(Dangerbird / Big Scary Monsters / Al!ve) MINUS THE BEAR scheinen wahrhaftige Wunderkinder im Genre des Indierock zu sein. Bei ihnen klingen selbst die verworfenen Songs nach Meisterwerken, wie die neue Songzusammenstellung "Lost Loves" beweist. "Lost Loves" umfasst zehn Songs, welche von der Band bei den Albumproduktionen in den letzten sieben Jahren aufgenommen wurden, jedoch bisher nicht das Licht der Öffentlichkeit erblicken durften. Und herausgekommen ist dabei weitaus mehr als eine musikalische Resterampe für Hardcore-Fans. Erneut beweisen die Musiker aus Seattle, dass sie verdammt gute Musiker sind und dabei die Musik machen, zu der Incubus scheinbar nicht mehr in der Lage sind. 'Electric Rainbow', zu Beginn der Compilation, beschwört gleich die Geister ihres Meisterwerks "Planet Of Ice" aus dem Jahre 2007. Ein Schlagzeugspiel, welches sehr zurückhaltend beginnt, später den Song aber gnadenlos vorantreibt und scheinbar alle anderen Musiker mitreißt. Die Gitarre des Songs erweckt Assoziationen zu den stärksten Momenten der Foals. Unfassbar guter Einstieg. Und solch ein Song hätte es fast niemals ans Ohr der Öffentlichkeit geschafft? Im Anschluss servieren die Mathrocker dem Zuhörer mit 'Surf'N'Turf' eine ähnlich stilsichere Kombination wie das gleichnamige Gericht amerikanischer Steakhäuser. Mit 'Broken China' begeben sie sich auf Beutezug durch gegnerische Fanlager und haben dabei gute Chancen, einige Fans bei den Liebhabern der frühen Biffy Clyro einzusammeln. In ähnlichem Fahrwasser schippert auch 'Walk On Air', welches trotz abgefahrener Rhythmussektion und flirrendem Keyboardsound, durchaus poppige Momente zulässt und vermutlich bei den Sessions zu "Omni" im Studio liegengeblieben ist. Minus-The-Bear-Promo by Ryan RussellLeider können MINUS THE BEAR dieses hohe Niveau nicht halten, was irgendwo auch verständlich ist, denn sonst müsste man sich ja so langsam mal fragen, welcher Wahnsinnige eigentlich für das Tracklisting der letzten Platten verantwortlich war. Mit 'Patiently Waiting' haben sie dann noch einen richtigen Rohrkrepierer in petto, welcher fast schon nach James Bond-Soundtrack klingt. 'Cat Calls' und 'Invented Memory' kommen anschließend recht unentschlossen daher. 'South Side Life' und 'Your Private Sky' bilden solide Songs innerhalb des bandinternen Songkatalogs, bevor "Lost Loves" mit 'The Lucky Ones' zum Ende der Platte nochmals ein richtiges Highlight verpasst wird. In den Fünf-Minüter ist so viel musikalische Kreativität gepackt, dass auch Ungläubige ihren Glauben im Indie-Alternative-Rock finden können. Neben der aktuellen Alt-J Platte haben die Jungs von MINUS THE BEAR mit dieser Compilation die musikalisch wohl interessanteste Indie-Platte des Herbstes auf den Markt geworfen. Vermutlich wird sie zwar kaum einer hören, denn MINUS THE BEAR sind einfach der ewige Geheimtipp. Glück denen, die sie kennen. Album-VÖ: 10.10.2014 (Photo by Ryan Russel)