Mitte Januar 2015 machten sich zehn hochtalentierte und befreundete Musiker auf zu einer gemeinsamen Konzertreise durch die schönsten Indieclubs Deutschlands. Köln, Essen, Münster, Neunkirchen, Stuttgart, Aschaffenburg, Oldenburg, Hamburg und Rostock durften sich freu'n - doch in Hannover, der Stadt an der Leine, waren es nur noch neun. Jonas David fehlte an diesem Abend in der 6oer Jahre Halle des Kulturzentrums Faust in Hannover. Doch keine Sorge, der Tourtross in Mannschaftsstärke eines Fußball-Teams zerfleischt sich nicht zur Hälfte der Tour und schickt einen Mitstreiter per Feldverweis nach Hause. Der Platz von David musste an diesem Abend aufgrund eines grippalen Infekts einfach frei bleiben. Dies stellte die übrige Mannschaft jedoch vor die Aufgabe, die Setlist an diesem Abend etwas umzustricken. Und es sei schon einmal vorweggenommen, dass der Ausfall des Musikers David gut kompensiert werden konnte. Vorweg sollten aber noch ein paar Wort dazu verloren werden, wer dieser TOUR OF TOURS eigentlich ist? Ein Frage mit der sich im Vorfeld auch dieser launige Trailer beschäftigt hat, welcher uns zudem ein Wiedersehen mit guten alten Bekannten unserer Kindheit beschert hat. Und für alle, die jetzt nicht auf den Link zum Trailer geklickt haben, sei schnell zusammengefasst, dass es sich bei der Band TOUR OF TOURS um die Musiker bzw. Mitglieder folgender Bands handelt: Honig, Tim Neuhaus, Town Of Saints, Ian Fisher & The Present und in Hannover leider ohne Jonas David. Kenner der Musik und Songwriterszene werden alleine bei der Auflistung dieser Namen gehörig mit den Ohren wackeln. Doch die Band TOUR OF TOURS ist mehr als die Summe ihrer einzelnen Teile. Die Musiker haben sich schließlich nicht nur zusammengetan, um ihre eigenen Songs nacheinander abzuspielen und diese durch einen Marketingtrick einem möglicherweise größeren Publikum zu präsentieren. Nein, die Herausforderung besteht hier eindeutig im Zusammenspiel einer Band, die aus zehn Personen besteht. Und so lässt man sich die Chance nicht nehmen, einige Songs in neuen Arrangements zu präsentieren und die Möglichkeiten, die dieses Konzept bietet, auszuloten. Der Opener des Abends ist der 'Song Of Songs', welcher von der Band extra für diese Tour geschrieben und eingespielt wurde. Somit für die Künstler noch der einfachste und sicherste Umgang mit Text und Liedgut. In der Folge wird es dann schon schwieriger, denn jetzt kommen auch die Songs der anderen Bands. Schließlich musste man nicht nur die Songs der anderen Bands lernen, sondern auch ab und an mal Instrumente bedienen an denen der ein oder andere Musiker halt nicht so Zuhause ist. Im ersten Drittel des Konzertes kann man dann auch eine Phase beobachten, in welcher die Sänger der jeweiligen Bands fast als Solisten ihre eigenen Songs zum Besten geben. Das ist ganz nett, aber auch eben nicht sonderlich spektakulär. Die zweite Hälfte des Konzertabends setzt dann aber wieder voll auf die Stärke dieser besonderen Konstellation, die Arrangements in ganzer Mannschaftsstärke. Und hier gibt es nun die volle Indiefolkpop-Breitseite. Eine Mixtur aus Songwriter, Country, Boogie, Folkpop. Ein unglaublich hohes Niveau an Songs und vor allem eine Abwechslung, die einfach Spaß und Laune macht. Hinzu kommt die Interaktion der Band auf der Bühne. Die Künstler spielen sich gekonnt die Bälle zu und beweisen, dass das gewählte Tour-Motto: "Friends don´t let friends tour alone" nicht bloß eine schmissige Floskel ist. Trotz geschlossener Mannschaftsleistung sticht an diesem Abend Stefan Honig etwas heraus. Honig gibt ganz klar den Capitano, während Tim Neuhaus den Schweini, respektive den Arbeiter im Mittelfeld macht. Gefühlt steht Neuhaus den ganzen Abend auf der Bühne, wechselt bei jedem Song das Instrument und flickt in den Songpausen noch ein Schlagzeugfell, welches man wohl zu leidenschaftlich malträtiert hat. Stefan Honig hält sich fast ausschließlich an seine Guitale, eine Gitarre, die kaum größer ist als eine Ukulele. Dennoch gönnt er sich hin und wieder ein leidenschaftliches Ausbrechen auf der Bühne, gibt den Anheizer, und erinnert sich selbst an seine eigene Hardcore Vergangenheit, wenn er die Mitglieder seiner Mannschaft ankündigt und vom Publikum abfeiern lässt. Und ähnlich wie bei einem Fußballspiel kommen die Stars am Ende zur Verbrüderung zu ihren Fans. Der 'Song of Songs' wird zum Ende eines sehr ordentlichen Zugabenblocks gemeinsam mit und im Publikum zum Besten gegeben. Blickt man am Ende des Konzertes in die Gesichter der Fans, so könnte man denken, diese Menschen kommen von einem Fußballspiel und ihre Mannschaft hat gewonnen. Photos by Mark Haake