(SPV/Long Branch Records) Metalcore ist noch lange nicht am Boden. Besonders die deutsche Szene ist in den letzten Jahren rapide gewachsen. Seit bereits 2007 können sich ANNISOKAY Teil dieser nennen. Nach ihrem Debutalbum "The Lucid Dream(er)" und absolvierter erster Headlinetour im Jahr 2014 stehen die fünf Jungs aus Halle an der Saale nun mit ihrem zweiten Album "Enigmatic Smile" vor der Tür. Titel- und artworktechnisch durch die Unbekannte aus der Seine inspiriert, lassen sie zumindest schon etwas Mystisches erwarten. Können sich ANNISOKAY mit ihrem neuen Werk neben großen Acts wie Callejon, Eskimo Callboy oder Heaven Shall Burn in der Szene etablieren? Die Chancen zumindest stehen hervorragend! Sänger und Gitarrist Christoph Wieczorek, der auch selber Produzent im heimischen Studio ist, hat hierbei mit seinen Kollegen eine Bombe in Sachen Songwriting rausgehauen. Auch produktionstechnisch ist das Album auf einem extrem hohen und modernen Niveau, ohne zu stark überproduziert zu klingen. Als eigentlich geplante EP wurden Anfang 2014 zuerst fünf Songs mit Produzent Joey Sturgis in den USA aufgenommen. Nach Unterzeichnung eines neuen Labelvertrages, sollte daraus dann jedoch ohne Labeldruck ein vollständiges Album werden. Im Zuge dessen traten die Jungs den Weg zu William Putney an, um sechs weitere Songs einzuspielen. In Folge dessen ist 'Carry Me Away' gleich von Beginn an unendlich catchy und macht erheblich Laune auf mehr. Das Intro und der mitreißende Refrain von 'Snowblind' sind meines Erachtens nach überragend. 'Panic Attack's Verse hingegen klingen sehr dreckig und daher auch einzigartig. Die treibende Melodie im Post-Chorus von 'Wolves In The Walls' verursacht bei mir jedes Mal Gänsehaut, unfassbar! 'Life Cycles' schlägt ähnlich ruhige Töne an und ist zudem der einzige Song mit durchgängigen Cleanvocals. 'New Autumn Light' ist der Übersong, dessen Qualität, Intensität und Eingängigkeit dem Album in der zweiten Hälfte an manchen Stellen mangelt. Aber machen wir uns nichts vor, das ist Blasphemie. Das sehr poppige und fast schon unpassende 'What Is Left' ist wohl gerade deswegen ein echtes Sahnestück und vollendet das Album hörenswert. Die restlichen Songs sind eher unspektakulär und dennoch grundsolide. ANNISOKAY-courtesy of SPVAlles in allem bin ich auf einem hohen Level überrascht und vor allem froh. Froh, dass ANNISOKAY der deutschen Metal(core)kultur neben den genannten Größen neuen Aufschwung verleihen. Die Produzentenwahl scheint geholfen zu haben, da gerade Joey Sturgis seit langem einer der Besten in der Metalcore-Szene ist. William Putney hat zuletzt unter anderem mit der Produktion von Northlane, Bury Tomorrow und The Amity Affliction auf sich aufmerksam gemacht. Die Mischung scheint hier der ausschlaggebende Aspekt zu sein. Die abwechslungsreichen Gitarrenparts verleihen Gänsehaut. An manchen Stellen klingt der Sound sogar eher kontrastreich matschig und erinnert zum Beispiel an das neue Album von Fit For A King, was nicht sonderlich verwundert, wenn man bedenkt, dass William Putney dieses produziert hat. Der oft eher dissonante Gesang unterstützt den ohnehin dunklen Sound der Scheibe, während die impulsiven Shouts auch on point sind. Am 21.02.2015 hatte ich das Privileg, die Jungs auf der Callejon-Tour in Berlin interviewen zu dürfen. Schaut dort doch einfach mal rein und findet heraus, welche Songs denn eigentlich welcher Produzent übernommen hat. Album-VÖ: 20.03.2015 (Photo courtesy of SPV)