(Lifeforce Records) Ich weiß nicht, ob das jeder so sieht, aber in meinen Augen ist eine Best Of-CD in der Regel das Schlimmste, was man seinen tatsächlichen Fans als Band antun kann. Denn seien wir ehrlich, als echter Fan einer Band besitze ich den gesamten Back-Katalog an CD's, eine lückenlose Sammlung macht es aber erforderlich, dass ich auch das Best Of-Album kaufe. Viele Bands (so auch DEADLOCK) reichern daher ihre Zusammenstellung der Hits mit 2-3 neuen Nummern an, um zumindest im Ansatz einen Kaufanreiz zu bieten. Diejenigen, die bislang nur mal ein Album gekauft haben oder vielleicht sogar nur ein Video kennen und das ganz cool fanden, lachen sich ins Fäustchen. Value for money wird hier groß geschrieben! "The Re-Arrival" kommt sogar als Doppel-CD daher, und das ist dann tatsächlich doch etwas Besonderes: die zweite CD dürfte nahezu ausschließlich für die richtig harten Fans gedacht sein! Im Falle von DEADLOCK ist der Zeitpunkt, eine Ansammlung der besten Songs herauszubringen, sicherlich der Richtige. Ein Album mit dem neuen Sänger ist raus, aber viele der alten Hits werden weiterhin live geboten, also warum nicht mit neuem Gesang ausstatten und als komplette Neuauflage verkaufen? Und so bietet CD 1 auch einen Querschnitt über die, jetzt kommt es, vorletzten vier Alben (genau, auf "The Arsonist" ist scheinbar kein Song drauf, der Best Of-würdig ist?!? Wahrscheinlicher ist eher, dass von Napalm Records keine Genehmigung vorlag) sowie drei brandneue Tracks. 3x neu, 4x "Bizarro World", 2x "Manifesto", 5x "Wolves" und 1x "Earth.Revolt", durchaus ansehnlich! CD 2 bietet sicherlich für das Sammlerherz richtige Leckerbissen, klangtechnisch ist das aber eine völlig andere Welt und hat mit DEADLOCK 2014 so gut wie nichts mehr gemein. Ein Demo-Tape von 1998 mit insgesamt 6 Songs, 2 Songs einer 7‘‘ sowie noch ein paar Exoten wie das Running Wild-Cover 'When Time Runs Out' oder eine Akustik-Version von 'Awakened By Sirens' warten hier auf euch. Um das von vorne bis hinten durchzuhören, muss man aber schon seinen klangtechnischen Anspruch auf ein Minimum zurückschrauben. Insbesondere die Demo-Sachen sind gemessen an heutigen Maßstäben fast unerträglich. 1998 war in Bezug auf Recording die Steinzeit gerade erst überwunden, sofern man nicht das große Geld hatte. DEADLOCK- courtesy of lifeforce recordsSollte es tatsächlich noch Leute geben, die mit DEADLOCK überhaupt nichts anfangen können: der Sound der Band könnte als moderner Melodic Death Metal beschrieben werden, der das lustige „böser Growler, liebes Mädchen“-Spiel mit allen gängigen Klischees erfüllt. Hierzu muss man allerdings sagen, dass sich Frontfrau Sabine Scherer von „gar nicht mit dabei“ über „Gastauftritt“ bis hin zu „fester Bestandteil bzw. Kernelement der Band“ hochgearbeitet hat, was der Band insgesamt sehr gut getan hat. Der moderne Ansatz der Musik sowie die Lebenseinstellung der Mitglieder haben DEADLOCK zudem gerade in der Anfangszeit Gehör in der Hardcore-Szene verschafft, von der sie sich zumindest musikalisch aber immer weiter abgewandt haben. Für ein Best-of-Album bietet "The Re-Arrival" auch für alte Fans ordentliche Kaufargumente, der Preis ist zwar auch ansehnlich, aber bei einer 30-Track-Doppel-CD durchaus noch vertretbar. Rundum gelungenes Package, so man denn Wert auf den aktuellen Sound der Band Wert legt und nicht immer noch dem alten Sänger Johannes Prem nachtrauert. Album-VÖ: 15.08.2014 (Photo courtesy of Lifeforce Records)