ANNISOKAY sind mittlerweile aus der deutschen Core-Szene nicht mehr wegzudenken. Am 20. März 2015 wird ihr zweites Album "Enigmatic Smile" auf ihrem neuen Label SPV/Long Branch Records erscheinen. Einen Vorgeschmack in Form von 'Carry Me Away' und 'Fame' gab es bereits live auf der Callejon-Tour zu hören. Am 21.02.2015 hatte ich das Privileg Dave Grunewald (Shouts), Christoph Wieczorek (Cleans und Gitarre), Norbert Rose (Bass), Daniel Herrmann (Drums) und Philipp Kretzschmar (Gitarre) in Berlin im Huxleys zu ihrem neuen Album, zur Tour, zur Entwicklung des Genres und weiteren Dingen zu befragen. Euer neues Album "Enigmatic Smile" wird am 20. März 2015 erscheinen. Ursprünglich sollte es ja eigentlich eine EP werden. Wieso habt ihr euch dann doch für das Albumformat entschieden? Christoph: Ursprünglich sollte es eine EP werden, das stimmt. Wir wollten einfach mal zu Joey Sturgis fliegen und fünf Songs bei ihm aufnehmen. Die sind auch wirklich super geworden, aber ehe wir den Mix von ihm bekamen, ist doch einige Zeit vergangen...und in dieser Zeit hatten wir schon neue Musik geschrieben. Wir haben uns sozusagen weiterentwickelt und dachten uns: 'wir müssen daraus jetzt eigentlich ein Album machen'. Wir wollten also weitere Songs aufnehmen und das Ganze dann rund machen. Die neuen Songs sind noch mal ein bisschen intensiver geworden, was die Lyrics und die Stimmung angeht. Norbert: Und dann war die Entscheidung für ein Album auch nur logisch, weil das auch ganz anders wahrgenommen wird. Das Label wollte eigentlich sogar die EP haben. Wir jedoch wollten daraus eine ganze Nummer machen. Christoph: Es wäre im Prinzip schade gewesen. Hätten wir eine EP herausgebracht, hätte das weniger Wirbel gemacht und das wäre auch schade um die Songs gewesen. Da Joey Sturgis schon die Aufnahmen für die ersten 5 Songs übernahm, frage ich mich: Wieso habt ihr euch dann letztendlich für die 6 weiteren Songs für William Putney entschieden und nicht wieder Joey? Christoph: Eigentlich war es ja der Plan, noch mal zu Joey zu fliegen, aber leider hatte er dann keine Zeit. Wir hätten dann sehr lange warten müssen und haben uns nach Alternativen umgeguckt. Dabei kam unser zweiter Favorit ins Spiel: William Putney. Wir haben ihm einfach eine Mail geschrieben und er hatte nach Material gefragt, also haben wir ihm die Pre-Production der neuen Songs geschickt. Er meinte, er hätte richtig Bock darauf und dann lief das. Die Pre-Production hast du ja in deinem heimischen Studio übernommen, richtig? Christoph: Genau. Ich habe auch den Mix am Ende übernommen. Die beiden Produzenten haben zwischendurch ihre Ideen eingebracht, Effekte und so weiter. Sie haben uns dann auch lyrisch unterstützt, da unsere Muttersprache ja nicht Englisch ist. Sie haben uns unter anderem auch bei dem Umschreiben von Gitarrenparts geholfen. Im Prinzip sind das auch nur Kleinigkeiten, die aber einen großen Unterschied machen und die Songs auf ein höheres Level bringen. Wir sind sehr dankbar, dass die beiden ihre Erfahrung mit einbringen konnten. Um es einheitlich zu machen, habe ich dann, wie gesagt, den finalen Mix übernommen. Mich würde dahingehend interessieren, wer denn welche Songs produziert hat. Man kann zwar viel spekulieren und raten, aber helft mir mal auf die Sprünge! Christoph: Die ersten 3 Songs 'Carry Me Away', 'Naked City' und 'Snowblind' hat William Putney übernommen. Der vierte Song 'Panic Attack' klingt für mich zum Beispiel sehr nach Joey Sturgis. Christoph: Ja, das stimmt. In dem Song hat er sich auch ein bisschen auslassen können. 'Wolves in the Walls' ist zudem einer meiner Favoriten, weil man irgendwie durch diesen Song getragen wird mit diesen smoothen Gitarren. Norbert: Da bist du definitiv nicht der erste, der das sagt. Der Song ist auf jeden Fall auch einer unserer letzten, also auch von William Putney produziert. Okay, cool. 