(Spinefarm/Caroline/Universal Music) Aus Finnland stammend, gegründet 2007, Debütalbum "Screaming For Adrenaline", 2013 erschienen und nun der selbstbetitelte Nachfolger für alle Freunde des gepflegten HairMetals. Steel Panther fahren eine ähnliche Schiene und sind damit megaerfolgreich. Sie treffen mit ihrer überspitzten und offensiven Ironie den Nerv der Zeit. SANTA CRUZ dagegen gebrauchen zwar die gleichen Stilmittel, gehen aber respektvoller mit der modisch zwar grenzwertigen, musikalisch dennoch innovativen Zeit zwischen Mid 80's bis Anfang 90er Jahre um. Zehn Songs, die jeden bestätigen, dass man sich nicht für seine Sozialisation schämen muss und auch in den heutigen schnelllebigen Zeiten, eine Rückbesinnung zu alten Qualitäten durchaus gut tun kann. Mit 'Bonafide Heroes' wird gleich mit einem wuchtigen Stomper losgelegt, der alle Attribute eines "Monsters of Rock" Stadionsongs mitbringt - ob es nun die Ohooohoo-ohooo-Backgroundchöre sind, die gniedelnde Gitarre mit massivem Soloeinsatz, der kurze Break, der vor dem abschließenden Refrain die Gemüter runterkocht. Auch 'Velvet Rope' zaubert ein breites Grinsen unter deine Banger-Matte, weil die Referenz Skid Row zu "Slave To The Grind" Zeiten eindeutig durchschimmert. Und SANTA CRUZ gönnen einem keine Atempause, da auch 'My Remedy' sofort nach kurzem Einzählen ein Feuerwerk fast schon angebermäßiger Gitarrenarbeit abfeuert und durch die Hymnenhaftigkeit nur vom nachfolgenden '6(66) Feet Under' getoppt wird. Zum Einstieg von "Santa Cruz" gibt es also ein Quartett, welches die Erwartungshaltung für den Rest des Album extrem hochhält. 'Bye Bye Babylon' fällt leider etwas ab, der Gesang klingt gewöhnungsbedürftig und auch der sich wiederholende Hauchchor (sic!) zerrt etwas an den Nerven. 'We Are The Ones To Fall' und 'Can You Feel The Rain' versöhnen wieder mit perfekt getimten SleazeRock. SantaCruz_Anton_SucksdorffAndere Tracks des finnischen Quartetts arbeiten mit moderneren Techniken (wie der Einsatz von Verzerrern oder sporadisch eingesetzter Elektronikkniffe), dann wird auch mal ein Breakdown dazwischengeknallt, der zwar nicht zu stumpfen Karatekicks einlädt, aber die Komposition im einzelnen interessanter macht. Im Großen und Ganzen muss man konstatieren, das SANTA CRUZ vieles richtig machen, keine Vergleiche scheuen müssen und alleine durch die ersten vier Songs von "Santa Cruz" einen Stein bei mir im Brett haben. Leider können mich nicht alle Lieder so packen, ich wünschte SANTA CRUZ hätten den Mut gehabt, durchgehend im oberen Drehzahlbereich loszurocken, dann könnten sich Steel Panther warm anziehen. Aber auch so sollte es locker zu Supportslots für Skid Row, Love/Hate oder Mötley Crüe reichen. Vier Blitze gehen in den hohen Norden! Album-VÖ: 06.03.2015 (Photo by Anton Sucksdorff)