(AOR/ Sony Music) Obwohl die derzeitigen Temperaturen den Einsatz der gleichnamigen Schiffe wohl nicht rechtfertigen, lassen sich EISBRECHER davon nicht beirren und stechen mit "Schock", ihrem sechsten Studioalbum, in See. Und man kann sicher sein, die Motoren laufen nicht auf Sparflamme, sondern „volle Kraft voraus“! Allein das Cover des neuen Silberlings macht schon was her und ich finde es extrem gelungen. Ob EISBRECHER da auch musikalisch mithalten können? Der Opener 'Volle Kraft voraus' setzt da schon mal ein dickes Ausrufezeichen. Düstere und zum Teil epische Elektro-Einlagen, deftige Gitarren und die charismatische Stimme des „Kapitäns“ Alex. So kann es gerne weiter gehen. Etwas rockiger kommt '1000 Narben' daher. Weniger Elektro, dafür ein eingängiger Chorus bei dem Alex Wesselsky im Background von einer weiblichen Stimme begleitet wird. Rockig, groovig und mit einem mitreißenden Rhythmus folgt der Titeltrack 'Schock'. Hier spürt man in der Strophe eine unterschwellige Bosheit. Alex schafft es mit seinem gepressten, anklagenden Gesang, genau dies zu transportieren. Für 'Zwischen uns' legen EISBRECHER noch einige Kohlen auf. Die Gitarren haben ordentlich Druck und da kann man auch schon mal an Rammstein denken. Der Wechsel zwischen dem weiblichen Gesang und der Stimme des Kapitäns spiegeln das Thema des Songs, nämlich krankhaft sehnsüchtige Liebe, wieder. Für 'Rot wie die Liebe' lässt der Käpitän die Motoren seine Schiffes drosseln. Die Gitarren treten für Electro-Elemente zurück. Bei diesem langsameren und ruhigeren Song kann Sänger Alex Wesselsky sein Stimmpotential zeigen. Extrem rhytmisch und  druckvoll geht es mit 'Himmel, Arsch und Zwirn' weiter. Für mich einer der geilsten Songs des Albums. Ich glaube, dass ich diese bekannte Redewendung noch in keinem anderen Song gehört habe. Und EISBRECHER benennen sogar einen Track danach. Mein Herz ist ne 'Schlachtbank'! Mit diesem Satz beginnt der Chorus des gleichnamigen Songs. Was soll ich sagen? Sehr episches Stück. Derbe, schnelle Electro-Beats, die schon ein wenig in Richtung EBM gehen, sind in dem Song 'Dreizehn' zu finden. Wesselkys wütender Gesang unterstreicht die Wucht und die Stimmung des Songs und im Refrain reihen sich wieder die druckvollen Gitarren mit ein. Ein weiterer Anspieltipp von mir. 'Unschuldsengel' beginnt mit satten Gitarrenriffs. Wesselskys zornige Stimme unterstreicht auch hier die Stimmung des Songs und der Refrain lädt fast schon zum Mitsingen ein. 'Nachtfieber' könnte auch von einer Gothic-Inkarnation von Helene Fischer stammen. Düster-Pop meets Elektro. Sehr eigenwillig, aber irgendwie stimmig. Presse6_Eisbrecher_Schock_CreditHolgerFichtner'Noch zu retten', wieder ein sehr ruhiger Song, hat eine sehr schöne und prägnante Melodie und weiß durch diese zu überzeugen. Hiernach vollziehen EISBRECHER eine Wende und steuern das Ruder ihres Potts wieder in Richtung Düster-Rock. Es folgt 'Fehler machen Leute'. Ein gesellschaftskritischer Song, dessen Text man sich ruhig einmal zu Gemüte führen sollte. Danach vollzieht das Schiff wieder eine Kehrtwendung. 'Der Flieger' strotz nur so vor Sehnsucht. Auch hier präsentieren EISBRECHER wieder einen genialen Refrain. Obwohl 'So oder so' der letzte Song des Albums „Schock“ ist, kommt keine Flaute auf und EISBRECHER nehmen noch einmal Fahrt auf. Wuchtige Gitarren unterstützen einen schnellen Beat. Und auch Wesselsky haut stimmlich noch einen raus. Über ein kurzes Stück verfällt er in einen fast schon gregorianisch anmutenden Gesang und sorgt so für einen Gänsehautmoment. Sehr geil! Mein Fazit: Wenn es um Bands geht, die sich musikalisch im Bereich der Neuen Deutschen Härte bewegen, bin ich ja immer etwas skeptisch. EISBRECHER schaffen es mit "Schock" jedoch sehr schnell, die Skepsis abzubauen und Begeisterung aufkommen zu lassen. Das Album weiß sowohl musikalisch, als auch textlich zu überzeugen und sticht insbesondere durch seinen Abwechslungsreichtum hervor. Und auch die Produktion ist erste Sahne. Album-VÖ: 23.01.2015 (Photo by Holger Fichtner)