(Massacre Records) Da ist sie also, die neue ILLDISPOSED-Platte. Schnell offenbart sich dem Hörer, dass nichts so sein wird, wie wir es kennen. Alles ist neu, experimentell, nie zuvor dagewesen. Endlich trauen sich die Jungs aus Dänemark etwas und springen über ihren Schatten. Breakdowns, Klargesang und zehnminütige Atmoparts, Wahnsinn! Teilweise dauern die epischen Stücke über 20 Minuten, Vocoder, Streicher und Texte über die Problematik eines cartesischen Weltbildes runden das epische Meisterwerk ab. Ein intellektuelles Fest für die Sinne, sperrig und intellektuell. Dieser Auszug gehört natürlich in die Kategorie „Rezensionen, die es niemals geben wird“. ILLDISPOSED machen weiter wie bisher und sogar die elektronischen Spielereien gehören mittlerweile vollständig der Vergangenheit an. Experimente gibt es so gut wie gar nicht. Allerdings waren die „schwulen Nutten“ aus Dänemark für solcherlei Dinge noch nie berühmt. Die Jungs nehmen sich altbekannte Zutaten, nutzen diese aber in kreativer Art und Weise. Innovationspreise gibt es für "With The Lost Souls On Our Side" eher nicht, was aber auch völlig überflüssig ist. Den größten Teil des Albums macht, wie so oft, groovendes Midtempo aus, was sich zum Moshen und Mattenschwingen natürlich hervorragend eignet. Knüppeln die Jungs dann doch mal im höheren Tempobereich, gestaltet sich Riffing und Schlagzeugspiel eher thrashig als todesbleiern. Blasts kommen somit eher selten vor. An den richtigen Stellen gibt es dann durchaus kleine Überraschungen: Vertrackte Rhythmik ('I Am What I Am'), Geschwindigkeitswechsel, das ein oder andere melodische Lead oder Solo. In 'The Plan' gibt es überraschenderweise sogar einen Black-Metal-Part. An den richtigen Stellen schafft es das Quintett also stets, den Zuhörer mit ungewohnter Nutzung von Gewohntem bei der Stange zu halten. Das Resultat ist ein spannender Querschnitt aus Kapellen wie Lamb of God, Devildriver und neueren Carcass mit eigener Identität. illdisposed-by courtesy of massacre recordsDie Produktion des 13. Silberlings ist übrigens aller erste Sahne: Drückend, aber klar und modern produziert macht der fast einstündige Hassbatzen sofort klar, was Sache ist. Insbesondere die Snare müsste der feuchte Traum eines jeden audiophilen Schlagzeugers sein. Bo Summer, aka "Subwoofer", trägt diesen Namen sicher nicht zu unrecht, wird dem Titel aber während der richtig fiesen Stellen in den Bonustracks gerecht. Gedoppelt und gepitcht? Frognoise? Growls? Hä? Bo, was zur Hölle machst du denn da? Cool ist das alles schon, aber angesichts solcher menschlicher Klospülungen wie Mike Majewski oder Matti Way ist das alles nicht ganz so beeindruckend. Insgesamt ist "With The Lost Souls On Our Side" ein wirklich ansehnliches Album ohne große Schwächen. Jeder, der den für die genannten Truppen etwas abgewinnen kann, sollte sich das Teil auf jeden Fall anhören. Alle Feingeister und verkrampften Musikstudenten dürfen meinetwegen auf die nächste Necrophagist-Platte warten, bis der Tod eintritt. Album-VÖ: 27.06.2014 (Photo courtesy of Massacre Records)