(Vertigo/ Universal Music) 21 Jahre im Geschäft, 9 Studioalben vom DIY-Produkt zum Megaseller - und trotzdem kann diese Band noch immer überraschen. DONOTS - entweder ist es wahre Liebe, die die Fans mit den Ibbenbürenern vereint oder es schlägt ihnen tiefe Abneigung entgegen. Es gibt kein dazwischen, aber mit jedem weiteren Output haben es die DONOTS geschafft, den Ausschlag Richtung Pro zu verändern. Die ausverkauften Tourneen, die fesselnden und schweisstreibenden Konzerte, sympathische Interviews und die glaubwürdige musikalische Weiterentwicklung als Band mit dem Ausprobieren neuer Stile ohne die eigene Vergangenheit zu vergessen, machen die DONOTS zu einer authentischen Band, die jeglichen Erfolg verdient hat und nun mit ihrem zehnten Album namens "Karacho" mit Schwung durch die Decke gehen wird. Zum 20-jährigen Jubiläum gab es ein erstes Statement auf deutsch mit dem Rise Against-Sänger Tim McIlrath namens 'Das Neue Bleibt Beim Alten', welches es leider nicht auf die 14 Songs umfassende Playlist von "Karacho" geschafft hat. Liegt natürlich daran, dass die Kreativität einen wahren Ideen-Springbrunnen entfacht hat und ältere veröffentlichte Lieder nicht als Füllmaterial verheizt werden sollten. Es gibt ja den (un-)geliebten Klischee-Schulspruch: "Deutsche Sprache, schwere Sprache" - auf "Karacho" beweisen die DONOTS das Gegenteil - ich habe selten ein Album gehört, welches deutsche Sprache so unpeinlich und unprätentiös im Ganzen wirken lässt. Erstmal ist es natürlich ungewohnt Ingo Knollmann kein Englisch singen zu hören, aber nach einigen Sekunden merkt man, wie gut das funktioniert und denkt sich "Warum erst jetzt?" 'Ich mach nicht mehr mit' ist ein formidabler Startschuss mit tollen Bachgroundchören, ein schwungvoller Arschtritt zum wach werden, um kurz darauf mit 'Dann Ohne Mich' die aufkommende und leider stärker werdene Fremdenfeindlichkeit des nicht mitdenkenden Volkes von BILD-Lesern, Pegida-Mitläufern und AfD-Wählern zu thematisieren und in einen mitreissenden gitarrenorientierten Popsong zu verpacken. 'Junger Mann Zum Mitleiden Gesucht' punktet einmal mehr mit toller Gitarrenarbeit, untermauert mit unpeinlich erzählten Geschichten und einem starken Refrain. Im darauffolgenden 'Problem Kein Problem' scheinen Muff Potter wiederauferstanden zu sein, v.a. der Gesang von Guido Knollmann (kann gerne desöfteren zum Mikro greifen - guter Job!) erinnert teilweise auf angenehme Art an die von Nagel. Der eher pessimistische Songtitel 'Du Darfst Nicht Glücklich Sein' ist verpackt in einen energischen, gänsehauterzeugenden Wall Of Sound, der einen zwar in einer einfachen aber extrem zupackenden Melodie sofort gefangennimmt. Zwei Minuten reichen 'Kaputt', um alles auf den Punkt zu bringen, Turbostaat schielt um die Ecke, ist aber nicht so verkopft wie die Flensburger. Schön aggressiv und nach vorne peitschend. Donots by Patrick RunteZur Hälfte des Album gibts mit 'Weiter' sowas wie eine Ballade, die textlich nicht unbedingt hervorstechen kann, aber durch den angenehmen D.A.D.-Gitarrenstyle eine notwendige Verschnaufpause für den Hörer darstellt und die Aufmerksamkeit für 'Kopf Bleibt Oben' regeneriert. Neo-Grunge in deutsch, auch hier haben die DONOTS den Nerv der Zeit getroffen und ebenso ist die Verbalisierung wie auf dem gesamten Album ein weiteres Qualitätsmerkmal. 'Hier Also Weg' und 'Strassenköter' sind typische (gibt's die überhaupt?) DONOTS-Songs, mit sehr eigener Struktur, die live mit Sicherheit formidabel funktionieren werden und es sich dank der grandiosen Melodien nach dem ersten Hören in der Ohrmuschel bequem machen. Handclaps am Anfang von 'Das Ende Der Welt Ist Längst Vorbei' und schon ist man wieder gefangengenommen, dann setzt die Gitarre ein, die Strophen erinnern an punkig-angehauchte Kettcar, ein euphorisches Yeah-Yeah-Yeah und schon hat man ein neues Lieblingslied. Bombe! 'Besser Als Das' und 'Immer Noch' könnten ein rundes, überraschendes und alle Erwartungen übertreffendes Album stark beenden, aber es folgt mit 'Hansaring, 2:10 Uhr' noch der perfekte Rausschmeisser. Akustik-Punkrock im Stil von Frank Turner und ein Text mit dem sich jeder, der Musik als wichtigen Bestandteil seines Lebens sieht, identifizieren kann. Somit wird "Karacho" nicht stark beendet, sondern brilliant. Politisch, persönlich, perfekt. Man muss kein großer Prophet sein, um vorauszusagen, dass "Karacho" alte Fans tief befriedigt und neue dazugewinnen wird. Kleiner Wermutstropfen zum Schluss - aufgrund einer Knieverletzung von Drummer Eike, wurde die für Frühling 2015 geplante Tour gestrichen und neu für Ende 2015/Anfang 2016 angesetzt. Falls man sich die DONOTS nicht auf einem der unzähligen Festivals im Sommer anschauen sollte, muss man somit noch etwas warten, bis man lauthals die neuen Hymnen mitschmettern darf. Keine Diskussion - volle Punktzahl, bestes deutschsprachiges Album 2015 bisher (und vermutlich auf unbestimmte Zeit). Album-VÖ: 20.02.2015 (Photo by Patrick Runte)