(Marvel/Walt Disney Studios Motion Pictures Germany) Nachdem ich von den letzten Marvel Kino-Erscheinungen nur medium bis gar nicht begeistert war, hielt sich die Vorfreude auf GUARDIANS OF THE GALAXY eindeutig in Grenzen. Zudem herrschten draußen am Abend immer noch etwa 26 Grad und da ist Kino eigentlich nicht wirklich meine erste Wahl. Nachdem ich den Trailer gesehen hatte, erwartete ich einen recht flachen Comedy-Trip mit eindimensionalen Charakteren – 3 D hin oder her. Ein Waschbär, ein sprechender Baum... nunja. Hatte mir alles ein wenig zu viel von Kinderkino, vermutlich mit billigen Jokes für Erwachsene. Aber wenn man nichts erwartet, kann man auch nicht enttäuscht werden. Aber man kann positiv überrascht werden! Die meisten kennen die Helden des Films nur flüchtig oder gar nicht. Entgegen der großen Leinwandhelden des Marvel Universums, wie Wolverine, Captain America oder dem Herrn Ironman, sind die Figuren des neusten Marvel-Spektakels kaum jemanden bekannt. Fernab der Mainstreamhelden gab es also jede Menge Spielraum WIE man die einzelnen Figuren präsentiert. Nach den ersten drei Minuten war ich schon Fänin. Als Kind der 80er hatte ich keine Wahl – die Unaufgeregtheit der ersten Szenen mit einem Augenzwinkern und perfekter musikalischer Untermalung haben gleich gezogen. Aus großer Sorge mit dieser Rezi zu viel zu verraten (was wirklich schade wäre) gibt es heute nur eine kurze aber hoffentlich hilfreiche Gefühlsbilanz: Guardians_Of_The_Galaxy_FBA0680_comp_v192.1011_RJedes Kind der 70er und 80er dürfte bei diesem Film glücklichst in der Vergangenheit schwelgen. Damit beziehe ich mich zum einen auf die Musik des Films, die mit Hits wie 'Come And Get Your Love', 'If You Like Pina Colada' , 'Fooled Around And Fell In Love'  und 'I'm Hooked On A Feeling' eigentlich keinen kalt lassen kann. Kleine Andeutungen und Insider aus meiner Kindheit verbinden wunderbar die 'Gute Alte Zeit' mit dem 'Hier Und Jetzt'  in einem futuristischen Galaxie-Setting. Der Film erinnert in seiner ganzen Stimmung ein wenig an die Sci-Fi-Märchen von früher. Damit meine ich nicht unbedingt die technischen oder visuellen Eigenschaften, aber ein wenig schwingt die Stimmung der späten 70er und frühen 80er Jahre auch in der ganzen Machart mit. Natürlich kann man GUARDIANS OF THE GALAXY nicht mit diesen epischen Erleuchtungen beim ersten Mal STAR WARS-gucken gleichsetzen, aber das Gefühl geht in die Richtung. Davon abgesehen, dass Groot mich sowieso mit seiner liebenswürdigen, wenig artikulierten aber dennoch überdimensionierten Art an meinen Lieblings-Wookie erinnert. Und der Oberschurke in Kapuzenoutfit könnte mit einem zusammengekniffenen Auge auch als Senator Palpatine durchgehen... sag ich mal so. Storytechnisch habe ich nichts auszusetzen: Es gibt ein bisschen Emotion, jede Menge Spaß, ausreichend Spannung und vor allem viel Action, Raumschiffe, Geballer und Geprügel – wie man das von einem Marvel Sci-Fi-Comic erwartet. Dabei ist die weibliche Hauptrolle hot, wenn auch etwas sehr dünn, die männliche Hauptrolle ebenso hot und nicht zu dünn. Man kann also getrost mit der Freundin ins Kino, um noch kurz die Rollenclichées zu bedienen. Das Team der GUARDIANS OF THE GALAXY lebt von den einzelnen Mitgliedern, ihren persönlichen Charakterzügen und Fähigkeiten. Einzeln betrachtet wären sie vermutlich nicht rund genug, um eine eigene Geschichte zu tragen. Aber die Story sowie die Konstellation verbindet die Gruppe stimmig und unterhaltsam. FBC1203_comp_v080.1062Hin und wieder wird man auch mit ein paar neuen Ideen überrascht, was Waffen und Raumschiffe angeht. Endlich mal ein Genre-Film, bei dem man nicht schon alles einmal gesehen hat und der nicht nur durch "noch größer, noch lauter" beeindrucken will. Gelegentlich wird nach der Devise "weniger ist mehr" gepunktet – dies gilt für die Dialoge, wie auch für die eine oder andere Action-Szene. Die komischen Elemente sind von trockenem Humor und Situationskomik geprägt: keine zu flachen Sprüche, keine total flachen Lacher. Schöne Unterhaltung und für eine actionlastige Comicverfilmung absolut passend. Zum Ende des Films hat man das ganze Team lieb gewonnen. Und wenn dann die Jackson Five aus den Boxen trällern, überkommt einen schon ein wenig Wehmut, dass es schon vorbei ist. Umso besser, dass die Fortsetzung nicht ewig auf sich warten lassen wird. Die Vorspann zu selbiger blieb den Journalisten leider vorenthalten. Ein Grund mehr, den Film noch einmal im Kino anzusehen. Viel Spaß! (Photos courtesy of Marvel/Walt Disney Studios Motion Pictures Germany)