(Spinefarm Records / Caroline)
Mit der Fragestellung „Ist das Kunst, oder kann das weg?“ tut man AT THE HOLLOW wahrscheinlich arg Unrecht. Ihr Debüt-Album "What I Hold Most Dear" ist vollgepackt mit phantastischen Ideen, zauberhaften Melodien, fragilen Klanggebilden und ähnlichem. Kunstvoll also allemal, aber das Trio aus der schönen Stadt Helsinki macht es dem Zuhörer wirklich nicht leicht. Wer kommt bitte auf die Idee, eine Band-Besetzung aus Schlagzeug bzw. Percussion, Gesang, Gitarre und Kontrabass zu machen? Das, was wir hier als „Band“ präsentiert bekommen, ist letztendlich Musik, die man in der Regel in einem nett produzierten Singer/Songwriter-Album zu hören bekommt. Klanglich (und fast auch von der Lokalisierung her) fällt mir hier als erste Referenz Petter Carlsen ein, der eine ähnlich düstere Stimmung mit seinen Songs erzeugt hat, der auch eine ziemlich ähnliche Stimme hat, und der in seiner norwegischen Heimat wahrscheinlich ähnlich viel Schnee im Jahr zu sehen bekommt, wie AT THE HOLLOW. Ich weiß, auch dieser Vergleich wird mutmaßlich viel zu häufig hervorgeholt, wenn man eine Band nicht vernünftig einordnen kann, aber Songs wie 'Echoes', das meiner Meinung nach stärkste Stück auf dem Album, oder das nicht weniger überzeugende 'Otherside' wirken, als hätten hier Tool irgendwelche Songideen unplugged aufgenommen und dann vergessen, vor Fremdzugriff zu schützen. hollow-what-i-hold-most-dear-7184Für ein erstes Album ist das wirklich eine starke Leistung, denn die Band zieht einen ungewöhnlich tief in ihren Bann, letztendlich fehlt mir aber der letzte Aha-Effekt, der ganz große Wurf bleibt hier bei aller Anstrengung leider aus. Zwar würden sich AT THE HOLLOW dadurch ihr Alleinstellungsmerkmal nehmen, aber in einer klassischen Rock-Besetzung, die auch mal zu verzerrten Gitarren greift, wäre dies mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein klar überdurchschnittlich gutes Alternative-Rock-Album, das mitunter auch das Zeug zu den Jahres-Top-Ten hätte. So bleibt es Musik, für die man in einer ganz speziellen Stimmung sein muss, um sie wirklich genießen zu können. Ansonsten droht die Scheibe, einen zu sehr einzulullen und „weghören“ zu lassen. Album-VÖ: 13.02.2015 (Photo courtesy of Spinefarm Records)