(Spinefarm/Universal) Die Trauer geht weiter! Das 1999 gegründete afrikanische Trio, das schon seit 2002 in seiner Wahlheimat, den USA, lebt, zelebriert auch auf dem neuesten Streich schön eingängige Rock-Tristesse. Die neue Heimat hat natürlich im Laufe der Zeit auf die Gruppe abgefärbt und so klangen die Herrschaften lange Zeit ihrer Karriere wie Radio Rock der Marke Nickelback, gesanglich irgendwo zwischen Bush und Nirvana. Die ewigen Vergleiche waren wahrscheinlich auch der Band irgendwann zu viel und so entwickelte man sich weiter. Das sechste Album klingt nun trotz der Verbeugung vor Grunge und Ami-Hardrock schön frisch. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Shaun Morgan (Lead-Gesang und Gitarre), Dale Stewart (Bass und Gesang) und John Humphrey (Schlagzeug) mehrfach vom bekannten Strickmuster abweichen. Das hatte sich auf den Vorgängern schon angedeutet aber erst jetzt spielen SEETHER über fast die ganze Albumlänge originell und "fast" ohne Konventionen, bis auf die üblichen Ami-Balladen-Verdächtigen. Zum Richtungswechseln trägt auch Produzent Brendan O’Brien (Bruce Springsteen, Pearl Jam) bei, der schon vorher mit den drei zusammengearbeitet hat und Shaun ermutigte, von seinen üblichen Gesanglinien Abschied zu nehmen. Zusammen mit ihm ist "Isolate And Medicate" ein leidenschaftliches und ergreifendes Werk geworden. Dem es aber nicht an Rotzigeit fehlt. Im Gegenteil, der Sound ist schön roh und kraftvoll! Der Songwriting-Prozess war diesmal auch ein gänzlich anderer. Shaun wollte möglichst ungestört schreiben und richtete er sich zu Hause in New Hampshire quasi ein Refugium ein. Ein umgebauter, isolierter Raum war die perfekte kreative Umgebung, um sich nur auf das Komponieren zu konzentrieren. Die Songideen wurden dann mit der Band in Schlagzeuger John Humphreys Zuhause in Oklahoma zu fertigen Song geformt. Im Januar 2014 ging es schließlich zu den Aufnahmen in die Henson Studios in Hollywood zu O’Brien. In nur 16 Tagen wurde hier aufgenommen, wodurch "Isolate And Medicate" spontan und unpoliert klingt. Nach dem traurig düsterem Opener, der an Nirvana erinnert, überrascht 'Same Damn Life' mit einer hohen Kopfstimme in der Bridge. Seether_GeneralPress_1_credit_MarinaChavezDie erste Single ist auch stimmlich und musikalisch eine deutliche Weiterentwicklung, weist darüber hinaus Parallelen zu Chevelle auf. 'My Desaster' hat ein mitreißendes Riff und mutiert im Refrain zum wahren Banger! 'Crash' ist die unvermeintliche Ballade, um im Radio gespielt zu werden. 'Suffer It All' zeigt wieder Anleihen bei Chevelle auf (vielleicht waren Shauns Wände doch nicht so dicht!) ist schön treibend, hat ebenfalls untypisch hohen Gesang, diesmal im Refrain, und ist mal nicht todtraurig - eine schöne und willkommene Abwechslung. Trotz des Titels 'Watch Me Down' sprüht diese Nummer ebenfalls vor positiver Energie. 'Nobodys Praying For Me' ist dann Softsong Nummer Zwo, wobei das Stück eine echte Powerballade darstellt und angenehme Ecken besitzt. 'Keep The Dogs At The Bay' knallt dem Hörer ein brachiales Anfangsriff um die Ohren, um dann, wie es bei SEETHER typisch ist, in der Strophe unterschwellig zu brodeln. Die Bridge steigert sich dann wieder zum Refrain, der mit dem gewaltigen Anfangsriff abschließt bevor der Reigen wieder von vorne beginnt. 'Save Today' ist der dritte ruhige Song, macht aber Spaß! Der Neuanfang ist gelungen, stößt alte Fans nicht all zu sehr vor den Kopf, dürfte sich aber neue Hörerschichten erschließen und ist dem Triumvirat dank Abkehr vom Radio-Format mehr als gegönnt! Album-VÖ: 04.07.2014 (Photo by Marina Chavez)