(Okami Records/Rough Trade) Ganze drei Jahre und vier Monate ist es nun her, dass DIR EN GREY ihr letztes Album "Dum Spiro Spero" veröffentlicht haben. Zwar gab es letztes Jahr mit "The Unraveling" ein neues Minialbum, allerdings bestand dieses ja fast "nur" aus Neuaufnahmen von bekannten Songs. "Arche", so heißt das neuste Werk, ist nun das bereits neunte Album und besteht dabei aus 16 brandneuen Tracks und hat sich geschickt ein bestimmtes Motiv ausgesucht. So behandeln alle Lieder das Thema "Schmerz", etwas was die Band ja schon seit Gründung beschäftigt und immer wieder in ihren Liedern verarbeitet wird. Mit einem Glockenschlag fängt alles an. 'Un Deux' eröffnet das neuste Werk und bringt einen sofort in gewohnte DIR EN GREY-Gefilde. Ein düsteres und ergreifendes Soundgebilde, dem man sich nicht entziehen kann. Bei 'Soshaku' kommt wieder sehr schön die Mischung aus Traum und Albtraum zum Tragen, wenn sich Kyos hoher Gesang mit tiefen Growls abwechselt. Der Refrain geht dabei sofort ins Ohr. 'Uroko' startet gleich eine Nummer aggressiver mit mehr Beats, härteren Riffs und einem tollen Gitarrensolo. Auch wird hier zum ersten Mal wirklich mehr Wert auf Growls gesetzt. Recht ungewöhnlich wirkt 'Phenomenon' auf die ersten Töne, da es von der instrumentalen Seite her recht spartanisch daherkommt. Aber gerade dieser ruhige Ansatz macht verdammt viel her, vor allem wenn es sich beim Refrain dann zu einem melodischen Ganzen entfalten kann. Der 'Cause Of Fickleness' ist etwas für Experimentierfreudige und wird es sicherlich nicht bei jedem Hörer leicht haben. Ist aber auch gar nicht schlimm, denn mit 'Tousei' kann man sich gleich richtig fallen lassen. Hierbei handelt es sich um eine wunderschöne Ballade, bei der die Gedanken schon mal auf Reisen gehen können. Genau die Art von Material für die man DIR EN GREY einfach lieben muss. 'Rinkaku' erschien schon vor gut 2 Jahren als Single und hat live bereites seine Qualitäten aufzeigen dürfen. So ist es interessant zu sehen, dass man damals schon wusste, wohin die Reise auf "Arche" gehen wird. 'Chain Repulsion' ist mit nicht mal drei Minuten das kürzeste Stück und beweist über diesen kurzen Zeitraum aber eine ordentliche tonale Vielfalt. 'Midwife' bringt nun gut das Thema auf den Punkt, man mag hier den Schmerz förmlich spüren und so kommt eine unangenehme Atmosphäre auf. Mit gefühlvollen Refrains scheint man es diesmal wirklich gut zu meinen, bietet doch auch 'Magayasou' so einen, ohne dabei aber die bedrohliche Atmosphäre zu verlieren. 'Kaishun' kommt zuerst recht unaufgeregt daher, steigert sich dabei aber immer mehr in Sachen Tempo und Emotionen. direngreyband arche - photo courtesy of okami records Wunderschön ist auch 'Behind A Vacant Image' und da wir uns nun langsam der Zielgeraden nähern, schon mal eine Feststellung: Das Album kommt sehr ruhig, melodiös und emotional daher. Und nun ein zweiter Vertreter aus dem Bereich "Mich gab es schon als Single". 'Sustain The Untruth' erschien bereits im Januar dieses Jahres, ist aber nichtsdestotrotz ein toller Song. Und nun Gänsehaut! 'Kukoku No Kyouon' diesen Namen sollte man sich merken, da er wohl die nächste Zeit in Dauerschleife laufen wird. Einfach anhören und genießen, lautet die Devise. Da es ja mit härteren Stücken bis hier recht mager war, gibt es mit 'The Inferno' noch genauso eins. Auch der Abschluss namens 'The Revelation Of Mankind' darf sich zu dieser Art zählen, kombiniert die Aggressivität aber wieder gekonnt mit ruhigeren Parts. "Arche" ist wahrscheinlich das Album des Jahres für den geneigten DIR EN GREY-Hörer. Zwar ist die CD gerade im Vergleich mit dem Vorgänger "Dum Spiro Spero" deutlich ruhiger, aber die Qualität ist trotzdem überragend. Ob es nun um die Texte oder das instrumentale Arrangement geht, hier ist jede Sache von vorne bis hinten durchdacht. Das hat zwar zur Folge, dass sich einem viele Lieder erst beim wiederholten Hören erschließen, aber DIR EN GREY sind ja auch sowieso nicht unbedingt jedermanns Sache. Eine Ausnahmeband sind sie aber auf jeden Fall und das beweisen sie auch hier mit Bravour. P.S. Die Produktion der CD verzögert sich leider etwas. Dafür wird diese dann, wenn sie Ende Januar erscheint, noch eine Bonus CD bieten. Bei den gänigen Downloadportalen kann das Album aber schon erstanden werden. Anspieltipps: 'Tousei', 'Kukoku No Kyouon' Album-VÖ: 12.12.2014 (Photo courtesy of Okami Records)