(Trocadero/Indigo) Nach dem erfolgreichen Ausflug in die TV-Medienwelt, samt eigener Sendung im Privatfernsehen, besinnt sich OLIVER MARC SCHULZ auf seine Roots und macht jetzt hauptsächlich wieder Musik. "Feelings Aus Der Asche" nennt sich Longplayer #6 und auch wenn es der Albumtitel nicht vermuten lässt, SCHULZ macht Ernst und verzichtet gänzlich auf Blödel-Songs wie 'Rangeln' oder 'Bibo'. Es stellt sich die Frage, wie gut dem Hamburger diese Ernsthaftigkeit zu Gesicht steht? Wer in OLLI SCHULZ nur den Blödel-Clown und Sidekick aus Circus HalliGalli bzw. NeoParadise sieht, der wird dem künstlerischen Schaffen dieses Entertainers nicht gerecht. Der Mann mit den vielen Facetten gibt als Beruf gegenüber seiner Krankenkasse schließlich „Musiker“ an und dürfte damit der Wahrheit wohl noch am ehesten kommen. Dies will er mit aller Macht und "Feelings Aus Der Asche" auch mal wieder unter Beweis stellen. Folgerichtig gibt es nun eine Fernseh-Pause und die nächste Tour ist wieder mit Band und vermutlich mehr Musik. Also richten wir den Blick auf das Essentielle. Zum Start gibt es mit 'So muss es beginnen' einen typischen „ernsten“ OLLI-Song, welcher auch auf "Brichst Du Mir Das Herz..." hätte sein können. Eine wunderbare Melodie, ein etwas breiteres Arrangement als gewohnt und positive, bejahende Lyrics. Das geht auf jeden Fall schon einmal in die richtige Richtung. Auch die erste Singleauskopplung des Albums, namens 'Phase', weiß zu gefallen, obwohl es nicht wirklich etwas Neues ist, sondern ebenfalls ein Typical-OLLI. Ein harmloses, kleines, selbstloses Liebeslied mit einigen genialen Textstellen: Baby Du bist Wahnsinn / kritzelst Fuck auf den Picasso / hast Du die Bude umgerissen / Vorsicht Scherben, ach komm lass so. Den Schelm kann er also nicht völlig in sich begraben und neben dem plumpen Wortspiel des Albumtitels gibt es dann auch noch die mäßig gute Einleitung zum Song 'Passt Schon!', die tatsächlich lautet: „Lasst mich Eure Hunde sehen! Schmeißt Eure Hunde in die Luft!“. Der Song thematisiert dann schließlich das eigene Tun und die Auftritte als Spaßmacher im Medienzirkus. Positiv anzumerken bleibt hier vor allem der Grundtenor, denn es ist kein Jammern und Schimpfen auf das „Ach-So-böse-Medienbusiness“, allerdings gehört der Song eindeutig zu den schwächeren auf der Platte. Und bei lediglich zehn Tracks und 37 Minuten Spielzeit sollte man sich einfach nicht zu viele Ausfälle leisten. Doch genau hier krankt das Album. Und somit steht OLLI SCHULZ genau dort, wo er mit allen Alben bisher gelandet ist. Die Hälfte der Songs sind großes Tennis und dazwischen gibt es immer wieder einige Unforced Error ('Boogieman', 'Dschungel'). OLLI SCHULZ by Oliver RathZu den Highlights die bisher noch nicht angesprochen wurden, gehören definitiv 'Als Musik Noch Richtig Groß War' und der Titeltrack des Albums. 'Feelings Aus Der Asche' ist ein für SCHULZ-Verhältnisse erstaunlich aufwendig arrangierter Song, welcher neben choralen Klängen sich auch noch den Luxus einer Gastsängerin leistet und in dem Rezensenten die Vermutung aufkeimen lässt, dass man sich in der Produktionsphase das ein oder andere mal Roxy Music gegeben hat. Das weitere Highlight, auf welches OLIVER MARC SCHULZ nach eigener Auskunft besonders stolz ist, findet sich mit 'Als Musik Noch Richtig Groß War'. Ein Song, der so etwas wie eine Hymne auf die Musik ist und reflektiert, welche Bedeutung diese herrliche Nebensache, in den jeweilgen Phasen unseres Lebens einnimmt. Ein wirklich toller Song, in dem sich wohl jeder irgendwo wiederfindet, der sich auf Musikblogs im Internet verirrt. Als Fazit steht mal wieder nicht Fisch, noch Fleisch. Geniale Momente und das Verlangen nach der Skip-Taste wechseln sich wie gewohnt bei einem OLLI SCHULZ-Album ab. Fans werden sich dennoch fragen, warum einige Song-Perlen aus dem SCHULZschen Schaffen der jüngeren Vergangenheit nicht den Weg auf das Album gefunden haben. Denn Songs wie 'Ich Tröste Gott', 'Loch In Der Welt' oder 'Das Ende Von LOST' hätten dem neuen, alten OLLI SCHULZ gut zu Gesicht gestanden. Album-VÖ: 09.01.2015 (Photo by Oliver Rath)