(Roadrunner Records) Als ich hörte, dass noch in diesem Jahr ein neues Album von SLIPKNOT erscheinen wird, habe ich mir als bekennende Made (Maggot) natürlich ein riesiges faulendes Loch in den Bauch gefreut. War es doch nach dem Tod von #2 (Paul Gray) alles andere als klar, dass es noch einmal dazu kommen würde. Letztlich blieben trotz der frohen Botschaft aber noch viele Fragen offen. Würde es einen Ersatz für Paul Gray am Bass geben und wenn ja, wen? Zudem hatte die Band bereits im Dezember 2013 das Ausscheiden (den Rauswurf?) von #1 (Joey Jordison) verkündet. Daher war auch der Posten des SLIPKNOT- Drummers neu zu besetzen und es blieben nur noch mehr Fragen, zu denen es von der Band vorerst kein Statement gab. Nach der Vorankündigung, noch in diesem Jahr ein neues Album herausbringen zu wollen, brachten SLIPKNOT nach und nach wieder etwas Licht ins Dunkel. Nach der Veröffentlichung von 'The Negative One' und der ersten Single 'The Devil In I' gaben SLIPKNOT auch den Titel des Albums bekannt. ".5: The Gray Capter". In dem Clip zu 'The Devil In I' zeigte die Band erstmals ihre neuen Masken und ganz nebenbei auch die beiden neuen Bandmitglieder. Das Video sorgte erneut für wilde Spekulationen über deren Identitäten und den Grund, warum sowohl Drummer als auch Bassist darin mit fast identische Masken zu sehen waren. Durch eine Unachtsamkeit beim Videodreh konnte letzterer anhand seiner Tattoos als Alessandro Venturella alias VMan (Krokodil, Cry For Silence) identifiziert werden. Bezüglich des in dem Video zu sehenden Drummers verdichteten sich die Gerüchte, dass es sich bei diesem um Jay Weinberg handeln dürfte. In einem Interview äußerte Corey Taylor, dass beide Musiker zunächst keine offiziellen Bandmitglieder seien, da sich erst zeigen müsse, ob sie sich in die Gemeinschaft integrieren können. Viel wichtiger als die personellen Veränderungen ist jedoch die Frage, wie sich die Ereignisse musikalisch auf SLIPKNOT ausgewirkt haben. Diese wird spätestens am 17.10.2014 mit dem Erscheinen von "5: The Gray Chapter" beantwortet werden. Wer aber bis dahin nicht warten kann, erfährt jetzt mehr! Das sinistre 'XIX' eröffnet den Reigen mit digitalen Tönen, dem verstörenden Brummen von Dudelsäcken und den Worten von #8 (Corey Taylor): „This Song is not for the living, this song is for the dead“. Der gespenstische Sound und der anschließend einsetzende gepresste, depressive Gesang schaffen eine extrem beklemmende, verstörende Stimmung. Und dann, mit einem Knall ist es vorbei, die Musik setzt aus und es bleiben nur noch einige surreale Geräusche. 'Sarcastrophe' zeigt, wieviel Emotionen sich in den letzten Jahren bei SLIPKNOT angestaut haben. Diese platzen nach einem kurzen meditativen Intro mit zermalmenden Gitarren und hämmernden Drums heraus. Taylors Stimme wirkt extrem wütend und verstärkt so noch die musikalische Wucht des Songs. 'Sarcastrophe' ist ein wahrhaftiges Monster. 'AOV' legt an Geschwindigkeit nochmal eine Schippe drauf. Die tiefen Gitarrenriffs und das schnelle Drumming walzen unaufhaltsam vorwärts wie ein Tsunami. Der clean gesungene Chorus passt sich gut in das Songgefüge ein und Taylor zeigt einmal mehr seine stimmliche Vielfalt. Nach gut drei Minuten regelt die Band ihre Instrumente runter und die Melodie wird durch den Bass und Pianoklänge bestimmt. Auch diese klingen nach einer weiteren Minute aus und es ist zu erwarten, dass der Song jetzt sein Ende findet. Doch da holen SLIPKNOT völlig unerwartet nochmal ihren Dampfhammer raus und walzen alles platt, was zuvor nicht zerstört worden ist. 