(Red Bull Records / Sony) Sie haben es erneut getan. Wie bei ihrem Erstling "Megalitic Symphony" aus dem Jahre 2011 kreuzen AWOLNATION auch auf dem Nachfolger "Run" unterschiedliche musikalische Stilrichtungen auf außerordentliche Weise und scheren sich dabei einen feuchten Kericht um festgezurrte Hörgewohnheiten. 2011 enterten AWOLNATION bereits einmal die Charts und hatten mit 'Sail' einen durchaus veritablen Hit im Köcher, der es auch heute noch ab und an ins Radio schafft. Die Kuh wurde gemolken, sprich zwei Jahre Welttournee. In jüngster Vergangenheit wurde es etwas stiller um die Band und das erste musikalische Lebenszeichen war dann der Soundtrack Beitrag zu Fifty Shades of Grey in Form einer Coverversion des Springsteen Klassikers 'I'm on fire'. "Run" liefert allerdings ausschließlich frisches Material in Form von 14 Tracks, welche allesamt vom musikalischen Architekten Aaron Bruno verfasst, gespielt und produziert wurden. Laut Promotext haben wir es hier (natürlich) mit einem „musikalischen Meisterwerk“ zu tun, „das sich manchmal - und urplötzlich - expansiv, atmosphärisch, übermutig, ernst oder verfeinert gibt und von Momenten des typischen aggressiven Unbehagen punktiert ist.“ So überschwänglich höre ich das Album zwar nicht, aber ich nehme Bruno folgende Äußerung durchaus ab: „Auf dieser Platte ist jede einzelne Sekunde sorgfältig zugeordnet. Jedes einzelne Element dient einem Zweck“. Den Start in die musikalische Achterbahnfahrt markiert der Titeltrack des Albums, welcher ganz klar musikalische Verwandtschaft mit dem Mega-Hit 'Sail' aufweisen kann. Bereits 'Fat Face' steuert in eine gänzlich andere Richtung. Ruhige Instrumentierung, die Melancholie hält Einzug. Doch bevor es sich eben jene zu gemütlich macht, drückt 'Hollow Man (Bad Wolf)' ordentlich auf das Gaspedal des heutigen Elektro-Pops. Das ganz ist zwar nicht ganz so weichgespült, wie es ab und an bei Bastille oder den Imagine Dragons anmutet, weckt aber durchaus Referenzen. Das folgende 'Jailbreak' schafft eine erstaunliche Balance zwischen anspruchsvollem Industrial Rock und sonnigem Radio-Pop. Erstaunlich, wie eine einfache, aber gut gelaunt dahergepfiffene Melodie einem Song eine nicht gedachte Wendung verleihen kann. Im Anschluss wird erneut das Lenkrad um 180 Grad gerissen und mit 'KOOKSEVERYWHERE!!!' wieder ein völlig anderer Stil verfolgt. Der Song macht zwar ordentlich Alarm, setzt sich aber irgendwie nicht in den Hörgängen fest. Also wird es wieder Zeit für eine Hymne, welche sogleich mit 'I Am' präsentiert wird. Ein Stück, welches geradezu nach einer Singleauskopplung schreit. AWOLNATION by kari roweAWOLNATION schaffen es tatsächlich, diesen musikalischen Zick-Zack-Kurs über die komplette Albumlänge beizubehalten, ohne das ihnen auch nur ansatzweise die Ideen auszugehen drohen. Beneidenswert! Dennoch werden AWOLNATION auch mit "Run" nicht zu der Band werden, in welche man sich Hals über Kopf verliebt und der man sich mit ungezügelter Leidenschaft hingibt. Sie bleiben vielmehr so etwas wie die hübsche Nachbarstochter von nebenan, welche man zwar immer als ganz hübsch anzusehen empfand, aber eine Beziehung doch irgendwie unvorstellbar bleibt. Wir sprechen uns in ein paar Jahren noch einmal. Album-VÖ: 13.03.2015 (Photo by Kari Rowe)