(Roadrunner) Die Vergleiche mit dem hässlichen Entlein, dass zum schönen Schwan erwächst oder der dicken Raupe, die sich irgendwann als wunderbarer Schmetterling entpuppt, hinken zwar etwas, denn die Debüt-EP der Süd-Kalifornier war durchaus gelungen. Und doch haben HEARTIST nun die ausgetrampelten Pfade des Metalcore verlassen und brechen auf zu neuen Ufern. Bei aller Innovation bleiben die jungen Herren allerdings gottlob mit beiden Beinen im Rock stehen! Gegründet wurde das Quintett im Jahre 2011. Die meisten der jungen Mitglieder ließen das unvollendete College oder sicherere Arbeitstellen hinter sich, um sich zu einhundert Prozent auf die Musik zu konzentrieren. Nach jahrelangem Feinschliff ist es ihnen nun gelungen, etwas Eigenständiges zu erschaffen. Sie kehren der Metalcore-Szene den Rücken und präsentieren ihr Full-Length-Debüt "Feeding Fiction". Als Produzent wählte man David Bendeth, der unter anderem schon Paramore, Of Mice & Men, Bring Me The Horizon und anderen zu einem originellem und authentischen Sound verhalf. Dieses Vorhaben ist auch mit "Feeding Fiction" gelungen, das elf explosive Rock meets Metal-Tracks enthält, die mal hymnisch daherkommen, manchmal dann doch noch vom Metalcore geküsst werden, ohne aber zu sehr nach Schema F zu klingen. Viele der packende Refrains haben das Zeug zu großen Rockradio-Hits. Kernige Riffs treffen auf großartige Hooks von Ausnahmesänger Bryce Beckley, der wahrhaftige und ehrliche Emotionen transportieren kann. Schon der Opener 'What Kind Of World' berührt und rockt zugleich. Gekürt wird der gelungene Einstand mit einem Ohrwurm-Chorus. Mit 'Black Cloud' geht es mit dem A Capella gesungenen Refrain fast schon Green Day-artig weiter, bis man in bester Faith No More-Manier loslegt. Und wieder frisst sich der Refrain tief in die Gehirnwindungen. 'Skeletons' ist bester Alternative mit leichten Grunge Anleihen, wunderbaren Gesangsharmonien und mausert sich im Verlauf zu einer wahren Hymne. 'Pressure Point' macht dann deutlich mehr Dampf und bedient sich Metalcore-Anleihen, besitzt eine rotzfreche Punk-Attitüde und glänzt erneut mit einem "Langzeit-im Hirn-Festsetzer-Chorus". Mit 'Ignite' ist eine perfekte Radiosingle vertreten, die eine deftige Halbballade darstellt, die sich aber von Weichspülschrott Marke Nickelback abzugrenzen weiß! Heartist_Press_Picture_2'Unbreakable' zieht dann den Härtegrad wieder an und swingt sich in die Herzen der Hörer, erinnert an eine harte Ausgabe von Panic At the Disco. 'Legacy' startet balladesk, schraubt sich hymnisch hoch, fällt wieder in sich zusammen und durchläuft das stimmige Dynamikspiel erneut. Schön, dass 'Manipulate' dann wieder eine Metal-Attacke darstellt, die dank ständig wechselnder Beats schön in Bewegung bleibt, mitreißt und zum Kaputtmachen animiert. Hier darf auch ruhig mal ein Breakdown wüten. 'Ready To Change' ist ein als Akustiknummer beginnender "Dosenöffner", der schön gemacht ist, aber qualitativ etwas abstinkt. Gut das dass treibende 'Set Me Free' dann wieder alles richtig macht. Die Symbiose aus leichten Metalcore-Versatzstücken, punkigen Einschüben und tollen Hooks ist ganz großes Kino. Das abschließend 'Demons' macht seinem Namen alle Ehre, startet schnell, metallisch, wird groovig, reißt mit und wird, wie überhaupt alle Stücke, mit einem Mitsing-Refrain versüßt! Mit "Feeding Fiction" ist HEARTIST schon mit der ersten Major-Platte der große Wurf gelungen. Das eingängige aber alles andere als verweichlichte Material sollte viele Fans finden, die Abwechslung zum stagnierenden Metalcore suchen, Punk-Ansätze mögen und fast durchweg melodischem Gesang nicht abgeneigt sind! Für mich eines der Highlights des Jahres! Album-VÖ: 08.08.2014 (Photo courtesy of Warner Music)