(Svart Records) Genre-Klassifizierungen mit “Post-“-Stempel sind mir in der Regel ein Graus. Entweder kann ich das ursprüngliche Genre nicht mehr erkennen oder mit dem "Post-" ist es Essig. CALLISTO’s Einordnung in die Post-Metal-Schublade ist also nicht die beste Grundlage für mein erstes Aufeinandertreffen mit dem Schaffen der Band. Die ist schon seit 2004 unterwegs, "Secret Youth" ist Album vier. Der Opener 'Pale Pretender' haut mich auch erstmal nicht aus den Socken. Leicht proggige Gitarrenarbeit, die Synthiesounds so lala, laut/leise-Dynamik. Kann man machen. Richtig Fahrt nimmt "Secret Youth" dann allerdings mit 'Backbone' auf, bei dem die überwiegend klaren Vocals durch aggressive, metalcore-artige Shouts kontrastiert werden. 'Acts' und 'Lost Prayer' begeistern mit dichter Atmosphäre, die irgendwie permanent eine unterschwellige Bedrohung erahnen lässt. Düster, mit Anleihen bei Joy Division oder vielleicht auch den Editors, nur sehr viel komplexer. Der bösartige Bruder zu Cynic. Ein Highlight ist das toll arrangierte 'Breasts Of Mothers', das kunstvoll Sound um Sound zu einem massiven Wall von Klang aufschichtet. Im Rausschmeisser 'Dam’s Lair Road' zeigen die Finnen dann nochmal richtig, was so geht. Interessante Sounds, wieder top arrangiert, dichte Atmosphäre. callisto-150129Die transparente Produktion hilft dem geneigten Hörer zu den Details vorzudringen, ohne dabei seelenlos oder steril zu klingen. Insbesondere der Bass-Sound hat es mir angetan. Würde ich auch gerne mal so hinbekommen. Etwas zu meckern habe ich aber natürlich doch. Die permanente Erwartung auf das plötzliche Losbrechen von dem, was unter der Oberfläche schlummert, ermüdet auf Albumlänge doch sehr. Innerhalb der Songs funktioniert die Dynamik sehr gut, bei einem kompletten Hördurchgang hätte ich mir hier und da aber doch prägnantere Ausbrüche gewünscht. So plätschert "Secret Youth" leider doch ein wenig vor sich hin. Album-VÖ: 30.01.2015 (Photo courtesy of Svart)