(Razor & Tie)

Unzählige Durchläufe habe ich mir jetzt das neue Album von CHELSEA GRIN gegeben. Eine Tortur, denn das Album zieht auf anstrengende Art und Weise an mir vorbei. Aber solange ich nicht herausgefunden hatte, warum das so ist, wollte ich nicht aufgeben. Letztendlich habe ich die Indikatoren gefunden, geprüft und für richtig befunden, was mich an der Scheibe stört.

CHELSEA GRIN aus Salt Lake City sind eine dieser Deathcore-Kapellen, die ich namentlich schon ewig auf dem Schirm hatte, aber nie wirklich Beachtung geschenkt habe. Das wird sich jetzt nach ''Ashes To Ashes'' auch nicht ändern, denn letztendlich sind es gerade mal zwei kurze Momente, in denen ich bei diesem Album aufgehorcht habe. Diese zwei kurzen Momente werden wahrscheinlich das sein, was die meisten Kritiker, die die Band feiern, am meisten bemängeln werden, für mich waren es die einzigen wenigen Sekunden, in denen ich die Band tatsächlich richtig gut fand.

Aber fangen wir vorne an: das Album startet mit dem Midtempo-Song 'Playing With Fire', der kraftvoll losstampft und nur wenige Sekunden verstreichen lässt, bis Frontmann Alex Koehler das erste Mal ins Mikrofon faucht. Hier eröffnet sich alsbald der erste anstrengende Punkt. Wo Koehler mit seinem Fauchen noch einen ordentlichen Eindruck hinterlässt, merkt man bei den tiefen Growls sehr schnell, dass hier mit gedoppelten Stimmen getrickst werden musste, um Druck rauszuholen, und da das zu 90% der Scheibe genau so läuft, nervt der Gesang schlicht und ergreifend schon nach wenigen Minuten kräftig. Während im Hintergrund die ersten Breakdowns gespielt werden und Koehler weiter faucht und grunzt, schweifen erstmalig die Gedanken ab, als Djent-alike Gitarren die Dauerbeschallung kurzfristig auflockern wollen, leider aber erfolglos. 'Pledge Allegiance' startet, ein größerer Unterschied ist weder im Stil noch in der Time zu finden. 'Morte Aetérna' beginnt erst mit ein wenig Akustikgitarre, danach wird ein sehr kurzer Blastbeat eingeworfen, nur um dann wieder in die Einheits-Time zu verfallen. Okay, immer wieder prescht der Song schnell los, es gibt Synthesizer-Piano dazu, was ein wenig an Dimmu Borgir erinnert. Aber richtige Abwechslung für die Ohren ist das auch nicht. CHELSEA GRIN Press Shot 1 - Photo Credit Rob Ghaderi - 300dpiUnd so zieht es sich durch. Das Album ist gut produziert und hat ordentlich Druck, schafft es aber nicht, den Hörer durch ein wenig Abwechslung in den Bann zu ziehen. Doch dann, wir befinden uns bereits in der Mitte des Albums, passiert es: in 'Waste Away' überraschen uns Clean-Vocals im Refrain. Die Gitarren beschränken sich in diesem Moment auf begleitende Akkorde ohne nerviges Pattern, und da ist er, der „Magic Moment“, auf den wir eigentlich die ganze Zeit gewartet haben. CHELSEA GRIN bekommen in dieser Sekunde ein Gesicht, einen Charakter. Doch das erweist sich nur als kurzer Einwurf. Schade! Gleiches dann noch einmal in der Abschluss-Nummer 'Dust To Dust', wo ein paar viel zu klischeemäßige „Wohooos“ eingebaut wurden. Dann ist zum Glück Schluss. Ganz ehrlich: meiner Ansicht nach hätte man alles, was diese Scheibe zu sagen hat, auch auf einer EP herausbringen können. Stattdessen bietet die Langrille unerträglich viele Songs (15 an der Zahl), die allesamt ähnlich bis gleich klingen. Für Fans sicherlich brauchbar, wer bislang mit CHELSEA GRIN nicht so viel anfangen konnte, wird es jetzt auch nicht tun. Technisch sicherlich nicht schlecht, was sich besonders in der begleitenden Gitarrenarbeit zeigt, aber die läuft eben zu penetrant, zu dauerhaft, und setzt in dem Sinne keine Highlights in den Songs. Hier wurde viel Potential verschenkt! Album-VÖ: 01.08.2014 (Photo by Rob Ghaderi)