'The Devil In I' ist ein genialer Song der sich insbesondere durch den wiederholenden Wechsel zwischen ruhigen und brachialen Elementen definiert. Da der Titel ja bereits als erste Single-Auskopplung aus "5:The Gray Chapter" veröffentlicht worden ist und euch bekannt sein dürfte, werde ich hier nicht weiter darauf eingehen. 'Killpop' beginnt eher ruhig. Die einsetzenden Drums werden von hintergründigen Gitarren begleitet. Taylor singt mit eher sanfter Stimme und gleicht sich den Instrumenten an. Nach einer Minute baut sich der Sound langsam auf, die Gitarren werden tiefer und verzerrter und Taylor verfällt in sein SLIPKNOT-typisches Shouting. Treibende Drums und Percussions läuten das geile 'Skeptic' ein. Der für SLIPKNOT eher ungewöhliche Chorus ist extrem groovig und lädt zum Mitgrölen ein. Cool sind auch die zwischen Corey Taylor, # 6 (Shawn Crahan) und #3 (Chris Fehn) wechselnden Shouts. 'Skeptic' ist anders, macht aber richtig Spaß. Slipknot The Gray Chapter courtesy of Roadrunner RecordsMit den Worten „I know why Judas wept, motherfucker.“ wird der Hörer auf 'Lech' eingestimmt, was sich im Deutschen mit Lustmolch übersetzen lässt. Und schon geht die SLIPKNOT-Maschinerie wieder los und lässt dem Hörer keine Verschnaufpause. Auch hier wechselt die Band mehrfach von einem Moment zum anderen den Rhythmus, wobei Taylor bei den langsameren Parts in einen Sprechgesang verfällt. Es ist wirklich schwer, 'Skeptic' in Worte zu fassen. Man muss es einfach gehört haben. 'Goodbye' mutet zunächst wie eine Ballade an. Taylors sanfte Stimme, der langsame Bass und hintergründiges Schlagzeug erzeugen eine ruhige, melancholische Stimmung. Doch dann nehmen die typischen harten Gitarren den Sound auf und 'Goodbye' wird dann noch zu einem fast klassischen SLIPKNOT-Song. 'Nomadic' ist ebenfalls ein typischer SLIPKNOT-Song. Für mich lässt es sich am ehesten mit 'Left Behind', 'Duality' oder 'Sulfur' vergleichen und kann mit beiden locker mithalten. Die Mid-Tempo Nummer 'The One That Kills The Least' erinnert an Songs von "Vol. 3 (The Subliminal Verses)". 'Custer' zeigt einmal mehr das grandiose Zusammenspiel der Band. Samples, Scratches, Drums und Percussions, Gitarren, Bass und Vocals vereinen sich zu einem wütenden, zerstörerischen Koloss, der spätestens im Chorus keinen Stein auf dem anderen lässt. Nach dem paranoiden Intermezzo 'Be Prepared For Hell' folgt 'The Negative One'. Als Geschenk für die Fans von der Band veröffentlicht, stellt 'The Negative One' ein gutes Abbild des Sounds von "5: The Gray Chapter" dar und repräsentiert SLIPKNOT im Jahr 2014. Den würdigen Abschluß bildet 'If Rain Is What You Want'. Auf der Deluxe Edtion von "5: The Gray Chapter" befinden sich mit 'Override' und 'The Burden' noch zwei zusätzliche Song auf den Silberlingen, die auf jeden Fall nicht zu verachten sind und den geringen Aufpreis auf jeden Fall rechtfertigen. Hatte ich bei "Vol. 3 (The Subliminal Verses)" und "All Hope Is Gone" noch das Gefühl, dass das Sampling von #5 (Craig Jones), die DJ-Elemente von #0 (Sid Wilson) und auch die Percussions von Clown und Chris Fehn immer mehr in den Hintergrund getreten sind, fand ich sehr überraschend, dass dies auf "5: The Gray Chapter" nicht der Fall ist. Es ist gelungen, genau diese Elemente wieder vermehrt in den Sound von SLIPKNOT zu integrieren. Denn genau diese Symbiose aller Elemente war es, die den Sound der Band ausgemacht hat. SLIPKNOT sind zurück und zeigen mit "5: The Gray Chapter" allen Hatern und Zweiflern den erhobenen musikalischen Mittelfinger. Für mich ist es jetzt schon das Album des Jahres, ganz egal was noch kommen mag. Daher gibt es von mir ganz klare sechs "Blitze"! Album-VÖ: 17.10.2014 (Photo by M. Shawn Crahan)