(NoCut/SPV) Es darf wieder UNZUCHT getrieben werden! Das dritte Album "Venus Luzifer" steht in den Startlöchern. Das Quartett, welches zur Hälfe aus Hamelnern besteht, präsentiert elf packende Tracks, die dem Rattenfänger zur Ehre gereichen würden, so fesselnd werden sie dargeboten und entführen den Hörer immer tiefer in den dunklen Klangkosmos der Band. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass jene im Gegensatz zu den Kindern wieder auftauchen... mit Sicherheit beim nächsten UNZUCHT-Konzert! Wir wollen uns der CD an dieser Stelle Track by Track widmen: Der hymnenhafte Opener 'Wir sind das Feuer' ist recht untypisch für den bisherigen Bandsound, das Stück baut sich sehr unterschwellig auf und mündet in einem epischen Chor (Gänsehaut!). Wahnsinn! 'Seelenblind' wird von einem fetten Metal Riff Marke Amon Amarth eröffnet und groovt dann im tanzbaren Midtempo sehr gradlinig und ist ein echter Single- bzw. Hit-Kandidat. 'Das Denkmal' ist eine derbe Uptempo Nummer, die ebenfalls von extrem metal-lastiger Gitarrenarbeit getragen wird (die Metal-Vergangenheit von Klampfer De Clercq bei den Neo-Thrashern Eye See Black blitzt hier deutlich durch), zudem übernimmt De Clercq den aggressiven Strophengesang, bevor das Stück von einem melodischen Refrain und dem schrecklich schönen Gesangsharmonien von Frontmann Daniel Schulz gekrönt wird. Der Stampfer 'Ikaria' bietet viele elektronische Spielereien und die Gitarre nimmt sich hier zurück. Der Rocker 'Nimm mich mit' verbindet das Beste aus beiden Welten, Elektronik und Rock/Metal, straigth aber mit jedem Durchlauf klebt er mehr im Gehörgang fest. 'Unendlich' ist das bis dato brutalste UNZUCHT-Stück überhaupt, der Beginn ist Thrash Metal pur und hier darf Drummer Toby Fuhrmann mal zeigen, was 'ne Harke ist. In der Strophe kippt die Geschwindigkeit in die Time-Zählzeit und der Song bricht im ruhigen Refrain fast in sich zusammen, bevor die nächste Strophe wieder krass nach vorne losbricht. Das Wechselspiel aus Härte und Melodie funktioniert hier mächtig gut und macht das Lied zu einem der Besten der Band. Der Gesangswechsel De Clercq, der in der brutaler Strophe shoutet, zu Der Schulz, der im Chorus den Ohren schmeichelt und dann letztendlich in eine weitere Hymne mündet, ist das Salz in der Suppe und sorgt für große Abwechslung. Weltklasse! 'Neugeboren' hält den Härtegrad in Punkto Gitarrenarbeit weiter hoch! Hier wechseln sich Der Schulz und De Clercq erneut am Gesang ab, nur dass der Gitarrist den wütenden Chorus intoniert. Der Groove geht sofort in die Beine, und auch wenn die punktgenaue Bassarbeit von Alex Blaschke sehr banddienlich ist, geben seine tiefe Untertöne den Stücken den letzten Schliff. 'Schweigen' nimmt dann wieder etwas Härte zurück und ist ein typischer UNZUCHT-Song, wobei der Refrain mehr im Rock als in dunklen Gefilden zu Hause ist, dafür ist die Strophe schön schaurig düster, perfekt für Goth-Rock-Fans. BFP_Unzucht_2014-07-28_274_edit_SW'Leitbild' zieht das Tempo etwas an, ist ebenfalls gradlinig und macht deutlich, dass in der Band viel Rock-Blut schlummert. Doch kaum hat man das gedacht, zerstört der böse Mittelteil dieses Bild und ab da zieht das Tempo weiter an. Schön, so bleibt es weiter spannend. Woah! 'Krieg' macht seinem Namen alle Ehre, gehalten in fieser Double-Time, bietet das Stück eine massive Thrash-Keule, die schön Schweden-Tod-artig daherkommt. Den derben Gesang übernimmt De Clercq hier ganz allein und zeigt allen, wie deftig er brüllen kann. 'Mein Grab' beschließt das Album besinnlich. Balladesk arrangierte Pianoklänge untermalen den düster traurigen Gesang von Der Schulz, der hier an Oomphs! Dero zu dessen besten Zeiten erinnert. Im Refrain explodiert der charismatische deutsch-spanische Sänger förmlich! Hut ab! UNZUCHT haben es geschafft, und ein mehr als gelungenes drittes Album vorgelegt. Sie haben viele neue Dinge in ihren Sound integriert, um Stagnation entgegenzuwirken. Sie zeigen mit "Venus Luzifer", wie intelligenter deutschsprachiger Dark Wave Metal (oder wie auch immer man ihren Stil umschrieben mag) auszusehen hat! Album-VÖ: 14.11.2014 (Photo courtesy of NoCut)