(Gan-Shin Records/Rough Trade) Ein bisschen über eineinhalb Jahre ist es nun her, dass hierzulande das von mir hoch gelobte Album "Shangri-La" veröffentlicht wurde. Um die Fans nicht lange auf die Folter zu spannen bringt Gan-Shin nun bereits nach knapp über einem Monat eine europäische Pressung des neusten Werkes auf den Markt. "The End Of The World" heißt das gute Stück und wie bereits bei den letzten Alben, wird man es wohl wieder nicht allen Fans recht machen können. Obwohl man diesmal ein bisschen auf Nummer Sicher geht und größere Experimente auslässt. Bereits der Titeltrack 'The End of the World' verbreitet eine tolle Atmosphäre. Ein paar jazzige Klavierklänge und dazu wirklich rotzig klingende Gitarren und ein rauer Gesang, geben dem Lied eine gewisse Jam-Session Atmosphäre. 'Ender Ender' ist dann dem gerade vor allem in Japan vorherrschenden Hang zu elektronischem Metalcore geschuldet. Ganz im Stille von Crossfaith hören wir also ein Techno-Opening bevor sich die Instrumente dazu schalten. Elektronische Beats, harte Riffs und viele Growls ergeben somit ein stimmiges Gesamtbild, solange man auf diese Art von Musik steht. Wobei sicherlich stark auffällig ist, dass Tatsuro nicht unbedingt ein Meister ist, was Growls angeht. 'Miss Fear' entfernt dann einfach die Techno-Einflüsse, ist weiterhin erfreulich hart, die Growls überzeugender und im Refrain erstaunlich freudig und eingängig. Die Stimmverzerrung ist in meinen Augen allerdings überflüssig. Eher pop-rockig kommt 'Halo' daher, wo dann auch wieder mehr mit Elektronik gearbeitet wird. Musikalisch trotzdem auf einem hohen Niveau und damit so ein gute Laune-Lied für zwischendurch und das trotz dem eher traurigen Text. Relativ emotional wird es mit 'Tell Me', was vor allem an der guten Harmonie zwischen Melodie und Gesang liegt. Das ist aber auch kein Wunder, da Sänger Tatsuro den Song komplett alleine geschrieben hat. Und trotzdem bietet er uns gegen Ende noch ein tolles Gitarrensolo. Anscheinend wurde auf dem letzten Album eine neue Reihe gestartet nach dem '21st Century Baby' folgt nun diesmal '999 -21st Century World'. Ein deutlich von Riffs und Drums getragener Song, mein Tipp hierfür Kopfhörer auf! Schnell, rockig und sofort im Gehörgang festgesetzt. Mit Zahlen geht es auch weiter '369 (Mi-Ro-Ku)' ist wohl das außergewöhnlichste Stück des Albums. Ich werde hierbei einfach das Gefühl nicht los, dass es so auch auf das Album Random Access Memories von Daft Punk gepasst hätte. Das liegt erstens an der öfters im Background vorkommenden Frauenstimme, aber vor allem an dem Beat, der einfach extrem an diese doch sehr spezielle Band erinnert. Ich als Daft Punk-Fan finde damit dieses Stück wirklich toll, aber der durchschnittliche MUCC-Hörer könnte hier doch eher Probleme bekommen. mucc band courtesy of gan-shin recordsEin bisschen politisch wird es mit 'Japanese', in dem es um das Heimatland der vier Jungs geht. Ich glaube es ist für MUCC selber so etwas wie eine Herzensangelegenheit gewesen, es handelt sich nämlich um eine ergreifende Ballade. Schön durch Klavierklänge unterstützt, entsteht somit für mich das Highlight dieses Albums. Die Qualität wird aber auch bei 'Hallelujah' ohne Probleme gehalten, toller Gesang, packende Melodie und fetzende Instrumente unterstreichen, das MUCC eine Rock Band sind, die ihr Handwerk versteht, hier herrscht Headbang-Pflicht! Was man von 'World’s End –In Its True Light-' nicht gerade behaupten kann. Erstmal ist es ja auch verwunderlich, dass es nach dem Opener noch einen Song mit ähnlichem Titel gibt, aber der Stil ist hier ein ganz anderer. Hierbei haben wir es nun endgültig mit einem typischen Pop-Rock-Stück zu tun. Trotz technischer Finesse verkommt es schnell zu einem typischen 08/15 Gute Laune-Gedudel, welches nicht lange nachhallt. 'Who I Want To Die' ist dann trotz diesem Titel eine Ballade über das Leben. Wunderschön gespielt und erinnert ein bisschen an X-Japan bzw. Yoshiki und bietet somit einen gelungenen Schlusspunkt. Ich muss ja zugeben, als ich das Album zuerst nur über ein paar Samples angehört habe, war ich schon ziemlich enttäuscht. Aber tatsächlich muss man hier zwingend alle Tracks komplett und vor allem mehrfach hören, damit sie ihre Wirkung komplett entfalten können. Im Gegensatz zu den letzten zwei Alben geht man diesmal nicht wirklich große Experimente ein und besinnt sich wirklich auf den Rock-Aspekt. Hier und da wird immer noch mit Elektronik gespielt, aber längst nicht so intensiv wie auf "Karma". Was wieder einmal auffällt. ist die große Abwechslung, hier wird einem eigentlich nie langweilig und man will kein Lied überspringen. MUCC sind einfach eine japanische Band, die sich angenehm vom Einheitsbrei abhebt. Die wirklichen Überkracher mögen diesmal zwar fehlen, aber trotzdem handelt es sich wieder um ein sehr gutes Album. Die europäische Version kommt wie gewohnt mit englischen Übersetzungen der Liedtexte im Booklet daher und bietet als Gimmick sogar noch ein exklusives Plektrum. Da es ja nun seit 2011 nicht mehr geklappt hat, ist die Zeit mehr als reif für eine Tour durch hiesige Gefilde. Anspieltipps: '999 -21st Century World', 'Japanese', 'Hallelujah' Album-VÖ: 08.08.2014 (photo courtesy of Gan-Shin-Records)