(Sony Music) Das sich die Waliser MANIC STREET PREACHERS nicht um die Erwartungshaltungen ihrer Gefolgschaft scheren, dürfte in den nunmehr 28 Jahren ihrer Karriere mehr als deutlich geworden sein. Und auch Longplayer #12 klingt mal wieder ganz anders als sein Vorgänger. Noch kein Jahr ist es her, da stand mit "Rewind The Film" das letzte MANIC-Album frisch in den Plattenläden. Schon damals verkündete die Band, dass man bei den Aufnahmen des Albums so viele Tracks eingespielt hat, dass bald mit einem weiteren Longplayer zu rechnen sei. Dieser liegt nun in Form von "Futurology" vor. Und bereits nach einem Hördurchgang kann man Entwarnung geben, denn die MANICS stolpern nicht in die tückische Falle des Doppelalbums. Das zentrale Motiv dieses Albums ist "Europa" und die seit jeher politisch motivierten MSP schleudern den scheinbar immer mehr werdenden EU-Skeptikern ihren intelligenten Gegenentwurf in Form dieses Albums entgegen. Offenheit und Toleranz – so lautet das Credo. 'Europa Geht Durch Mich' heißt dabei der zentrale Song dieses Albums, welcher mit der Stuttgarter Schauspielerin Nina Hoss über eine halbprominente Gastsängerin verfügt. An künstlerischen Kollaborationen haben die MANICS scheinbar seit ihrem letzten Album Blut geleckt, denn mit Georgia Ruth Williams im Track 'Devine Youth' und Green Gartside von Scritti Politti im Track 'Between The Clock And The Bed' finden sich noch zwei weitere künstlerische Zusammenkünfte. 'Europa Geht Durch Mich' dürfte von diesen Zusammenarbeiten schließlich am kontroversesten aufgenommen werden. In seiner Sache muss man den Song ja fast schon gut finden, aber wenn man ab der zweiten Strophe den teutonischen Domina-Gesang von Nina Hoss ertragen muss, fragt man sich zwangsläufig, was soll das? Aber richten wir den Blick auf die Highlights des Albums. Dazu zählt unter anderem der Titelsong des Albums, welcher ganz starke Assoziationen zu den Landsmännern von Stereophonics weckt. Ein starker Popsong, der sich auch im Radioprogramm diverser deutscher Jugendsender wiederfinden könnte. Auch der zunächst als Vorabsingle von den Fans äußerst zwiespältig aufgenommene Song 'Walk Me To The Bridge', kann sich nach einigen Durchgängen hören lassen und erinnert ein wenig an Bowie. LEAD PRESS SHOT - use this-56569836Insgesamt besticht das Album durch eine enorme Vielschichtigkeit, welche fast jedem Track einen neuen Sound zugesteht. Wie zum Beispiel das groovige 'The Next Jet To Leave Moscow', der Glamrocker 'Sex, Power, Love And Money' oder die zerbrechliche Ballade 'Divine Youth'. Langweilig wird es auf den 46 Minuten dieser Platte nie. Und wer noch mehr entdecken möchte, dem sei besonders die Deluxe-Variante dieser Scheibe ans Herz gelegt. Hier zeigen sich die Waliser mal wieder gewohnt großzügig und halten eine zusätzliche CD mit allen Demos und drei zusätzlichen Songs bereit. Dabei drängt sich dann die Frage auf, warum der Bonus-Song 'The Last Time I Saw Paris' es nicht auf den regulären Longplayer geschafft hat. Dieser Song ist großartig und sei vor allem all jenen ans Herz gelegt, denen die Wartezeit bis zum nächsten Muse-Album zu lang ist. Album-VÖ: 04.07.2014 (Photo courtesy of Sony Music)