(Rise Records/ Cargo Records) Die ursprünglich aus einem kleinen Kaff in Connecticut stammenden und nun in Boston ansässigen MAKE DO AND MEND beglücken uns dieser Tage mit einem neuen Studioalbum, welches auf den Namen "Don't Be Long" hört. Als MAKE DO AND MEND 2010 ihr Debüt "End Measured Mile" auf den Markt warfen, war der Hype innerhalb der Szene immens und jegliche Stilrichtung, ob nun dem Emorock zugetan oder Liebhaber des Punkrocks als auch Hardcore-Jünger konnten sich auf MAKE DO AND MEND einigen. Durch ihren frischen und zupackenden Sound, dem Gespür für große Momente und Melodien, die sich erst nach mehrmaligen Hören vollkommen erschlossen und dann immer wieder auf's neue begeisterten, erarbeiteten sie sich in Verbindung mit mitreissenden Konzerten eine relativ große und treue Fanbase. Das nachfolgende "Everything You Ever Loved" von 2012 konnte die hohen Erwartungen nur teilweise erfüllen, da sich MAKE DO AND MEND in poppigeren Gefilden ausprobierten, aber trotzdem noch das ein oder andere Schmankerl (wie z.B. 'Lucky') auftischten, so dass das Interesse an dem Quartett weiterhin Bestand hatte. Jetzt also das schwierige dritte Album mit einer Anlaufzeit von drei Jahren. Finden MAKE DO AND MEND die goldene Mitte zwischen eigenen Anspruch und Erwartungshaltung der Fans, die sich auch weiterentwickelt haben? Oder ändern sie ihren Stil komplett und werfen alles in die Waagschale, wie es auch u.a. Title Fight (eher Bankrotterklärung) oder Pianos Become The Teeth (phänomenale Neuausrichtung) probiert haben? Mit dem Titeltrack geht es nach kurzem Introgedudel auch gleich in die Vollen. Das sehr spezielle angeraute Organ von Frontmann James Carroll packt dich sofort und holt dich dort ab, wo dich MAKE DO AND MEND vor einigen Jahren enttäuscht stehen gelassen haben. Nur textlich ist es etwas eintönig. Das folgende 'Ever Since' überzeugt mit ziemlich grandioser Strophenstruktur, die etwas an ältere Beatsteaks erinnert (nur verspielter), die Bridge bereitet auf einen tollen Chorus vor, der vermuten lässt, dass sich auch MAKE DO AND MEND Gedanken gemacht haben, wohin die Reise mit "Don't Be Long" gehen soll. Anhand der beiden Einstiegssongs wird einem auch schnell bewusst, wie sehr einem der spezielle Sound über die Jahre hinweg gefehlt hat. 'Bluff' hat eine Dringlichkeit inne, dem man sich kaum entziehen kann. Wenn es nicht so abgedroschen klingen würde, hätte ich das Wort Gänsehautfeeling benutzt, was hiermit passiert ist. 🙂 Mit 'Old Circles' folgt der absolute Oberhit der Scheibe, der sich in deinem Kopf festbeissen und die Extremitäten für dreieinhalb Minuten kontrollieren wird. Arme werden gen Himmel gerissen werden, das Tanzbein schwingt von ganz allein und lautstarkes Mitbrüllen des Refrains ist quasi Pflicht. Das aggressivere 'Each Of Us' und das emopoppig angelehnte 'Sin Miedo' komplettieren das halbe Dutzend von "Don't Be Long". Selten so eine in sich stimmige erste Hälfte von einem Album gehört, die letzten Jahre. Als Vinylsammler müsste man nun die Platte umdrehen und sich auf die B-Seite freuen. Allerdings wird es einem ab jetzt nicht mehr besonders leicht gemacht, denn plötzlich ändert sich die Herangehensweise von MAKE DO AND MEND und mein subjektiver Blick bezüglich Catchyness, der die A-Seite beherrscht hat, wird abgelöst durch eindringliche Beschäftigung mit den kommenden Songs, die offensichtlich anspruchsvoller aufgebaut sein sollen und den Hörer nun mehr fordern. 'Sin Amor' könnte als gutgemeintes Füllmaterial dienen, wenn sich nicht durch den emotionalen und kraftvollen Gesang von Herrn Carroll augenblicklich ein Wohlfühlfaktor einstellen würde. 'All There Is' plätschert allerdings nur vor sich hin und eigentlich ist es egal, ob es den Song nun gibt oder nicht. mdam by Heather McGrathMit 'I Don't Wonder At All' wird überflüssigerweise noch ein Akustikstück eingestreut, welches den Fluss des Albums erheblich stört und leider dafür sorgt, dass sich die Aufmerksamkeit verabschiedet. Auch 'Sanctimony' kann diesen Verlust nicht gänzlich wettmachen, obwohl bis zur Mitte des Songs oben genannte Tugenden teileise zum Zuge kommen, dann aber fast abrupt in einem 2-minütigem langweilig gestalteten Outro ausfaden. Das Abschlussstück 'Begging For The Sun To Go Down' ist dann an Belanglosigkeit kaum zu unterbieten, uninspiriertes Akustikgedudel mit rudimentär eingestreuten Gesangsfragmenten. Somit gibt es eindeutige Qualitätsunterschiede bei "Don't Be Long" festzustellen und meine Bewertung wird dementsprechend ausfallen müssen. Die A-Seite überzeugt mit klassischem emotionalen PunkRock, der MAKE DO AND MEND bekannt gemacht hat und würde trotz des Fehlens von irgendwelchen Überraschungsmomenten oder Innovationsschüben gute 5 Blitze bekommen. Leider wird dieser Eindruck durch Seite B fast pulverisiert, da man den Eindruck gewinnen könnte, dass die fehlende Kreativität durch Belanglosigkeit (getarnt als Anspruchsdenken) bewiesen werden muss. Hier gibt es nur 2 Blitze. Macht im Durchschnitt 3,5! Schade. Album-VÖ: 20.03.2015 (Photo by Heather McGrath)