(Four Music) An die Spitze zu kommen ist nicht einfach, an der Spitze zu bleiben noch weniger. Willkommen zu unserer ersten Rezi für das Jahr 2015 und unserer deutschsprachigen Vorzeige-Kombo CALLEJON. Die besagte Spitze haben sie mit ihren bisherigen Veröffentlichungen bereits erreicht, allen voran "Blitzkreuz" und "Man Spricht Deutsch" haben nach ihrem Erscheinen die Top Ten der deutschen Albumcharts erreicht. Aber CALLEJON wären nicht sie selbst, wenn sie die Nase schon voll hätten, sich immer wieder selbst neu zu erfinden und so hat man mit dem neuen Mach(t)werk "Wir Sind Angst" analoge Wege in der Produktion ein- und so ein neues Kapitel in ihrer 10 jährigen Bandgeschichte aufgeschlagen. Das bedrohliche Intro 'Trauma' macht in Elektomanier den Anfang und geht anschließend brachial in den Titeltrack 'Wir Sind Angst' über. Das Tempo ist ordentlich und der Sound glasklar. Musste man im Debüt "Willkommen im Beerdigungscafe" noch das Booklet zum Mitlesen der Texte hinzunehmen, so wurde im Laufe der Bandkarriere der Gesang erfreulicherweise immer verständlicher und klarer. Wichtig, denn die Düsseldorfer Jungs haben eine Menge Sozial- und Medialkritisches zu erzählen. Mit satten '1000 PS' geht es in Runde 2 und hier ist der Titel Programm. Wuchtig und kraftvoll kommt dieses Monster daher und variiert gerne im Bereich der Geschwindigkeit. Das Video zu 'Dunkelherz' gibt es bereits zu bestaunen und dieser Song ist richtig cool. Sehr groovy, nicht zu hart und lyrisch wertvoll, kann man hier die Backskip-Taste auch gerne häufiger bedienen. Beim folgenden 'Babel' handelt es sich um ein kurzes, instrumentales Intermezzo. welches straight in 'Raketen' übergeht. Wunderbare Gesangspassagen steuern diesen Flugkörper direkt in des Hörers Ohr und hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck. 'Unter Tage' führt uns hinab in die menschliche Seele und zeigt uns einmal mehr die melodiöse Seite von CALLEJON. Klingt verdammt nach Mainstream, aber dennoch maximum cool. Ein schickes Riff zum Einstieg und 'Neonblut' startet voll durch. Die Gitarrenläufe finden hier besondere Erwähnung, denn sowohl Lead-, als auch die Breakparts servieren uns hier Metal pur. Wohl einer der interessantesten Songtitel, den ich je gehört habe, findet sich in 'Ich Lehne Leidenschaftlich Ab' wieder. Callejon_Promofoto2-by Viktor SchanzUnd weil kreative Titel eine kreative Herangehensweise verlangen, hauen CALLEJON hier alles rein, was man nur in einem Song verbauen kann. Speed, Groove, Elektro und verschieden intonierte Vocals von Bastian „Basti“ Sobtzick bringen das pure aber doch wohlklingende Chaos hervor. Und weil uns noch nicht schwindelig genug ist, dreht 'Veni Vidi Vici' die Speedschraube nun bis zum Anschlag. Hart, härter, CALLEJON! Wer kennt noch Stephen Kings „The Stand“? Die Anfangsklänge zu 'Krankheit Mensch' klingen wie die immer wiederkehrende Melodie aus dem Epos des Meisters. Dazu gesellen sich eher rockige, als metalische Passagen, die diese Nummer eher unaufgeregt ruhig halten. Hier steht deutlich das Wort im Vordergrund. Wie zu erwarten, spricht kurz vor Schluss 'Schweigen Ist Gold' wieder die harte Rolle und bringt CALLEJON auf den Punkt. An 'Erst Wenn Disneyland brennt' werden sich die Geister scheiden. Ich persönlich halte diese Nummer für einen der besten CALLEJON Songs, der je geschrieben wurde. Angefangen von der lyrischen Wertigkeit bis hin zur etwas anderen Darbietung und keinem klassischen Ende einer Scheibe des Fünfers, setzen wir hier einen Schlusspunkt, der noch einige Zeit in unseren Windungen verweilen darf und wird. CALLEJON sind nach 10 Jahren des Zusammenseins weiter gereift. Sie haben sich auf "Wir Sind Angst" zwar nicht komplett neu erfunden, aber ihr Werk konsequent weiter fortgesetzt. Das schreit nach einer erfolgreichen Tour. Album-VÖ: 09.01.2015 (Photo by Viktor Schanz)