Sturmböen, Sonnenschein, frischer Wind und ein kurzer aber heftiger Wolkenbruch. 25000 Menschen, erstmals seit dem Umzug an den Störmthaler See ausverkauft. Das sind die Fakten und dass das Sold Out-Schild an der Tageskasse aushing war dem grandiosen Line-Up des HIGHFIELD 2014 geschuldet. Problemlose Anreise am Freitag Nachmittag, kurz Bändchen besorgt und auf den Weg zum Festivalgelände gemacht - etwas kurios, dass man zwangsläufig über den Campingplatz musste (wir haben im Sprinter auf dem Parkplatz gepennt), um die Festivität zu erreichen, aber sei's drum. Nach gefühlt 2 km Fussweg erstreckte sich das wunderschön gelegene Gelände vor einem. Hier kann man auch gleich mal alle Pluspunkte abarbeiten, wie z.B. die relativ kurzen Wege zwischen den zwei Bühnen, die gleichberechtigt und etwas versetzt voneinander mit einem super Sound glänzten (trotz des starken Windes), einem tollen Essensangebot zu fairen Preisen, unzählige Getränkestände (nie länger als 30 Sekunden auf ein Kaltgetränk warten müssen), extrem nette Lotsen und okaye Sicherheitsmenschen. Zur Musik: zu Findus angekommen und die Nordlichter haben mit beherzten Indie-Punk gleich mal ein erstes Highlight gesetzt. Ebenso großartig waren Touché Amore, die mit ihrem zur Referenz gewordenen Hardcore die übersichtliche Zuschauerzahl begeistern konnten. Lag Wagon spielten ein perfektes Best-Of Set kalifornisch geprägten MelodyCores, leider fehlten als Topping ein paar neue Songs, des im Oktober erscheinenden neuen Albums "Hang". Kurz ging es rüber zu Fünf Sterne Deluxe, die mit oldschooligen Hamburger HipHop eine Party feierten inkl. allen Hits der 90er sowie ein paar Tobi & das Bo-Einschüben wie 'Morgen geht die Bombe hoch'. War spassig, aber wichtiger war Frank Turner mit seinen Sleeping Souls, die etwas verspätet aufgrund technischen Problemen die Bühne enterten, aber mit einem energischem Konzert, die Wartezeit vergessen machten. Sympathisch, musikalisch top - Frank Turner ist immer eine Bank - auch nach dem gefühlt 10. mal anschauen, ein Genuss. Brody Dalle hat die an Garbage erinnernden Songs zuhause gelassen und richtig auf den Putz gehauen inkl. Distillers-Songs. Richtig geil!! Die Headliner an diesem Tag waren Placebo mit großartiger Lichtshow und unzähligen Hits und die Wüstenrocker von Queens Of The Stone Age, die abgeliefert haben, nicht mehr aber eben auch nicht weniger! Samstag mussten Marathonmann den Tag beginnen und rissen die wenigen, die nicht im Delirium lagen, vollends mit. Ihr deutschsprachiger PunkRock mit Hardcorekante weckte alle Lebensgeister und machte einen fit für den weiteren Konzertverlauf. Über die Band Roboz möchte ich den Mantel des Schweigens decken, da ich lieber nichts dazu schreiben möchte (ja, so schlimm war das!). Die Indie-Folk affinen Menschen wurden mit Young Buffalo und Hudson Taylor mehr als zufrieden gestellt, während die KiddiePunker auf Montreal steil gingen. Wir loggten uns wieder bewusst bei Royal Blood ein und was die beiden Musiker nur mit Bass und Drums dort veranstalteten, bekommen manche Bands nichtmal mit 6 Mitgliedern hin. Geilster ROCK, wie eine Mischung aus alten The Black Keys und aktuellen Danko Jones. Boah ey, persönlicher Gewinner des Festivals. Punkt. INVSN (ehemals The Lost Patrol Band) mit Sänger und Mastermind Dennis Lyxzén (Refused, AC4) berauschten mit großartigen New Wave Klängen. Egal was Herr Lyxzèn anfasst, es wird pures Gold in seinen Händen. Young Rebel Set waren nicht spektakulär aber eine nette (im besten Sinne) Ablenkung, während The Arkells mit dem oben erwähnten Wolkenbruch zu kämpfen hatten. Die Vorfreude auf Taking Back Sunday wurde durch ein ziemlich hitverdächtiges Set bestätigt, auch wenn die Rockstar-Posen etwas albern waren. Die Terrorgruppe aus Berlin sind zwar in die Jahre gekommen, der Humor bleibt trotz allem pubertär, was dem Zielpublikum sehr gelegen kam. Auch hier: ein Best-Of inkl. Mitmach-Aktionen, dummen Rumgelaber - aber Spass hat es gemacht, das ist was zählt. Beim Thema Fettes Brot bin ich raus und Blink 182 feuerten ein wahres Feuerwerk ab. Ich bin ja der Liebhaber der "kleineren" Bands, Headliner interessieren mich meist eher sekundär, daher war ich auch am Sonntag frühzeitig auf dem Gelände um mir z.B. die Marmozets anzuschauen - und was ein Glückgriff war das denn bitteschön...female fronted PunkRock mit einigen wirklich spektakulären Songs. TIP für alle, die mal Bock auf frischen Spirit haben. Danach ging es punkrock-technisch mit The Flatliners weiter, im Anschluss The Blacklist Royals und die aus Gimbweiler stammenden Pascow. Ebendiese wollten den Song 'Lettre Noir' eigentlich nicht spielen, aufgrund diversen Frei.Wild-Aufklebern, auf den heimischen Kraftfahrzeugen haben sie dieses wichtige Lied aber trotzdem gezockt. Die hohen Erwartungen an Band Of Skulls wurden mit Einsetzen des Geschreisches von Emma Richardson im Keim erstickt, kaum auszuhalten. Schade. Turbostaat, Converge und Jimmy Eat World haben dagegen allen hochgesteckten Erwartungen standgehalten und massiv abgeliefert. Die allseits beliebten The Hives und das mit neuen Songs gespickte Set der Beatsteaks beendeten ein tolles, sehr zu empfehlendes Festival. Macklemore haben wir uns gespart, da schon radiotechnisch kaum zu ertragen. Was mich allerdings umtreibt ist auch die Frage (gilt auch für andere Festivals): Warum bezahlt man einen dreistelligen Betrag plus diversen Extrakosten, um sich drei komplette Tage auf dem durchweichten und massiv verdreckten Campingplatz aufzuhalten und volllaufen zu lassen? Und das waren nicht wenige Besucher.... Naja, eine Wiederholung im nächsten Jahr ist bei uns angedacht - HIGHFIELD FESTIVAL könnte sich zu einem Lieblingsevent entwickeln. (Photo by Dario Dumancic)