(Eleven Seven Music / Warner)

Der Bandname ist angesichts der musikalischen Bandbreite des amerikanischen Vierers eine meisterliche Untertreibung! In der letzten Zeit sprießen zwar scheinbar wieder mehr Bands aus dem Boden, die sich nicht einer festgelegten Stilrichtung verschreiben wollen und munter mit diversen Stilen kokettieren, doch nur wenige könen so überzeugen wie das texanische Quartett! NOTHING MORE präsentiert auf dem Debütalbum einen fantastischen Genre-Mix, der trotz großer Bandbreite nicht wie ein wilder Crossover-Blend über das Ziel hinaus schießt. Schön sind auch immer wieder die 80er und 90er Jahre-Verbeugungen, die dezent aber identifizierbar eingeschoben werden. So beginnt das Intro der Platte wie ein Prince-Song ('When Doves Cry'), gefolgt von einem Dire Straits-Zitat ("I want my MTV" aus 'Money For Nothing') wenige Songs später. Im weiteren Verlauf schimmern immer wieder kleine solcher Verweise durch und auch sonst wird in vielen Bereichen gewildert, doch wenn das Ergebnis sich so überzeugend anhört, darf man ruhig mit viele Parallelen aufwarten, die den Hörer entrückt lächeln lassen.

Dann wollen wir doch einmal einen Song sezieren, um zu sehen, wie NOTHING MORE das anstellen, so unwiderstehlich gut zu klingen und massig Aha-Effekte auszulösen. - Herr Dokotor, das Skalpell bitte! - Die Eröffnungsnummer und erste Single 'This Is The Time' soll hier als Beispiel-Patient dienen. Das Lied beginnt mit einem wüsten Korn-Riff, an dass sich eine schöne mehrstimmige progigge Bridge mit folkartigem Gesang anschließt, die von einem Ohrwurm-Refrain gekrönt wird, der nicht zuletzt aufgrund des großartigen und recht hohen Gesangs von Jonny Hawkins an die famosen Saosin erinnert. So wild geht es in den übrigen Stücken munter weiter, mal schizoid wie bei System Of A Down, dann hymnisch à la 30 Seconds To Mars, hier und da eine Portion New Metal, dort ein Metalcore-Zitat, dann mal wieder ein Prog-Einschlag . Apropos Mars, die immer wieder vorhandenen Prog-Anleihen könnten auch von The Mars Volta stammen, so vertrackt, schräg und anspruchsvoll zugleich kommen sie daher. Doch, obwohl dem Hörer viele Bands durch den Kopf spuken, kann/muss man hier allerdings nicht von einem Plagiat sprechen, denn die eigenen Ideen überwiegen und das Ergbnis klingt durchaus eigenständig!

NothingMore-courtesy of Eleven Seven MusicDie vierköpfige Formation aus San Antonio zelebriert auf dem höchsten technischen Niveau. Drummer Paul O’Brien kann alles von brutaler Poli-Rhythmik bis hin zu feinfühligen Jazz-Fills. Mark Vollelungas' Gitarren-Arbeit ist ebenso wunderbar abwechslungsreich und er fühlt sich hörbar in vielen Metiers zu Hause. Daniel Olivers tightes Basspiel ist filigran und hält die Songs zusammen. Es ist schon allein eine wahre Freude, diesem Instrumental-Trio zu lauschen, die sehr songdienlich spielen und nur zu passenden Gelegenheiten vom Leder ziehen. Shouter Jonny Hawkins vermag es immer wieder mit einfühlsamen Hooklines um die Ecke zu kommen und packende Akzente zu setzen, dass die Platte trotz vieler Songs und langer Spielzeit nie langweilig wird. Im Gegenteil!

Los hör rein – dir entgeht sonst was!

Album-VÖ: 27.06.2014

(Photo courtesy of Eleven Seven Music)