(Kavorka/Caroline/Universal Music) Nein - nach "Beginning" klingt das Album der Kanadier WOLFBORNE zu keiner Sekunde! Schaut man sich das Line Up an, merkt man, dass hier alte Hasen zusammen Musik machen. Gitarrist Lanning Cann griff schon bei Dodging Daylight in die Saiten und Bassist Brett Nussbaum zupfte bereits bei Versus The Nothing den Tieftöner. Aushängeschild der modernen Hardrocker ist aber ganz klar Sänger Chris Witoski. Der vielseitige Shouter vermag es fast, auf jedem Track anders zu klingen. Und wo wir schon bei Abwechslung sind, die wird auch bei jedem der vertretenen Tracks geboten. Hier klingt kein Stück wie das andere! So was bekommen normalerweise nur Ausnahmebands wie etwa Faith No More hin (ACHTUNG: dieser Vergleich wird nur in Punkto Abwechslungsreichtum verwendet, die Jungs aus Vancouver klingen zu keiner Sekunde so wie die Mannen um Mike Patton!). WOLFBORNE nehmen diese Hürde mit Bravour, obwohl sich der Einstieg in die Platte mit den beiden sperrigsten Nummern zu Beginn für den Hörer nicht einfach gestaltet. Der Opener 'Living The Life' ist eine Mischung aus Old School Punk in der Strophe und Modern Metal im Refrain. Nicht leicht zu verdauen aber er fräst sich mit jedem Durchlauf tiefer in die Gehirnwindungen. 'Out In The Streets' ist noch derber, knallt dem Hörer schöne Double Bass-Salven vor den Latz, doch leider verliert sich das Stück ab der Hälfte und nach einem krassen Rhythmus-, Stil- und Stimmungswechsel in einer sich selbst wiederholenden Schleife. Ab der ersten Single 'Sex Sells' gibt es aber kein Halten mehr, denn dieser Rocker vereint das Beste der 80er, 90er und des neuen Jahrtausends! 'Jellyfish' ist eine schöne Pop Rock-Nummer, die man nach dem knackigen Eröffnungstriumvirat kaum erwarte hätte. Getoppt wird diese Schmeichelei von der reinrassigen Ballade 'The Fall'. 'Funky Town' ist dann so anders, dass der Vergleich zu Faith No More wahrlich angebracht ist. Der krasse Elektronik-Anteil macht die Nummer zu einem echten Dancefloor-Feger! wolfborne-foto-pmd photography'Let It Rain' findet dann wieder zum Rock zurück, genauer gesagt zum Blues Rock. Das Stück groovt zum Niederknien! 'Stars Are Eyes' frönt dem Stoner Rock, bietet darüber aber auch New Metal-Einflüsse in der Bridge. Der Refrain ist ein wahres Chorus-Bollwerk - man darf gespannt sein, wie die Band diese Harmonien live umsetzt. Überhaupt sind die mehrstimmigen Harmonien das Salz in der Suppe, bei allen tollen Riffs, Licks und Grooves! 'Stranger' geht dann wieder in eine ganz andere Richtung und könnte auch auf einer Iggy Pop oder David Bowie-Platte Platz gefunden haben. Elektronik trifft auf spacige Klänge und erinnert dabei an 70ties Rock! Die abschließende Akustik-Version von 'Let It Rain' erzeugt dann Pippi in den Augen! Einfach nur schön! Das einzige, was die Band beim nächsten Mal besser machen könnte, wäre für den Verfasser dieser Zeilen, den Rock-Anteil noch weiter nach oben zu schrauben, denn die Rocker sind die wahren Helden der Platte und das fand meiner einer bei Faith No More auch schon so! Ich freu mich wie ein Schneekönig auf einen Gig dieser Ausnahmeband! - Kommt nach Hannover! Album-VÖ: 26.09.2014 (Photo by pmd photography)