DSC_7888_fIm Bielefelder Bunker gab es mal wieder eine verkehrte Welt zu bestaunen. Eine Band die es beim Streaming-Dienst Spotify mit ihren größten Hits ohne Probleme auf Klickzahlen im Millionenbereich bringt ("So Into You" – 2.318.546 Plays; "Let Me Take You Away" – 1.238.288 Plays) versammelt gerade mal vierzig Indiemusikliebhaber an einem Mittwochabend im Bielefelder Bunker Ulmenwall. Dabei hätten WILHELM TELL ME eindeutig ein größeres Publikum verdient. Manche Auftrittstage sind halt schwierig für kleine aufstrebende Indiebands. Zum Beispiel Sonntags gegen den Tatort zu spielen ist immer schwer, verrät Bassist Matthias Kranz nach dem Konzert am Merchstand. Und auch heute Abend ist König Fußball (CL-Mittwoch) als Konkurrenzprogramm sicher nicht zu verachten. Somit findet sich eine recht überschaubare Menge an ostwestfälischen Zuhörern im Bunker zusammen und lässt das Konzert noch etwas intimer werden, als Bunker-Shows ohnehin schon sind. Dafür sorgt nicht zuletzt die Anordnung der Bühne, welche sich exakt in der Mitte des Clubs befindet und auch keine Erhöhung aufzuweisen hat. Die vier Musiker von WILHELM TELL ME haben sich kreisförmig angeordnet und um sie herum die ca. vierzig zahlenden Gäste. Yes, Proberaumfeeling! Pünktlicher als die Maurer hauen WILHELM TELL ME ab 20:25 in die Synthie-Tasten. Als Opener dient die aktuelle Single 'Let Me Take You Away'. Das Publikum gibt sich zunächst ostwestfälisch zurückhaltend, der Band ist es egal. Sie sorgen live für einen ordentlichen Sound garniert mit fettem Bass und erstaunlich hartem Schlagzeug-Beat. Überhaupt kann man auf der gesamten Konzertlänge allerlei elektronische Spielereien bestaunen, die man heutzutage aus dem Equipment einer elektronisch angehauchten Indieband herausholen kann. Verzerrte Stimmen, Hall-Effekte und sogar extra abgestimmte Videoprojektionen lassen das Konzerterlebnis zu großer Kunst werden. Besonders das Outro von 'Tourists' dürfte in diesem Zusammenhang bei den Konzertbesuchern im Gedächtnis haften geblieben sein. Die letzten Klavierklänge des Songs untermalen das passende Video auf der Leinwand und schaffen so eine recht intensive Stimmung. So viel Aufwand, in solch einem kleinen Club wie dem Bielefelder Bunker, das muss honoriert werden. Und so kommt es, dass langsam auch die angetäuschten Dance-Moves im Publikum übergehen in ein amtliches Abzappeln. Natürlich liegt das auch daran, dass die Band ein sehr schönes Set in Petto hat, welches nicht nur extrem abwechslungsreich ist, an den richtigen Stellen die Ohrwürmer und Hits einstreut, sondern auch mit einem sehr schönen Spanungsbogen versehen ist. So kommt natürlich der „Wenn Ihr einen Song von uns kennt, dann wohl diesen“-Song 'So Into You' als vorletztes im regulären Set. Damit die frisch eingetanzten Schuhe gar nicht erst abkühlen können, geht es direkt in einen Remix von 'Let Me Take You Away' über, der nun die Stimmung eines Raves verbreitet. Das Publikum ist inzwischen leicht angeschwitzt und lässt die Musiker natürlich nicht ohne Zugabe gehen. Für drei weitere Songs kommen die Musiker um Sänger Henning Sommer wieder zurück auf die Bühne um anschließend gemeinsam mit dem Publikum noch etwas abzugehen. Beim zweiten Song der Zugabe findet sich Sänger Sommer inmitten der Zuschauer wieder und performt von dort. Auch Bassist Kranz lässt sich nicht zweimal Bitten und spaziert mit seinem Bass von der Bühne und tanzt während des Musizierens gemeinsam mit dem Publikum auf der anderen Seite. Auch im Anschluss an die Show zeigen sich die Musiker von WILHELM TELL ME äußerst Fan-nah und nehmen sich ausgiebig Zeit um am Merchstand das ein oder andere Pläuschchen zu halten, für Fotos zu posieren oder Tonträger zu signieren. Das Publikum zeigt sich dankbar für so viel Fannähe und kauft den Jungs eine beachtlich Anzahl an Jute-Beuteln ab, welche man sicher prima beim nächsten Dockville oder Melt ausführen kann. WILHELM TELL ME werden dann sicher wieder vor einer größeren Anzahl an Leuten spielen und der ein oder andere wird sich dann zurück erinnern wie schön und intim es doch im Bielefelder Bunker war. Nun zu den Fotos: Mark Haake knipste die Post-Indiekünstler in diesem sichtbar kleinen Rahmen. Viel Spaß mit den Fotos!"