(Astat Entertainment) Warum beanspruchen viele Extrem-Todesblei-Truppen eigentlich so unsäglich komplizierte Namen, Albumtitel und Texte für sich? Insbesondere der Brutal-Death-Sektor fördert eine Menge hochgestochenes Englisch zu Tage, bei dem höchstens Absolventen von medizinischen Studiengängen ein Licht aufgehen dürfte. FUCK YOU AND DIE machen es kurz und wirklich jeder Ewiggestrige sollte im Fall mit diesen Worten angesprochen zu werden wissen, was zu tun ist. Nun macht ein Bandname allein noch lange kein Statement aus, so lange als solcher ohne Verknüpfung steht und eben nur Name ist. Metusalix ist das aber völlig schnuppe, denn er ist stolz, dass sein anglikanischer Sprachpool gerade so viel hergibt um sich beleidigt zu fühlen und auf der nächsten CDU-Weihnachtsfeier mit seinem Halbwissen angeben zu können. Wer schlau ist, zieht jetzt mit, um von diesem Furz einer Kontroverse profitieren zu können und im Fahrwasser von Opas rethorischer Schleimspur politische Fahrt aufzunehmen. Das Resultat? Eine junge Band mit Unmengen an Talent, mit der sich niemand aus der selbsternannten Anstands-Gestapo auch nur eine Sekunde genauer beschäftigt hat, erhält Auftrittsverbot im Jugendzentrum eines Provinzstädtchens. Eigentlich kein Ding, wäre das alles nicht so extrem antiquiert und lächerlich. Vielleicht wäre das Bands wie Devourment, Visceral Disgorge und Cephalotripsy nicht passiert... Anders als der simpel und provokativ gehaltene Name zunächst vermuten lässt, spielen die Baden-Württemberger keinen Deathcore, sondern heftigen Death Metal zwischen technischer Brillianz Marke Necrophagist, Nile und Sophicide, melodischer Eingängigkeit mit Blasts und Shreds, wie man sie auch bei Anaal Nathrakh vorfindet und gelegentlichen Ausflügen in dissonante schwarzmetallische Gefilde. Dabei behält die technische Seite des Dargebotenen nie die Überhand, auch wenn ab und an vertracktes Riffgewitter und Sweep-Picking-Exzesse das Bild ausmachen. Alles auf "Elements Of Instability" ist stets sauber gespielt und zumeist verdammt schnell. Zwischen den genannten Elementen gibt es immer wieder gelungene Überraschungen, wie zum Beispiel ein Bass-Tapping-Part ('Bury Them By The Rivers'), ein rein instrumentales Zwischenspiel ('Habitus Metus') und sogar einen groovenden Breakdown inklusive Brutalo-Inhales ('Self Inflicted Suffocation'). Den Großteil des Albums machen jedoch scheinbar die melodischen Passagen aus, die ab und an von Black-Metal-Riffs eingeleitet und wieder durchbrochen werden. Letzteres können Anaal Nathrakh noch etwas souveräner, doch es sind einige Perlen unter den zahlreichen Melodiebögen ('Retrogression', 'Roar, Allay And Alter'). Gefühlt machen die Melodien einen Großteil des Albums aus, was hartgesottene Tech- und Brutal-Deather etwas enttäuschen, "Einsteigern" aber liegen dürfte. Ob die Gewichtung gefällt, ist letzten Endes eine reine Geschmacksfrage und sei jedem selbst überlassen. Ich persönlich fände etwas mehr Mut zur Brutalität äußerst anregend. Der Gesang bleibt hauptsächlich recht eindimensional (bis auf gelegentliches Black-Metal-Kreischen und dem erwähnten Inhale-Ausbruch), was aber bereits bei den erwähnten Leichenvertilgern nicht gestört hat. Bandfoto_FYADDie Produktion ist ebenfalls klasse, sehr transparent, aber druckvoll. Was hingegen als einziger absoluter Kritikpunkt wirklich nervt, ist die Lautstärke der eingespielten Samples. Teilweise direkt über (oder eher unter) die Musik gelegt, fühlt man sich zunächst, als liefe aus Versehen irgendetwas im Hintergrund, denn oft kommt nicht mehr als Gebrabbel beim Hörer an. Hier hätte nachgebessert werden müssen. "Elements Of Instability" macht wirklich Spaß, fährt aber scheinbar zeitweise mit angezogener Handbremse und könnte etwas mehr Mut zur Destruktivität durchaus vertragen. Darüber hinaus gibt es aber kaum etwas zu beanstanden und vielleicht gibt es ja auf der nächsten Platte die volle Breitseite. Hoffen wir nur, das Opa und seine Bande aufmerksamkeitsgeiler Moralapostel den Jungs keinen Strich durch die Rechnung machen. Album-VÖ: 29.08.2014 (Photo courtesy of Astat Entertainment)