'New Autumn Light' ist dann im Prinzip auch mein Lieblingssong. Den finde ich wirklich ultrastark. Norbert: Der ist dann wieder von Joey Sturgis. Bei den Singleentscheidungen trifft es dann aber doch nur die später geschriebenen und mit William Putney aufgenommenen Songs. Der Favorit von Label, Management und Presse ist dann lustigerweise wirklich 'Snowblind', also der letzte Song, den wir geschrieben haben. Christoph: Und die weiteren Sturgis-Songs sind dann noch 'Traveler', 'Fame' und 'What Is Left'. Das überrascht mich, da ich gerade bei 'Life Cycles' gedachte hätte, dass der Song mit Sturgis aufgenommen wurde. Christoph: Ja, der Schein trügt manchmal. Der Song ist auch am Ende entstanden. Man kann sich dabei zwar leicht vertun, aber man hört die Unterschiede schon. Und genau deshalb ist das Album auch sehr abwechslungsreich geworden. 'Life Cycles' hat mit einer persönlichen Sache von mir zu tun. Den habe ich eigentlich auch nur für diese Sache geschrieben. Letztendlich ist er dann aber so gut geworden, dass wir gesagt haben, dass er mit auf das Album muss. Norbert: Genau. Und wenn William Putney sagt, der Refrain sei das Beste, was er in letzter Zeit gehört hat, dann musste der einfach mit auf das Album. Das freut mich. Wer bezahlt denn eigentlich solch eine kostspielige Erfahrung? Christoph: Im Endeffekt bekommt man vom Label den Vorschuss dafür. Das Geld muss man aber auch wieder einspielen. Von daher bezahlt man das als Band im Prinzip selber. Die Produzentenwahl hat dem Album auf jeden Fall sehr geholfen. Norbert: Genau. Und das war auch ein Riesen Abenteuer. Im Winter bei -20 Grad in Chicago. Grauenhaft. Ich hasse den Winter. Jedenfalls bezüglich Albumcover, was bedeutet dieses kleine Symbol unter der Unbekannten aus der Seine? Christoph: Das ist so eine neue Art von Symbol von uns. Wir wollten unseren Schriftzug auf das Wesentliche zusammenfassen. Viele Bands haben das einfach und wir dachten uns, dass wir das auch brauchen. Das ist im Prinzip das 'O' des ersten Schriftzugs mit dem Querstrich und wir dachten uns, wenn das noch verrutscht wäre, dann ist das auf jeden Fall etwas, das es noch nicht gibt. Norbert: Das repräsentiert uns und hat einen Wiedererkennungswert. Christoph: Dann hatten wir uns noch überlegt, wie man das mit dem Cover vereinen kann und dann kam uns die Idee, dass die Frau das Ganze als Kette trägt. cover-ANNISOKAY-enigmatic smileOkay, coole Idee. Eine ganz typische Frage noch: Inwieweit hebt sich das Album von eurem Debut ab? Viele Bands behaupten ja immer, ihr neuestes Album sei das beste, was sie je geschrieben haben. Christoph: Ja, die Frage hören wir wirklich oft. Das Album ist aber in der Tat erwachsener geworden, weniger verspielt. Es sind weniger kurzzeitliche Sachen drauf, also Szenesachen wie Dubstep-Elemente oder ähnliches. Wir wollten die Songs einfach auf das Wesentliche reduzieren, vor allem echtes Schlagzeug oder auch rockige Gitarrenparts einbauen. Zudem wollten wir unseren Gesang im Vordergrund haben. Dave: Ja, insgesamt klingt es einfach erdiger. Christoph: Genau. Und trotzdem mögen wir ja immer diese Unterteilung von Gut und Böse in unseren Songs, also auch gerne mal einen bösen Breakdown mit Shouts und ähnlichem. Dabei versuchen wir natürlich, das Ganze dann auch in diesen Parts mit einem Riff zu verfeinern. Die Songs sind fast ausschließlich straight forward, bis auf 'Panic Attack' und 'New Autumn Light', die ein bisschen verrückter sind, was Songstrukturen angeht. Eigentlich wollten wir wirklich herausfinden, was ANNISOKAY ausmacht und haben es im Prinzip darauf reduziert, auf was es bei uns ankommt. Norbert: