(Massacre Records) Vor sage und schreibe 22 Jahren wurden RAUNCHY aus der Taufe gehoben. Die Gründungsmitglieder Gitarrist Jesper Tilsted, Bassist Jesper Kvist und Drummer Morten Toft Hansen sind sogar immer noch dabei! In Lars Vognstrup fand die Formation ihren ersten Sänger und seit den Aufnahmen zum Debüt "Velvet Noise" im Jahre 2001 sind die Herren Stammgäste beim Produzenten Jacob Hansen, der ihnen auf jeder Veröffentlichung einen Mördersound gezaubert hat. Keyboarder Jeppe Christensen ist seit 2002 mit an Bord und ist seit dem 2006er Werk "Death Pop Romance" für den Klargesang zuständig, was er mit Bravour meistert. 2004 hieß man Kasper Thomsen als neuer Mann hinterm Mikro willkommen und sein aggressives Shouting war bald ebenso stilprägend wie die Harmoniegesänge. Bis 2013 war dieses Line-Up stabil! Doch letztes Jahr verließ Kasper die Band nach drei Alben und zahlreichen erfolgreichen Tourneen. Nun steht mit "Vices.Virtues.Visions." das sechste RAUNCHY-Album ins Haus und die Dänen präsentieren hierauf Mike Semesky (ex-The Haarp Machine, Intervals) als neuen Sänger. Der Brüllgesang fällt nun tiefer und variabler aus, was der Dynamik der Songs zusätzlich zu Gute kommt. Den Stil der Band zu umschreiben, fällt schwer. Zu Beginn ihrer Karriere waren sie eher dem Alternative Metal bzw. Nu Metal zuzuordnen, das Zweitwerk war dann schon mehr im Industrial Metal und Neo Thrash zu Hause. Auf dem Dritten stand man Bands wie Fear Factory sehr nahe und würzte das Ganze mit zarten Metalcore-Anleihen. Melodic Death Elemente sind seitdem ebenfalls im Soundkonglomerat zu finden. Spätestens seit dem 2008er Album "Wasteland Discotheque" sind auch immer mehr Pop-Einflüsse zu finden. Die Band nennt ihren Sound gerne „Futuristic Hybrid Metal“, was eine stimmige Bezeichnung ist. Schon der Opener 'Eye OF A Storm' macht klar, dass die Truppe nichts verlernt hat und trotz aller Härte mit einprägsamen Melodien überzeugen kann, welche im zweiten Song 'Truth Taker' die tragenden Pfeiler sind bzw. den Hauptaspekt ausmachen, bei aller vorhandenen Härte samt Knallerriff! 'Digital Dreamer' besitzt noch mehr Pop-Appeal, fette Synthieklänge, die im Duell mit den derben Leadvocals und der instrumentalen Metalwand stehen. Das Ergebnis ist aber schön homogen. Die Band macht konsequent dort weiter, wo sie mit den letzten Alben aufgehört. Wäre schön, wenn man solche Songs öfter in der Disco hören würde, denn tanzbar sind viele der vertretenen Stücke, ohne ausgewimpt zu sein. Verantwortlich für den Mördergroove ist Rhythmusmaschine Morten. Der vielseitige Drummer zockte unter anderem schon bei Hatesphere, kann sein ganzes Talent aber am besten in der abwechslungsreichen Musik von RAUNCHY unter Beweis stellen. So muss modernes Drumming aussehen. Die Scheibe jagt von einem Höhepunkt zum nächsten und man möchte am liebsten gar keinen Song hervorheben, um die anderen nicht unter den Scheffel zu stellen. Die vielen Facetten, Rhythmus-, Riff-, Beat- und Melodiewechsel machen das Hören ungemein spannend um man bemerkt nach dem zehnten Durchlauf noch immer neue Spielereien und Versatzstücke heraus. Abwechslung wird auf "Vices.Virtues.Visions." großgeschrieben, wo sonst gehen Pop, Groove Metal und Blastbeats Hand in Hand wie es 'The Casteaway Crown' eindrucksvoll beweist. 'Anesthesia Throne' beginnt wie eine DJ-Nummer mit wundervollem Gesang bevor der Hörer von einer harschen Double Bass Walze förmlich platt gefahren wird. Wenn sich Fear Factory weiter entwickelt hätten, könnten sie heute so klingen. RAUNCHY_2013_press1'Luxuria' ist Stoner Future Metal - einfach nur geil! Der harmonische Gesang steht hier im Vordergrund und trägt auch die Strophe, dafür wird dann in der Bridge gebrüllt als gebe es kein Morgen, bevor sich on Top eine charttaugliche Melodie breit macht! 'I, Avarice' ist dann wieder so ein Song mit sämtlichen Höhen und Tiefen, der dem Hörer einiges abverlangt aber durch und durch zufrieden zurücklässt! Wer lieber Prog Metal mag, der ist mit der Up-Tempo Nummer 'Frozen Earth' gut beraten. 'The Singularity Heart' ist eine brutale und zugleich schöne Hymne, die das Album wunderbar passend beschließt! Das Metal-untypische Coverartwork stammt wieder einmal von Gitarrist Lars Christensen. Für den differenzierten Mix und das Breitwand-Mastering zeichnet sich Charles Greywolf (Powerwolf) zuständig, der das Album in seinem Studio Greywolf fein schliff. "Vices.Virtues.Visions." belegt, dass der open minded Geist von Szenevorreitern wie System Of A Down immer noch präsent ist, wenngleich die Musik der Dänen in eine ganz andere Richtung geht! Alle Zeichen stehen auf Sieg für DÄNEMARK! There is nothing rotten... Album-VÖ: 14.11.2014 (Photo courtesy of Massacre Records)