(Sumerian Records) Unter allen neumodernen Releases, die einen tagtäglich förmlich überschwemmen, gibt es immer mal wieder einzelne Platten, die klar daraus hervor stechen. "Phantom" von BETRAYING THE MARTYRS ist definitiv eine davon. Nicht nur, dass die Band, die so klingt, als käme sie aus Australien oder Amerika, ein französisches Produkt ist, die Band fährt zudem eine furiose Mixtur aus Deathcore, Djent, technischem Deathmetal und dem Pop-Appeal von Bands wie A Day To Remember. Das Ergebnis ist brutalstes Geballer, das in regelmäßigen Abständen durch Cleanparts aufgelockert wird. Das ist aber bei weitem noch nicht alles, was BETRAYING THE MARTYRS für euch bereithalten. Mit Synthesizer-Begleitung werden mal Dancefloor-mäßige Hintergrundpassagen eingebunden, die sich hinter den Stakkato-Moshriffs richtig gut machen, es kann aber auch mal klassisch mit virtuosen (programmierten) Pianoparts werden, was dann in Kombination mit den melodiösen Hyperschall-Gitarren ein wenig an Bands wie Dimmu Borgir erinnern kann. Gesanglich begnügt man sich die meiste Zeit mit einem recht klar verständlichen, tiefen Grunting für die aggressiven Parts, wohingegen regelmäßig Popmelodien als Cleangesang für die Refrains herhalten müssen. Ohne Frage ein wirkungsvoller Kontrast, aber nicht wirklich frisch, im Gesamtpaket aber wieder stimmig. Die Drums sind knackig trocken, das müssen sie bei dem Tempo allerdings auch sein, sonst wird es alles nur schwammig. Auch die Gitarren sind stark komprimiert und geschnitten, sodass trotz der hohen Grundgeschwindigkeit alles auf den Punkt gespielt (oder gesetzt) wurde und dadurch noch einmal extra hart wirkt. Nach dem Debüt "Breathe In Life" hatte ich zwar recht hohe Erwartungen an das nächste Output der Band, wurde aber trotzdem noch einmal positiv überrascht. "Phantom" darf sich schon einmal die Ausgeh-Sachen aus dem Schrank suchen, denn nach aktuellem Stand hat die Scheibe jetzt schon einen Logen-Platz bei den Album Top-10 des Jahres bei mir sicher. Betraying The Martyrs-2014-courtesy of Sumerian RecordsBrutal, schnell, aber nicht monoton, modern, aber nicht erzwungen: so muss das sein, so will ich das viel häufiger hören. Nur Geballer ist auf Dauer zu anstrengend, man wird ja auch älter, nur Pop mag ich aber auch nicht. Hier ist die Gewichtung genau so gelungen, wie ich mir das wünsche! Wie gesagt, viele interessante Kombinationen unterschiedlicher Stilmittel, dadurch in gewisser Weise einzigartig, aber von den Grundideen her auch nicht wirklich neu. Das ist das einzige Manko, was ich an dieser Scheibe auf Anhieb erkennen kann. Album-VÖ: 14.07.2014 (Photo courtesy of Sumerian Records)