(Mercury/Universal Music) "Sing lalalalalala....." so erklingt es wiederholt bei 'Stay Vicious' dem Opener des fünften Studioalbums von THE GASLIGHT ANTHEM aus New Jersey. Und diese doch sehr einfache Textformel fasst zusammen, wie das lang erwartete "Get Hurt" selbst nach dem 5.-6. Hördurchgang klingt: sehr beliebig, anbiedernd, überraschungsarm und leider einfach langweilig. Da ich nun mein Fazit vorne angestellt habe, werde ich versuchen, etwas näher zu erläutern, was meiner Enttäuschung zugrunde liegt. Eine Weiterentwicklung wie sie vom Debütalbum "Sink Or Swim" zu "The '59 Sound" stattgefunden hat, war nicht zu erwarten gewesen, dass allerdings das Erfolgsrezept (zumindest kommerziell) von "American Slang" und vor allem "Handwritten" so unverschämt stagniert, ja fast schon betoniert wird, hätte ich nicht gedacht. Nachdem der erste Vorbote zu "Get Hurt" namens 'Rollin' And Tumblin'' veröffentlicht wurde, keimte nicht unberechtigte Hoffnung auf, dass sich THE GASLIGHT ANTHEM etwas back to the roots bewegen würden und dem PunkRock eine Chance einräumen. Der Titeltrack als Nachfolgesingle brachte einen jäh zurück auf den Boden der Tatsachen. Es geht zurück zu den Wurzeln, leider nicht zu den Anfangstagen der Band, sondern der musikalischen Geschichte. Der sogenannte Heartland Rock, wie er von Bruce Springsteen (erklärtes Vorbild von Frontmann Brian Fallon) oder Tom Petty in Perfektion vorgetragen wird, ist auch das offensichtliche Ziel von THE GASLIGHT ANTHEM. Wäre auch alles schön und gut, wenn die Jungs die notwendigen Punch nicht vergessen hätten oder einfach mehr als nur ganz okaye Songs schreiben würden. Es gibt mit diversen Nebenprojekten von Herrn Fallon wie The Horrible Crows und ganz neu Molly And The Zombies aber auch schon genug Musik, die diese Art der sehr amerikanisch tradionellen Herangehensweise beackert. 'Helter Skelter' knüpft teilweise an die schwungvolleren alten Zeiten an und könnte auch live ganz gut funktionieren, ansonsten sind bei Konzerten von THE GASLIGHT ANTHEM hauptsächlich hochgehaltene Feuerzeuge, Wunderkerzen oder erleuchtete Smartphone-Displays zu erwarten. Denn das nachfolgende 'Underneath The Ground' ist an Belanglosigkeit kaum zu übertreffen. 'Red Violins' hat endlich was von der verloren geglaubten Frische abbekommen und ist der eigentliche Hit dieses sonst eher überflüssigen Albums. Etwas versöhnt wird man noch mit 'Ain't That A Shame' & 'Dark Places'. Der Rest vom Schützenfest ist uninspiriert und man wird das Gefühl nicht los, dass THE GASLIGHT ANTHEM einen Vertrag zu erfüllen haben und ihrem Label den Verkauf ihrer Musik so schwierig wie möglich gestalten wollten. The Gaslight Anthem 2014 - CMS SourceDer Songtitel 'Break Your Heart' spricht für meine Gefühlslage nach dem Anhören von "Get Hurt" - mein Herz ist gebrochen, weil ich befürchte, eine meiner Lieblingsbands ad acta legen zu können. Die alten Meisterwerke bis einschließlich "American Slang" werden immer einen Platz in meinem Leben behalten, aber lieber Brian Fallon: noch mehr Geld und Zeit werde ich nicht investieren, um deinem Anspruch, die perfekte Bruce Springsteen-Kopie zu werden, zu unterstützen. Sorry! Ach ja: Auch die vier Bonussongs der hier besprochenen Deluxe Edition (rotes statt weißes Cover), sind es nicht wert, 5 € mehr zu zahlen. Sehr langatmig, pathetisch und unkreativ das Ganze. Schade. Aufgrund einer Handvoll guter Songs, die als EP von mir wahrscheinlich abgefeiert worden wären, gibt es für "Get Hurt" insgesamt 2,5 wohlwollende Blitze eines ehemaligen Fans. Album-VÖ: 08.08.2014 (Photo courtesy of Universal Music)