(Nuclear Blast) Es gibt so Dinge, die müssen einfach mal gesagt werden. Das neue SUICIDE SILENCE-Album "You Can't Stop Me" ist das Erste nach dem tragischen Tod von Mitch Lucker, das Erste mit dem ehemaligen All Shall Perish-Frontmann Hernan “Eddie” Hermida, und wahrscheinlich damit auch das erste Album von SUICIDE SILENCE 2.0. Denn nicht nur im Gesang hat sich etwas getan, eigentlich ist die gesamte Band stilistisch einen Schritt weit „erwachsener“ geworden. Die Band spielt sicherlich immer noch Deathcore, aber würden wir eine Skala aufstellen, die von eins bis zehn geht, wobei eins „sehr Metalcore-lastig“ und zehn „fast schon reiner Deathmetal“ bedeutet, dann haben sich die Jungs von einer 3 auf eine 9 gearbeitet. Das ist schon ziemlich wenig Songstruktur, die auf dem Prinzip „stumpf ist Trumpf“ aufbaut. Selbstverständlich war davon auszugehen, dass sich SUICIDE SILENCE mit diesem Album beweisen müssen würden. Gleich zweierlei Dinge zeigen an, wie die Band mit diesem Druck umgeht. Der Introtrack 'M.A.L.' ist einerseits eine Verbeugung (M.A.L. sind die Initialen von Mitchs vollem Namen), zeigt aber auch, dass man diese Geschichte gedanklich auf dem Album schnell hinter sich lassen will. Andererseits ist da der Albumname "You Can't Stop Me". SUICIDE SILENCE darf man nicht abschreiben. Auch nach dem Tod ihres Aushängeschilds sind sie nicht zu stoppen, und ganz ehrlich: Ich hätte mir den Bruch deutlich schlimmer vorgestellt. Hermida „kopiert“ den Stil von Mitch Lucker, bleibt dabei aber noch in gewisser Weise individuell. Das ungeübte Ohr würde den Unterschied wahrscheinlich gar nicht registrieren, uns fällt lediglich auf, dass hier insgesamt etwas weniger Druck in der Stimme ist und Hermid mehr faucht. Stilistisch passt das aber super zu den Songs. Um noch ein wenig Namedropping zu veranstalten: als Gastsänger haben sich SUICIDE SILENCE George „Corpsegrinder“ Fisher von Cannibal Corpse und Greg Puciato von The Dillinger Escape Plan ins Aufnahmestudio geholt, produziert hat das Album Steve Evetts. Suicide Silence-2014-by James KilianWer auf modernen Deathmetal steht, wird spätestens jetzt zukünftig um SUICIDE SILENCE keinen Bogen mehr machen können. Scheuklappen, die wegen des bösen „Core“-Wortes im Zusammenhang mit der Band getragen wurden, erscheinen ob des Songwritings absolut überflüssig, denn von ein paar wenigen modernen Elementen und Ideen einmal abgesehen, könnte diese Scheibe auch genauso gut als experimentelles Album von Cannibal Corpse und Co gelten. Sicherlich wird es noch etwas dauern, bis auch der linientreueste Todesblei-Fan hier zugreift, aber wirkliche Argumente wird man musikalisch kaum noch finden, diese Trotz-Haltung zu rechtfertigen. Album-VÖ: 11.07.2014 (Photo by James Kilian)