(6131 Records/Cargo Records) All-Star Band/Supergroup - groß klingende Wortschöpfungen, die im Gebrauch von Ankündigungen neuer Konstellationen im Musikbusiness überstrapaziert worden sind und die Erwartungshaltung der Fans von den dann genannten mitwirkenden Musikern immens steigert, so dass meist große Enttäuschung folgt, wenn das neue Projekt nicht deckungsgleich mit der ins Spiel gebrachten Hauptband klingt. Aber zu einem informativen Review über die Band UNWED gehört nunmal die Nennung der beteiligten Künstler und deren Hauptarbeitgeber. Also dann: Small Brown Bike und Hot Water Music sind am Stizzle....okay, und nun gleich wieder Kopfkino aus und UNWED als eigenständige Band die Chance auf individuelle Entfaltung zugestehen. Soviele Bands im alternativen Rock jeglicher Couleur mit femininen Gesang gibt es ja auch nicht, somit ist es schon zu Anfang der Bandgeschichte fast ein Alleinstellungsmerkmal von UNWED und macht das erste Hören von "Raise The Kids" spannend. Mit 'You'll Burn' startet das Debütalbum auch gleich herrlich schräg und die zurückgenommenen Vocals von Neltie Penman bestimmen den, trotz seiner Dissonanzen, zupackenden Song, der nach 2/3 der Laufzeit in ein unerwartetes HeavyRock-Ungetüm mündet. Erster Eindruck zählt und ich bin beeindruckt. Auch die nachfolgenden Songs gehen in eine ähnliche Richtung, die Fans oben genannter Bands eher verschrecken wird, da das Augenmerk auf rhythmusgeprägten harten AlternativRock gelegt wird, wie er z.B. in den 90er Jahren auch von Helmet favorisiert wurde. Da ich persönlich nie ein Freund von Frontfrauen war, muss ich gestehen, dass ich meine Einstellung bei UNWED gründlich überdenken muss, da es wirklich sehr angenehm ist, Frau Penman bei der Arbeit zuzuhören - niemals kreischig oder zu hochtönig, das perfekte Mittelmaß aus Aggressivität und geheimnisvoller Laid-Back Attitüde. UnWed__JW__BK_14_web'The Innocent' zieht einen unmittelbar ins Geschehen und ist durch den Songaufbau und den sich ins Bild eingepassten Hintergrundchören ein kleiner Hit, der sich in deinen Gehörgang einfräst und erstmal nicht zu entfernen ist. Das darauffolgende 'New Skin' schwurbelt für mein Empfinden etwas unausgegoren für viereinhalb Minuten umher und der Blick zuckt wiederholt Richtung Fernbedienung, um den Song zu skippen. Erscheint mir sehr Füllmaterial-lastig und dementsprechend überflüssig. Nicht so versoffen wie Brody Dalle (The Distillers), nicht so poppig wie Shirley Manson (Garbage) - 'Girl Drink Drunk' überzeugt wieder auf ganzer Linie und könnte die Tanzflächen kleiner anspruchsvoller Indie-Discos für knappe 3 Minuten locker füllen. 'Desert Gold' hat einen kraftvollen Grunge-Punch inne und zeigt einer Courtney Love wie man heutzutage Songs schreibt, ohne sich dem Mainstream zu unterwerfen. Musikalisch kann man kaum Kritik anbringen (v.a. dem Hintergrund der beteiligten Mitglieder geschuldet), außer dass zu oft vergessen wurde, Melodien zu entwickeln, die es einem evtl. leichter machen könnten, "Raise The Kids" mit der nötigen Aufmerksamkeit zu folgen. Nachdem 'PepsiCo' irgendwie an einem vorbeiläuft, aber man auch nicht die Notwendigkeit verspürt, hinterher zu schauen, beendet 'Slow Crime' ein spannendes (Neben-?) Projekt, von dem man im Vorfeld vielleicht mehr und etwas anderes erwartet hat, allerdings wäre es auch langweilig gewesen, wenn UNWED als Small Brown Bike/Hot Water Music female-fronted Coverband abgeliefert hätten. Der Mut was Neues auszuprobieren, die enthusiastische Spielfreude, die sich fühl- und nachvollziehbar durch "Raise The Kids" den Weg bahnt, macht 4 Blitze mit Tendenz nach oben absolut gerechtfertigt. Und wenn ihr euch nun ein eigenes Bild machen wollt, bevor irh euch den Tonträger eurer Wahl zulegt, gibt es hier den Stream des Albums von UNWED: Album-VÖ: 17.04.2015 (Photo courtesy of 6131 Records)