(Universal) Mit "The Day Is My Enemy" prügeln THE PRODIGY ihr Studioalbum Nr. 6 in die Welt hinaus. Man stelle sich nun folgende Fragen: Haben sich die langen sechs Jahre Warten seit der Platte "Invaders Must Die" gelohnt? (Man konnte sich ja mit The Crystal Method ein bisschen über Wasser halten) und kann man von einer Combo, die über 16 Millionen Platten verkauft hat, noch was Handfestes erwarten? Ja und Ja! Aber warum kann und soll das so sein? Eine kleine Analyse: Diese Platte macht dich sauer! Aus welchen Gründen auch immer. Sie macht dich verdammt sauer. Das kann daran liegen, dass a) Du nicht bekommst was du willst, wenn du eine neue PRODIGY-Platte kaufst. b) Du sie abgeschrieben hattest und dir nun eingestehen musst, dass du falsch lagst. c) Diese Platte einfach so unsagbar seltsam, fett, dreckig, böse, treibend und selbst sauer ist. Der Chef versucht sich zu rechtfertigen: „Ich kann nicht sagen, aus welchem Grund dieses Album so wütend ausgefallen ist. Ich denke, das ist einfach in mir“ sagte Liam Howlett zum neuen Werk. Na dann zeig uns mal, was in dir steckt, Liam! Der Einstieg mit 'The Day Is My Enemy'. Was ein mächtiger Anfang! Das ist der ultimative Intro-Song. Ein Trommel-Beat, welcher sich sofort in Deinem Kopf verbeißt, lässt dich sofort erahnen, was kommen mag: BigBeat wie er sein soll. Die Sounds sind alte Bekannte im neuerlichen Gewand. Einer der stärksten Songs der neuen Platte. Holt eure besten Keith Flint-Tanz-Imitationen schon mal raus. Ich fange an zu ahnen, was Liam mit seiner Aussage meinte. Und schon wird´s stressig mit 'Nasty' - was geht denn hier? Eine Verfolgungsjagd durch enge Gassen, GTA-Style?! Luft holen? Ja eh net! Ich bin aufgedreht. Und bereit. Für was auch immer! Ein Song wie 'Destroy' kommt mir da gerade recht. Dreh auf! Das ballert. Der Name ist Programm. Soundtrack einer Schlägerei? Klang einer Abrissbirne, die egal was dem Erdboden gleichmacht? Das Ende des Songs lässt dich zum Glück etwas lockerer entgleiten. Du brauchst diesen Moment. Denn 'Get Your Fight On' fordert dich heraus! Du hast die letzte Platte von THE PRODIGY gemocht? Dieser Song hätte gut als B-Side oder in der extended Version funktioniert. Klingt standardmäßig gut - Fleißarbeit. Meiner Meinung nach sind die schwächeren (aber deshalb nicht schlechten) Songs der Platte jene, wo sich jemand anderes eingemischt hat. Das sind hier in Persona Sleaforf Mods und Flux Pavillion. Schade, da hatte man in der Vergangenheit Gäste am Start, die sich besser eingebracht haben. Ansonsten findet sich Material für jeden Typ auf "The Day Is My Enemy". The_Prodigy_2_Paul_DugdaleEs gibt sage und schreibe zwei ruhige Songs auf dem neuesten Werk. Die sind aber auch bitter nötig bei dem Tempo der Platte, die einen nur selten nach Luft schnappen lässt. Die Zwei hören auf die Namen 'Beyond The Deathray' und 'Invisible Sun'. Bei Letzterem hast Du das Gefühl, ein altes und chilliges Sega-Spiel in die Konsole zu hauen. Und klar, warum nicht: Western-Riffs im modernen Bit-Gewand, hierzu aus dem Hintergrund etwas, das wie eine bessere Linkin Park-Coverband klingt. Passt schon! Es ist ruhig geworden - Ist das etwa wirklich die letzte Pause, vor dem große Finale? Wir sind bereit für die 'Wall Of Death' oder doch nicht? Ist bei Konzerten auch immer die Frage. Es ist soweit, du machst dich bereit. Du siehst die anderen gegenüber stehen, das ist dein Moment! Du hörst das hüpfende Midtempo Metal-Riff! 1,2,..3: Jetzt Vollgas! „crash this and crash that“ wird aus dem Lautsprecher geschrien. Allerdings - Gib ihm bös´! Bei Live-Auftritten wird der Titel im Programm sein müssen. Der Chef resümiert nun selbst für euch: „Die Spannung ist mit dem ersten Tropfen tief in der Musik verwurzelt und es geht um einen Sound, der ein Gespür für Gefahr innehat. Das ist es, worum es im Sound von THE PRODIGY geht.“. Mensch Liam, hätte ich nicht besser sagen können. Es gibt 5/6 Blitze weil Autorennen, Hindernisläufe und Endboss-Kämpfe, beschallt durch diese Musik, immer geil sein werden. So Leute ich muss los: Die Kapuze vom schwarzen Hoodie über den Kopf und ab in eine ungewisse, endlose Nacht. Raus in die dreckigen, pulsierenden und dunklen Straßen der Stadt. Sie ist überzogen mit aufreibenden und verstörenden Geschichten und ich höre mich summen: „The day is my enemy - the night my friend“. Album-VÖ: 27.03.2015 (Photo by Paul Dugdale)