(earMUSIC/Edel) So es passiert mal wieder etwas, das hier nicht unbedingt an der Tagesordnung steht und zwar die Kritik zu einem Power Metal-Album. "Maximum Overload" heißt das gute Stück der Londoner Band DRAGONFORCE, die spätestens durch Guitar Hero 3 ziemlich bekannt sein sollte. Selber betiteln sie sich übrigens als Extreme Power Metal-Band, wobei sie eigentlich eine Art des Metals spielen, die klassischer kaum sein könnte. Extrem ist da eigentlich gar nichts, schlägt die Band lediglich durch ihre technische Finesse und ihre schnelle Spielgeschwindigkeit Wellen. Nun wollen wir doch mal herausfinden, ob sie auch über den technischen Aspekt hinaus begeistern können.

Mit dem Start von 'The Game' merkt man sofort anhand der schnellen Riffs, dass wirklich alles auf eine schnelle Spielweise gesetzt wird. Ungewöhnlich sind für eine Power Metal-Band auch der Einsatz von Blastbeasts, aber klar bei schnellen Gitarren, darf auch entsprechendes Schlagzeugspiel nicht fehlen. Sonst könnte der Song aber klassischer kaum sein, ein recht hoch angelegter Gesang und recht uninspirierte Lyrics. Der Gastauftritt von Triviums Matt Heafy ist übrigens kaum der Rede wert, es gibt mal kurz ein paar Growls und das war es auch schon. Auch typisch für DRAGONFORCE der Einsatz von Chiptunes, um eine gewisse Videospielatmosphäre zu erzeugen. 'Tomorrow’s King' funktioniert nicht großartig anders und wenn man mal die Geschwindigkeit außer Acht lässt, fällt einem schnell auf, dass es typischer Metal ist, wie er auch 1:1 in den Achtzigern stattgefunden hat. Jetzt stelle ich mir gerade die Frage, ob ich diesmal wirklich jeden Song einzeln auseinander nehmen soll. Und ich entscheide mich dagegen, da DRAGONFORCE fast ausnahmslos ihr Ding durchziehen und man sich ständig wiederholen würde.

Da ist es dann schon sinnvoller drauf hinzuweisen, dass 'Three Hammers' großteilig auf die schnelle Spielweise verzichtet und nur ab der Mitte einmal für ein Gitarrensolo voll aufdreht. Mit fast sechs Minuten ist der Song für das Tempo aber auch deutlich zu lang geraten. Bei 'Defenders' schaut dann zum zweiten Mal Matt Heafy vorbei und wieder einmal ist davon viel zu wenig zu hören. Dafür ist der Song recht Thrash Metal-lastig und bietet ein bisschen Abwechslung. So nun aber zu einem wirklich ernsten Thema, das letzte Stück auf dem Album ist ein Cover von Johnny Cashs 'Ring of Fire' und die komplette Band sollte sich dafür kollektiv schämen. Selten musste ich mir eine so verhunzte Coverversion anhören. Vom Groove des Originals ist nichts mehr übrig, stattdessen gibt es den "Maximum Overload" in dem man mit viel zu vielen schnellen und aggressiven Riffs das Grundgerüst des Liedes zusammenbrechen lässt. Vor allem der Refrain  lässt bei mir die Ohren bluten und von der Melodie bleibt eh nur noch ein Hauch übrig.

Dragonforce courtesy of earMUSICWas passiert wenn eine Band zeigen will, wie verdammt gut sie sind? Sie ballern was das Zeug hält schnelle Gitarrenriffs auf den Gehörgang des Hörers. Schade, dass man dabei leider komplett jegliches musikalisches Feingefühl vermissen lässt. Auch höre ich kaum Spielfreude auf "Maximum Overload", stattdessen kommt es mir wie eine Arbeitsprobe vor. Und nein ich höre selber recht gerne Power Metal, aber den großen Trubel um DRAGONFORCE kann ich nicht nachvollziehen. Tatsächlich funktionieren für mich die Stücke am besten, die nicht übertrieben schnell gespielt werden und somit schön an die gute alte Zeit erinnern. So oder so, der Albumtitel passt wie die Faust aufs Auge und von dieser 'Ring of Fire'-Version muss ich mich nun erstmal erholen. Übrigens ist das Coverartwork eine recht gute Verbildlichung, wie ich teilweise beim Hören ausgesehen haben muss. Album-VÖ: 15.08.2014 (Photo courtesy of earMusic)