Mitte Juni erschien das erste Live-Album der Band MADSEN. Inzwischen steht ein Chartseinstieg auf Platz 22 zu Buche und auch die Kritiken und Resonanz der Fanbase scheint gut. Die MADSEN-Brüder können scheinbar sehr zufrieden sein und kommandierten das einzige Nicht-Familienmitglied der Band, Niko "Sexmachine" Maurer, ab zum eMail-Interview mit Gestromt. Mitte Juni ist Euer erstes Live-Album erschienen. Grundlage war bekannterweise die "5 Alben – 5 Nächte Tour". Wer hatte die Idee für ein solches Live-Konzept? Und wie lange musstet ihr proben, damit ihr praktisch alle Songs eurer Diskografie drauf habt? Die Idee kam ursprünglich von unserem Booker Bernie. Wir haben ihn erstmal für verrückt erklärt, da das ja einen wahnsinnigen Aufwand bedeutete. Aber dann waren wir uns auch ziemlich schnell sicher, dass wir das Ding durchziehen wollten. Letztendlich waren es ungefähr drei Wochen im Proberaum und natürlich viel Vorbereitung zuhause. Es waren ja auch viele Stücke dabei, die wir sehr lange nicht oder sogar noch nie live gespielt haben. War es von Anfang an geplant, aus dem Material dieser Shows ein Live-Album zum 10-Jährigen zu machen? Die Idee daraus ein Live-Album zu machen, lag ja auf der Hand. Wir wurden in den letzten Jahren ständig gefragt, wann wir denn mal eines veröffentlichen. Wir wollten aber nicht einfach irgendwelche Live Mitschnitte zusammenwürfeln und herausbringen. Ein Live-Album sollte schon etwas besonderes sein und das war die perfekte Gelegenheit dazu. Nachdem Ihr euch nochmal durch euren kompletten Songkatalog gespielt habt, sind Euch alte Stücke wieder besonders ans Herz gewachsen? Bei einem Repertoire von fünf Alben muss man bei "normalen" Konzerten natürlich eine Auslese treffen und dabei bleiben einige Stücke auf der Strecke. Nun war es sehr erfrischend, mal wieder einige alte Perlen auszugraben und diese zu spielen. Gerade die älteren Stücke machten dann auch sehr viel Spaß, wie z.B. 'Euphorie', 'Grausam und schön' oder 'Kein Weg zu weit', was wir nun auf den Festivals auch schon öfters wieder gespielt haben. Und gibt es Songs, auf die ihr im Grunde keinen Bock mehr habt, sie zu spielen; die emotional, persönlich oder politisch keinen Sinn mehr für Euch machen? Komischerweise gab es von den älteren Stücken keines, auf das wir keinen Bock mehr hatten. Das liegt vielleicht auch daran, dass wir sie so lange nicht gespielt haben und mit frischem Kopf ran gehen konnten. Alle fünf Konzerte aus dem Dezember 2013 konnte man natürlich nicht auf CD pressen. Wie seid ihr bei der Songauswahl für die CD vorgegangen? Es gab natürlich Songs, die von Anfang an gesetzt waren. Das sind die Live Hits, die die Fans hören wollen. Dazu gehören u.a. 'Lass die Musik an', 'Die Perfektion', 'Nachtbaden' und viele mehr. Dann haben wir uns die Songs einfach tausend mal angehört und überlegt, welche uns am besten gefallen. Und letztendlich haben es dann die Lieder geschafft, bei denen die Energie und das Gefühl gestimmt haben und bei denen wir gedacht haben: "Ja! Da fühl ich mich wie auf einem MADSEN-Konzert!" Beim Blick auf die Tracklist fragt man sich, warum habt ihr 'Nachtbaden' als Reprise nochmal ganz ans Ende der CD gesetzt? Der schnelle Refrain von 'Nachtbaden' am Ende ist bei den meisten Konzerten auch das große Finale des Konzertes. Da lag es auf der Hand, dass auch das Live-Album so wie ein Konzert endet. Es gab bei der "5 Alben- 5 Nächte"-Tour einige ganz besondere Songs und Auftritte. Features mit Thees Uhlmann oder Johannes Oerding, Coversongs wie 'Korn&Sprite' oder auch Songs, die ihr schon sehr lang nicht mehr live gespielt habt (z.B. 'Shoppen gehen'). Für eure Fans wäre es ein feuchter Traum, auch an diese Aufnahmen zu gelangen. Ist in diese Richtung etwas geplant? Im Moment ist da nichts geplant, aber wer weiß, die Aufnahmen sind ja da. Die Festivalsaison 2014 ist bereits angelaufen. Ihr seit dieses Jahr auch wieder auf einigen Festivals zu sehen. Darunter auch viele kleinere Veranstaltungen wie z.B. das Hunteburg Open Air. Spielt für Euch Ausrichtung und Konzept des jeweiligen Festivals eine Rolle oder müsst ihr nehmen was kommt, getreu dem Motto: „Hauptsache die Kohle stimmt. Wer weiß wie lange man uns noch sehen will.