(Victory Records) Auf einer einsamen Insel, fernab der Zivilisation, leben die Jungs von ISLANDER defintiv nicht, dafür hört man auf "Violence & Destruction" zu viele Parallelen zu bekannten Rock- und Newmetalbands, die in den späten 90ern die Szene beherrschten. Das Erste, was den Hörer sofort anspringt, ist der Sound, der stark an die Deftones erinnert. Ob der trockene Schlagzeugklang oder die Gitarren-Färbung, alles steht in der Tradition der tauben Töne bis hin zu den Arrangements, die sich ebenfalls vor der letzten alternativ gefärbten Dekade des vergangenen Jahrtausends verbeugen. Und auch gesanglich huldigt Frontmann Mikey Carvajal dem großen Vorbild Chino Moreno. Jetzt könnte man das Ganze als langweilige Kopie oder lauen Aufguss abtun, doch ISLANDER haben tolle, packende Ideen und heben sich wohltuend vom derzeitigen Einheitsbrei des Modern Rock ab. Das Quartett besitzt ein Gespür für prägnante Melodien abseits des Mainstream. In Punkto Spielfreude fühlt man sich zudem oft an die legendären Rage Against The Machine erinnert und der Drive der Groove-Götter P.O.D. schwebt auch immer wieder im Raum. Auf dem Track 'Criminals' ist sogar eben P.O.D.'s Sunny, jener Godfather des Raprock, zu hören. Der Stil von ISLANDER ist breit gefächert: Hier eine Prise Nu-Metal, da ein Alternative Zitat, dann wieder Post Hardcore-Referenzen. Die Formation lässt sich nicht wirklich festmachen, schafft es überzeugend, wüsten Momenten balladeske folgen zu lassen, ohne das es aufgesetzt und trendy klingt. Vielmehr atmet die Platte Oldschooligkeit aus jeder Pore! Der Geist der famosen Bad Brains liegt in der Luft. Ähnlich wie ihre Label-Mates Close Your Eyes, die sich dem Hardcore verschrieben haben, gelingt ISLANDER das Kunststück, wie ein Fels in der Brandung für die Ursprünglichkeit des Rock, Metal und Punk zu stehen und zu zeigen, dass diese Richtungen noch lange nicht am Ende sind und Fortschritt nicht immer der einzige Weg zur Verbesserung ist. Islander_2014_EricRichter_01Ganz gefangen in der Vergangenheit ist die Band dann aber doch nicht, denn Produzent Cameron Webb (Silverstein, Alkaline Trio) verpasste dem Vierer-Gespann einen enorm frischen Sound, wodurch man bei aller Verbeugung vor den 90er Jahren modern und voluminös klingt. "Violence & Destruction" nimmt den Verfasser dieser Zeilen, auch wenn es für manchen Götterlästerung bedeutet, mehr gefangen als die letzten Deftones-Alben, auch wenn die Originalität auf der Strecke bleibt. Es ist aber überaus erfrischend, mal wieder derbe Klänge abseits des Metalcore, Pop Punk, Modern Rock oder Radio-Alternative zu hören. Ich für meinen Teil bin gerne zum Teilzeit-ISLANDER geworden und höre gleich nochmal einen Durchlauf! Album-VÖ: 11.07.2014 (Photo by Eric Richter)