Wir hatten auch in der Band einen kleinen Wechsel. Wir haben Philipp [Kretzschmar] als neuen Gitarristen und 'Panic Attack' kam von ihm. Somit hatten wir auch ein paar neue Einflüsse. Das alte Album kam ja zum Großteil von Chris. Deshalb hat sich das auch noch ein bisschen gewandelt. Wie gesagt, 'New Autumn Light' ist schon ein Sahnestück. Das Album klingt auf jeden Fall viel ausgereifter und ist echt klasse geworden. Ihr habt ja letztes Jahr auch eure erste Headline-Tour durchgezogen und seid nun auf so einer massiven Tour gelandet. Das Konzert heute in Berlin ist mittlerweile die achte Station. Ist das eine völlig neue Erfahrung für euch? Wie geht es euch dabei? Norbert: Ja, das ist auf jeden Fall eine großartige Tour...Riesen Clubs, von denen wir im Leben nie gedacht hätten, dass wir in denen mal spielen würden. Es sind wahnsinnig viele Leute. Es ist perfekt organisiert. Es macht jeden Tag mega viel Spaß und die Leute sind alle super nett. Damit wird auf jeden Fall ein großer Traum wahr. Hilft einem dann das Label dabei, auf solch eine Tour zu kommen oder wie genau lief das in eurem Fall? Dave: Wir sind im Prinzip relativ gut aufgestellt. Wir haben als Booking Agentur Kingstar. Und das ist dann im Prinzip so, dass mehrere Zahnräder ineinander greifen. Da arbeiten alle zusammen, also Kingstar, unser Label SPV/Long Branch Records, Impericon und wir natürlich... Daniel: ...und die anderen beiden Bands sind eben auch bei Kingstar und so ergab sich das dann. Gut, dann ergibt das im Gesamten auf jeden Fall Sinn und gibt einen kleinen Einblick. Seid ihr denn schon vorher befreundet gewesen mit den Jungs von Vitja und Callejon? Daniel: Mit Vitja haben wir schon ein paar Shows gespielt. Da kannten wir sie so flüchtig. Callejon haben wir vorher noch nicht persönlich getroffen. Christoph: Wie es halt so ist, hat man dann immer erst einmal großen Respekt, wenn man mit solch einer Band touren darf. Und auch natürlich Angst. Die Jungs von Callejon sind aber auf jeden Fall sehr respektvoll und cool drauf. Die Stimmung auf der ganzen Tour ist super. Callejon sind ja mit ihrem aktuellen Album "Wir sind Angst" vor kurzem auf Platz 5 in den deutschen Albumcharts eingestiegen. Zeigt das, dass Metalcore noch lange nicht am Boden ist? Die steigende Popularität scheint doch eher für das Genre zu sprechen!? Dave: Genau. Man sieht es ja zum Beispiel bei Szenegrößen wie Bring Me The Horizon, die schon eher den Schritt ins große Mainstream-Business gemacht haben und die auch öfter schon im Radio gespielt werden. Wenn ein, zwei Bands das schaffen, dann öffnet das natürlich auch Tür und Tor für kleinere Bands wie uns. Christoph: Es wird mittlerweile von der Gesellschaft anerkannter. Und Leute kommen dann auf den Trichter, die sonst dachten, das wäre irgendeine Nischenmusik. Norbert: Ob man mit dem, was man macht, Erfolg hat, weiß man eben vorher nie. Man sollte immer das machen, worauf man Bock hat. Es ist dann oft auch Glückssache, ob das funktioniert oder nicht. A propos 'Einfach machen, worauf man Bock hat und experimentieren': Wie seht ihr das, dass zum Beispiel Bands wie Of Mice and Men jetzt versuchen, Nu Metal auszugraben und das in ihre Musik zu integrieren bzw. diese komplette Schiene fahren? Christoph: Ich glaube, dass auch die wirklich einfach Bock darauf haben. Ich habe letztes Jahr mal mit Austin Carlile gequatscht und er hört persönlich auch nur Bands wie Tool oder Staind und macht im Endeffekt auch nur das, worauf er Bock hat. Klar stecken da auch Promotion-Agenturen und wichtige Leute dahinter, die die Fäden ziehen, aber es gefällt ja auch viele Leuten. Das ist also dennoch ein 'sich treu bleiben' und nicht der Gedanke nach vielen Scheinen? Norbert: Nein, das auf keinen