(Sumerian Records) Nach dem unerwarteten Signing bei Sumerian Records und dem selbst als "more aggressive" deklarierten neuen Release wusste man zuerst nicht, was man nun vom neuen Sound erwarten solle. Generell muss man bei CIRCA SURVIVE jederzeit gespannt sein, nachdem das Major Lable-Release "Blue Sky Noise", das so unglaublich eingängig und fast radiotauglich daherkommt, und das selbst veröffentlichte, melancholische "Violent Waves" nicht unterschiedlicher hätten sein können. Beide Releases haben Fans in hohem Maße polarisiert. Zudem gibt es auch einige, für die besonders die ersten beiden Veröffentlichungen "Juturna" und "On Letting Go" unter Equal Vision Records Meilensteine in der Szene darstellen. Eins ist klar: CIRCA SURVIVE waren bisher stets extrem divers und dennoch konstant, wussten zudem immer zu überraschen. War das auch bei "Descensus" der Fall? Die allererste Single 'Schema' ließ erahnen, welchen neuen Weg die Band einschlagen wollte. Der Song war mit fast schon gescreamten Vocals in der Tat, gerade nach "Violent Waves", verhältnismäßig aggressiv. Der Chorus und die Gitarren sind energetisch und kraftvoll. Lyrisch wurde mit den ersten Zeilen sofort die dunkle Richtung des Albums aufgezeigt. Die zweite Auskopplung 'Only The Sun' machte dann sehr schnell deutlich, welchen Weg das Release als Ganzes gehen sollte. Dabei hört man schnell die besonders starke Anlehnung an "On Letting Go". Als großer Fan der beiden vorherigen Releases war der erste komplette Spin eine zähe Angelegenheit. Gerade die Songs 'Child of the Desert' und 'Always Begin' wussten anfangs mit wenig Höhepunkten nicht gerade zu glänzen. Mittlerweile ist besonders das Southern-Rock-beeinflusste Outro des erstgenannten ein besonderes Puzzlestück des Gesamtkonstrukts. Das Interlude 'Who Will Lie With Me Now' erscheint danach etwas deplatziert und hätte als kompletter Song eventuell viel hergemacht. Somit stört es aber den ohnehin nicht optimalen Albumfluss. 'Quiet Down' war dann bereits nach dem ersten Durchlauf einer meiner Favoriten und besitzt absoluten Ohrwurmcharakter. Damit vergleichbar ist der vorletzte Track 'Sovereign Circle', der ziemlich ähnlich und mit eindrucksvoller Gitarrenarbeit gespickt ist. 'Phantom' lehnt sich eher an "Violent Waves"-vergleichbare, melancholische Strukturen an, sowie 'Nesting Dolls', das jedoch unnötig in die Länge gezogen wird. Genauso geschieht dem letzten Track 'Descensus', der stark monoton dahergelaufen kommt. Demnach gibt es die ein oder andere Passage, die im schlechtesten Fall zum Einschlafen anregen könnte. Insgesamt scheint die Spielzeit auch etwas kurz geraten. Als besonders positiv hervorzuheben ist die Produktion, bei der Will Yip vor allem in Sachen Drums und klar hörendem Bass (im Vergleich zu zum Beispiel The Things We Think We're Missing von Balance and Composure) einen großen Sprung nach vorne gemacht hat. Auch Anthony Green's Vocals klingen erneut so gut wie zuletzt auf "Blue Sky Noise". Circa Survive-Promo2014-Courtesy of Sumerian RecordsAlles in allem stellt "Descensus" am ehesten einen Nachfolger von "On Letting Go" dar, sofern man einen Vergleich mit vorherigen Outputs ziehen möchte. Besonders dieses Release besitzt meiner Meinung nach viele Höhen und Tiefen. Diese sind aber in der kompletten Diskografie wiederzufinden und demnach benötigt das Album Zeit. Zeit, es auf sich wirken zu lassen, alle Facetten zu erkunden, um es im Kontext betrachten zu können. Fakt ist dabei: man darf keinesfalls nach dem ersten Durchlauf resignieren, denn das Album ist ein massiver Grower! Album-VÖ: 24.11.2014 (Photo courtesy of Sumerian Records)