' geht, wie auch der perfekt abgemischte und ausgefeilte Sound, auf die Kappe von Produzent Dan Auerbach. Dieser durchzieht DEL REY einer musikalischen Gehirnwäsche, tauscht trashiges gegen große Töne, die an vergangene goldene Zeiten erinnern. Wie ein gemächlicher Sonntagsspaziergang ziehen sich die vierzehn Songs durch das Album. LANA DEL REY schwebt derweil über dem ganzen Geschehen in ihrer eigenen Welt. Dort wo trashige Mädels im Trailer-Park mit billigem Goldschmuck auf ihre starken Macho-Jungs warten, ohne Hoffnung, aber mit der Sehnsucht, dass sich je etwas ändern wird. Album-VÖ: 13.06.2014 (Photo by Neil Krug)