(Findaway Records/Soulfood) Zu Beginn gleich mal ein Geständnis: obwohl es ITCHY POOPZKID seit 2001 gibt und "Six" das (man glaubt es kaum) sechste Studioalbum der Jungs aus dem Großraum Stuttgart ist, sind sie immer unter meinen Radar geflogen und dieses Review wird sich nur mit dem vorliegenden aktuellen Album beschäftigen, da ich keine Vergleiche zu den Veröffentlichungen der letzten Jahre ziehen kann. ITCHY POOPZKID haben meiner Meinung nach einen unterirdischen Bandnamen und machten u.a. mit dem Werbesong einer Automarke auf sich aufmerksam. Man kann jetzt "Sell-Out" brüllen, aber die stetige Vergrößerung der Fanschar durch andauerndes Touren, gipfelt dieser Tage darin, dass alle angekündigten Konzerte ausverkauft melden. Also irgendwas muss dran sein am Phänomen ITCHY POOPZKID. Mit einem typischen Introsong startet "Six". Typisch deswegen, weil 'She's Gonna Get It' straight losrockt, keine großen Finessen bei der textlichen Ausformulierung vornimmt und einen nicht sofort überfordert mit großen Spielereien. 'Grip It Tighter' hat ein einnehmendes Gitarrenriff am Anfang zu bieten, welches sich im Laufe des Songs mehrmals wiederholt und den Rahmen für einen gelungenen Chorus bietet, der nach einmaligen Hören locker mitgebrüllt und -getanzt werden darf. Das ist Musik für die Zeltbühne, für Open-Airs der mittleren Preisklasse wie z.B. Abifestivals oder Umsonst & Draussen-Veranstaltungen. Tut keinem weh, hat aber keine große Substanz - und funktioniert live vermutlich um einiges besser als auf physischem Tonträger. Die rausgehörten Anleihen sind vordergründig Beatsteaks oder Donots, ohne deren Mut zu Experimenten. Ob nun 'Dancing In The Sun', 'Never Say Die' oder der Uptempo-Song 'Plastic' - alles keinesfalls übel, aber schon zu oft gehört, als das was hängenbleiben würde. "Six" ist im gesamten kein schlechtes Album geworden und macht sicherlich Spaß, wenn draußen die Sonne scheint und man (um ein weiteres Klischee anzubringen) seine jugendliche Freiheit am Baggersee genießt. Ich verspüre beim Hören der CD das ein oder andere mal eine Art Deja-Vu und mir kommen Bandnamen wie Zebrahead oder Goldfinger in den Sinn, deren Alben auch danach tönen, als wenn sie für die Umsetzung im wahren Leben (ergo: live) geschrieben worden sind. ItchyPoopzkid_Presse03_(c)_PatrickWamsganzDas entspannte 'And Now We Stopped' bricht die bekannte Struktur auf und überzeugt mit einem flockig-leichten PopSong mit rudimentären Reggae-Anleihen. Das Gegenteil stellt 'The Weight Of The Water' dar, welches durch aggressives Geshoute im Strophenteil sogar eine geringfügige Reminiszenz an den Gainesville-Sound parat hält. Mit 'Kings & Queens' endet das 13 Tracks umfassende "Six" mit einem grundsoliden Rocksong mit leichter Punkkante und ich mag nicht ausschließen, dass mich der ein oder andere Song auch noch mehr packen wird, wenn ich ITCHY POOPZKID mehrmals zugehört habe. Meine subjektive Meinung zu diesem Zeitpunkt lässt allerdings nicht mehr als gutgemeinte 3,5 Blitze zu, wobei der Trend definitiv nach oben zeigt und ich gespannt auf die weitere Entwicklung bin. ITCHY POOPZKID sind in meinem Leben angekommen, mal sehen wie lange ich es aushalte, sie um mich zu haben. Album-VÖ: 10.04.2015 (Photo by PatrickWamsganz)