Fall. Das ist ja auch wie ein Kreislauf und es kommt ja alles irgendwie mal wieder. Es wird schwer, etwas Neues zu erfinden. Und ich finde es persönlich auch total cool, dass die ganzen älteren Bands aus der Nu Metal-Zeit neue Alben herausgebracht haben, z.B. Korn, Papa Roach oder Marilyn Manson. Das sind immer noch großartige Musiker und die haben immer noch etwas zu sagen, finde ich. Was hört ihr persönlich am liebsten? Auch Metalcore und ähnliches? Dave: Alles! Norbert: Wir sind natürlich 5 unterschiedliche Typen mit relativ unterschiedlichen Geschmäckern. Natürlich gibt es auch einen gemeinsamen Nenner und jeder von uns hört Metal, Metalcore und ähnliches...aber auch Hip-Hop, Jazz oder was auch immer. Da sollte man sich auch nicht einschränken. Es ist gemischt, wie das Leben! Das ist wahr! Zu guter Letzt noch eine weitere Frage bezüglich Popularität: Was haltet ihr von Facebook und anderen sozialen Netzwerken? Ist das für Bands eher förderlich oder geht dadurch vielleicht auch der Charme von Mund-zu-Mund-Promo verloren? Christoph: Ja, ich glaube, das ist einfach etwas, was mit dem Zahn der Zeit kommt. Man muss sich da anpassen und ist gezwungen, dass man auf dem Laufenden bleibt. Da sollte man sich als Band nicht verschließen. Das ist nun mal in der heutigen Zeit so und fast jeder hat Facebook und das ist mittlerweile die Art zu kommunizieren. Die Leute telefonieren nicht mal mehr, sondern schreiben sich lieber dort. Und dann muss man das als Band genauso tun. Es ist natürlich gut, damit viele Leute zu erreichen, aber eben auch schwer mit welchen mitzuhalten, die da eventuell gute Tricks hatten, um über diesen Weg bekannt zu werden. Norbert: Es ist aber auch alles ein Für und Wider. Soziale Netzwerke sind eine große Chance für Bands. Eine Band kann aber auch einen ganz anderen Weg gehen, diese Netzwerke blockieren und trotzdem Erfolg haben. Es ist jedem selber überlassen und jeder geht seinen eigenen. In erster Linie ist es auf jeden Fall eine Chance...und der Zeitgeist. Christoph: Man darf es auf jeden Fall nicht verschlafen. Facebook befindet sich auch immer im Wandel und die Reichweiten unserer Beiträge werden extrem eingeschränkt. Wenn man mit einem Beitrag mehr Leute bewerben will, muss man jetzt deutlich mehr zahlen. Manche unserer Beiträge werden von nicht mal 10 Prozent unserer 'Gefällt mir'-Angaben gesehen. Norbert: Wir sind auf jeden Fall gespannt, wie es mit den Netzwerken weitergeht und wie lange sich Facebook noch hält. Wir sind gespannt, ob es vielleicht auch einen Gegentrend geben wird. Dave: Wir müssen uns da manchmal aber auch selber in den Arsch treten, um das alles zu verwalten. Das ist in der Tat nicht einfach, ja. Damit wären wir dann leider schon am Ende. Vielleicht noch ein paar abschließende Worte an eure Fans und für euer neues Album "Enigmatic Smile"? Christoph: Jeder, der an uns Interesse zeigt, sollte sich das Album auf jeden Fall komplett anhören. Vor allem bewusst anhören und nicht einfach so nebenbei laufen lassen. Wir haben uns viel bei den Songs gedacht und jeder hat eine krasse Bedeutung für uns. Das Album ist vielschichtig. Wenn man dem Album gerecht werden will, dann sollte man sich das auf jeden Fall genau anhören. Norbert: Wir sind natürlich dankbar für jeden Hörer. Christoph: Wir sind sowieso dankbar für jeden Unterstützer und dass wir so viele Fans haben. Ich bedanke mich bei euch im Namen der Gestromt-Crew und wünsche euch einen geilen Auftritt heute und einen tollen weiteren Verlauf der Tour. Christoph: Wir danken dir! Das neue Album "Enigmatic Smile" von ANNISOKAY erscheint am 20. März auf SPV/Long Branch Records. Die Rezension könnt ihr demnächst auch auf unserer Seite finden. Es lohnt sich auf jeden Fall! (Photo courtesy of SPV)