“ Natürlich informieren wir uns vorher immer über die Festivals auf denen wir spielen. Wichtig ist z.B. auch, wer außer uns dort spielt. Es würde ja auch keinen Sinn machen, wenn wir auf einem Gothic- oder Elektro-Festival spielen würden. Das muss schon irgendwie passen. In diesem Sommer spielen wir eher kleinere und mittelgroße Festivals. Das Schöne daran ist, dass alles persönlicher ist, die Leute sehr dankbar und oft auch wegen uns da sind. Man ist also nicht Band Nr. 124 von 250. Wie konnte es damals zu einem Auftritt bei The Dome kommen? Das ihr da nicht hinpasst, war ja jetzt keine sonderlich große Überraschung. Oder ist es besonders lukrativ, dort aufzutreten? Lukrativ ist das überhaupt nicht. Aber das war auch nicht der Grund. Wir haben das Angebot erhalten dort zu spielen und haben erstmal wild darüber diskutiert. Aber letztendlich haben wir uns dann gefragt "Warum eigentlich nicht? Man kann das doch mal machen und sich eine eigene Meinung bilden." Und jetzt können wir behaupten: "Da waren wir auch mal." Und geschadet hat uns das bestimmt nicht. Da haben die Kids endlich mal was vernünftiges zu hören bekommen. Unterscheidet sich die Vorbereitung für eine Festivalshow von einer anderen? Bzw. wie und wann legt ihr die Setlist für einen Auftritt fest? Die Vorbereitung unterscheidet sich für uns eigentlich kaum. Es ist nicht ganz so anstrengend, wie auf Tour zu sein, denn auf einer Tour spielt man viele Konzerte hintereinander. Bei den Festivals hat man meist zwei oder drei Auftritte am Stück und dann wieder eine Woche Regeneration. Die Setlist schreiben wir meistens einen Tag vorher und gucken am Nachmittag vor dem Auftritt nochmal drauf und ändern evtl noch was. Ihr habt Euch in den letzten Jahren einen Ruf als grandiose Liveband erarbeitet. Dafür musstet ihr mehrfach kreuz und quer durch die Republik und darüber hinaus reisen. Wie vertreibt man sich die Zeit auf „Tour“? Das ist ganz unterschiedlich. Die meiste Zeit verbringt man mit Warten. Das kann schnell langweilig werden und man sucht sich eine Beschäftigung. Der eine geht sich die Stadt angucken, der andere guckt Filme, liest ein Buch und der Nächste schläft einfach den ganzen Tag. Ich bevorzuge es, unseren Tourmanager zu nerven und ihn den ganzen Tag vollzuquatschen. Wenn man sich die Entwicklung der Band auf der Bühne anschaut, dann fällt einem auf, dass ihr nach dem "Labyrinth"-Album sehr viel auf Effekte auf der Bühne gesetzt habt. Ich persönlich erinnere mich da vor allem an den letzten Auftritt auf der Rheinkultur. Inzwischen wirkt es so, als hättet ihr in diesem Bereich ganz bewusst eine Rolle rückwärts gemacht und präsentiert eine deutlich reduziertere Live-Show. Das stimmt. Zur Zeit von "Labyrinth" hat dieser ganze Schnickschnack auf der Bühne auch gepasst. Es war ein Album, bei dem wir immer von "Größe" gesprochen haben. Also musste die Show auch "groß" sein. Nun haben wir uns bewusst dazu entschieden, das Konzert, die Musik und die Band in den Vordergrund zu rücken. Alles andere lenkt nur ab und wir müssen ja nichts mit einer riesen Licht- oder Pyroshow überspielen. MADSEN_Bild 2-by MARCO SENSCHEIn der MADSEN-Liveformation stehen mit Jonas Pfetzing, Martin Krüssel und Lisa Nicklisch weitere Musiker mit Euch zusammen auf der Bühne. Jonas und Martin werden als Tourgitarristen gebraucht. Lisa ist jedoch auch auf euren Platten zu hören und sozusagen die Ersatzfrau für Folli (Anmerkung: Folli war bis zum dritten Album der Band festes Bandmitglied und hat sich dann im Guten von den Jungs getrennt). Warum ist Sie kein offizielles Mitglied der Band? Sie würde offiziellen Pressefotos und ähnlichem sicherlich noch eine zusätzliche positive Note verleihen. Natürlich würden dann die Bandfotos endlich mal gut aussehen. Das wär' mal eine Überlegung wert. Aber Lisa macht ja auch selber Musik als Lisa Who und fühlt sich bei uns in ihrer Rolle als Live-Musikerin auch sehr wohl. In letzter Zeit ist Sebastian immer mal wieder als Feature bei anderen Künstlern oder Bands zu sehen bzw. zu hören gewesen (Chakuza, Jennifer Rostock, etc.) - Wie entsteht solch eine Zusammenarbeit und gab es schon Projekte, die ihr, aus welchen Gründen auch immer, abgesagt habt. Es macht ja immer Spaß, mit anderen Leuten zusammen zu arbeiten. Wie so etwas zustande kommt, ist ganz unterschiedlich. Oft ist es ganz einfach so, dass ein Musiker oder eine Band ein Stück hat, in dem sie gerne ein Feature hätten und dann kommt eine Anfrage, ob wir oder er da Bock drauf haben. Natürlich gab es da auch schon Vorschläge, die einfach nicht machbar waren. 10 Jahre MADSEN sind Anlass genug, einen Blick zurück zu werfen und Resümee zu ziehen. Dabei fällt auf, dass ihr sehr umtriebig seid und euch auch dem ein oder anderen Spaß-Projekt nicht verwehrt. Z.B. der MTV Band-Trip, Rickys Popsensation oder das „The real Hits“-Projekt. Gibt es Aktionen, die ihr im Nachhinein bereut oder so nicht mehr machen würdet? Oder ist schon das nächste ähnlich gelagerte Projekt „in Arbeit“? Wir bereuen nichts! Alles was wir so an außergewöhnlichen Sachen gemacht haben, hat Spaß gemacht. Das waren alles Erfahrungen, die wir gesammelt haben und auch nicht missen wollen. Aber man lernt ja auch aus solchen Dingen und ob wir z.B. so eine Sache wie den Band Trip noch einmal machen würden, wage ich zu bezweifeln. In den letzten 10 Jahren hat auch die Bedeutung von Social Media und Online-Musikangeboten deutlich zugenommen. Wie unverzichtbar ist für euch Facebook bei der Marketingarbeit für die Band? Diese ganzen Online Sachen sind mittlerweile für jede Band sehr wichtig geworden. Sehr viele Menschen in unserer Generation nutzen die Social Media-Seiten als eine ihrer Hauptinformationsquellen, informieren sich dort über Musik und entdecken darüber neue Bands. Aber auch als Band ist es natürlich ein großer Vorteil, mit relativ geringem Aufwand sehr viele Menschen erreichen zu können. Habt ihr bestimmte Strategien wie Ihr in diesem Feld arbeitet? Ist es euch oder eurer Plattenfirma von Bedeutung, wie viele „Likes“ ihr habt? Natürlich überlegen wir auch, wie wir das am besten nutzen können, aber in dem Zusammenhang von Strategien zu sprechen, wäre etwas zu viel. Wir freuen uns aber immer wieder, wieviel Resonanz und Feedback wir über die sozialen Medien erhalten. Online Musik-Streaming Anbieter à la Spotify werden zur Zeit sehr kontrovers diskutiert. Einige Bands wie z.B. Coldplay oder The Black Keys weigern sich zum Beispiel, ihre aktuellen Alben über solche Dienste freizugeben. Ihr habt scheinbar keine Probleme mit solchen Vermarktungswegen, zumindest findet man eure komplette Diskografie dort. Glaubt ihr, dass solch ein Dienst euch mehr nutzt oder schadet? Das ist schwer zu sagen. Natürlich haben diese Dienste zwei Seiten. Aber man muss als Band auch mit der Zeit gehen. Es ist nun mal einfach so, dass nicht mehr so viele CDs verkauft werden und Downloads und Streamings immer größere Bedeutung erhalten. Sich vor so etwas zu verwehren ist dann sehr schwierig und macht in unserem Fall eher wenig Sinn. Über kurz oder lang wird sich zeigen, wo die Entwicklung da hin geht. Zum Schluss wollen wir einen Blick nach vorne werfen und da stellt sich natürlich die Frage, wann ist frühestens mit neuem Material der Band MADSEN zu rechnen? Es gibt schon einiges an neuem Material. Aber die Songs befinden sich noch im Demostadium. Wenn alles nach Plan läuft, versuchen wir im Winter ins Studio zu gehen und aufzunehmen. Also kann man vielleicht nächstes Jahr mit etwas Neuem rechnen. Viele Fans wünschen sich auch mal eine Zusammenstellung von euren B-Seiten, Songraritäten, etc. auf einem Album. Wie wahrscheinlich ist es, dass sich dieser Wunsch mal erfüllt? Im Moment ist nichts in dieser Richtung geplant. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja mal eine Überraschung. Abschließend, welche Schlagzeile würdet Ihr euch zu eurem 20-Jährigen Jubiläum wünschen? "10 Alben - 10 Nächte Tour" ein voller Erfolg! (Photos by Marco Sensche)