Vor einigen Jahren antwortete Mike Ness, Sänger von SOCIAL DISTORTION, in einem Interview mit dem von uns geschätzten VISIONS-Magazin auf die Frage, Wie sollen die Menschen SOCIAL DISTORTION in Erinnerung behalten, wenn es mal vorbei ist, mit: "Als eine fucking great Rock n´Roll Band". Der Konzertabend vom 18.04.2015 im Bielefelder Ringlokschuppen wird definitiv seinen Teil zu diesem Ruf beitragen. Deutschland Konzerte von SOCIAL D sind ähnlich rar gesät wie die Albumveröffentlichungen in der 37-jährigen Karriere der Punkrocker. Somit war es kein Wunder, dass der Bielefelder Ringlokschuppen schon früh den Ausverkauf des SOCIAL D-Gigs vermelden konnte. Und auch die Ankündigung von Frontmann Mike Ness, dass die Fans bei den anstehenden Shows "mit einigen Überraschungen rechnen" und sich auf "SOCIAL DISTORTION in Hochform" freuen dürfen, legte die Latte der Erwartungshaltung nochmals ein kleines Stück höher. JONNY TWO BAGS by Brandise Danesewich Bevor die Gastgeber aber zum Punkrockpogo baten, durfte niemand geringeres als JONNY TWO BAGS, hauptberuflich Gitarrist bei SOCIAL DISTORTION, sein 2014 erschienenes Solo-Album "Salvation Town" präsentieren. Die musikalische Verwandtschaft mit seiner Hauptband war natürlich nicht zu verleugnen, dennoch wirkt der Sound von JONNY TWO BAGS deutlich zurückgenommener und reduzierter. Bei den Aufnahmen zu der Platte erhielt er zudem Unterstützung von niemand geringerem als Jackson Browne. Auch dieser Einfluss ist deutlich hörbar in den Solosongs des SOCIAL D-Gitarristen. Das ostwestfälische Publikum schenkte der Darbietung leider nur wenig Beachtung und genoss in der Mehrzahl doch noch die letzten Sonnenstrahlen des Tages im Außenbereich des Ringlokschuppens. JESSICA HERNANDEZ & THE DELTAS by Julie-Simon JESSICA HERNANDEZ & THE DELTAS bekamen als zweiter Support-Act des Abends die Chance, sich gegen die Abendsonne zu beweisen. Schließlich war es noch nicht einmal 20:00, als die US-Rockband, welche auf persönlichen Wunsch von „His Nessness“ als Supportact diese Tour begleiten, die Songs ihrer brandneuen EP "Caught Up" vorspielen durften. Die junge Detroiter Band gab dabei eine äußerst gute Figur ab. Die dargebotenen Songs besaßen eine erstaunliche musikalische Breite und angenehme Energie. Hervorzuheben ist auf jeden Fall die energische Stimme von Bandleaderin Hernandez, welche durchaus Assoziationen zu stimmlichen Größen wie Beth Ditto weckt. Will man den Sound der Band nun in eine der gar nicht so liebgewordenen Schubladen einsortieren, so bleibt dieses Unterfangen beinahe unmöglich. Rockabilly, Pop, Rock'n'Roll, Punk, Gypsy, Reggae und vor allem eine gewaltige Portion Soul...Elemente der verschiedensten Stilrichtungen vereinen sich bei JESSICA HERNANDEZ & THE DELTAS. Die Huffington Post hat im Zusammenhang mit der Band geschrieben: „Hernandez malt auf der ganz großen Leinwand und ihre unvergessliche Stimme ist nur eine der Farben ihrer umfangreichen Palette“. Besser kann man es nicht ausdrücken. Viele Zuhörer im Saal spenden mehr als nur Höflichkeitsapplaus und werden sicher gespannt auf die Veröffentlichung des kommenden Albums von Miss Hernandez und ihrer Band warten, die für die zweite Jahreshälfte geplant ist. SOCIAL DISTORTION by Danny Clinch Gegen 21:00 hieß es dann aber endlich Bühne frei für "His Nessness" und seine Bandkollegen. Schließlich musste die Band nach ihrer vollmundigen Tourankündigung nun auch Taten folgen lassen. Das taten sie dann in Form von SOCIAL DISTORTION plays "Social Distortion". Das selbstbetitelte Klassikeralbum, welches inzwischen schon 25 Jahre auf dem Buckel hat. Die Band zockte die Songs in chronologischer Album-Reihenfolge mit Ausnahme von 'Ring of Fire', gekonnt druckvoll und präzise herunter. Keine Ansage, keine Spielereien - Just Rock'n'Roll. Herrausragend das Solo zu 'Let it be Me', die Pits wurden spätestens mit 'Story Of My Life' etwas größer und auch einige Mitvierziger begaben sich dann bei 'Ball And Chain' auf Crowdsurfexpedition, wenn sie nicht Arm im Arm, wie eine Fussballmannschaft während eines Elfmeterschießens, die Texte aus ihrer Jugendzeit mit völliger Inbrunst mitgröhlten. SOCIAL D präsentierten an diesem Abend das, wofür sie seit Beginn ihrer Karriere stehen. Reissende Gitarren und ein rhythmischer Sound, ähnlich dem einer Lokomotive. Somit konnte die Location, ein ehemaliger Ringlokschuppen, für den ostwestfälischen Tourstop der Kalifornier fast gar nicht besser gewählt sein. Und die große Halle des Ringlokschuppens bewies sich mit ihrem kristallklaren und direktem Sound mal wieder als ostwestfälisches Vorzeige-Venue, abgesehen vom immer noch zu kleinen Parkplatz und den Getränkepreisen. Aber bereits Olli Schulz sang auf seinem Debüt, „Letzte Woche SOCIAL D, das war derbe Punk, 7 Mark für’s Bier und auf den Becher gab’s kein Pfand.“ Inflationsbedingt kostet das große Bier an diesem Abend inzwischen 5€ und auch die Preise am Merchstand von SOCIAL D haben sich gewaschen. T-Shirts gab es ab 30€ aufwärts. Nun gut, mit Anfang 50 muss die Rente eingefahren werden. Doch zurück zum Bühnengeschehen, denn nach neun Songs war erst einmal Schluss und die Band verließ die Bühne. Die Zugabe gab es anschließend in einem Block und sie bediente sich auch bei den Songs der übrigen Discographie. Vor allem die Tracks von der "Hard Times And Nursery Rhymes" machten im unmittelbaren Kontrast nochmal den Blues-Einschlag deutlich, der das letzten Album der Band charakterisiert. Aber so ist das wohl, wenn man als Punker fürs Stagediving zu alt und für die Rente zu jung ist. Mit 'Wild Horses' und dem im ersten Konzertteil ausgelassenen 'Ring Of Fire' finden auch die zwei obligatorischen Coversongs den Weg in die Setlist. Den Rausschmeißer gibt 'Don't Drag Me Down' und man blickt nach dem Konzert in eine Menge zufriedener Gesichter der treuen SOCIAL D-Gefolgschaft. Technisch konnte man hier eine Band in Topform bewundern. Gepaart mit dem für ostwestfälische Verhältnisse enthusiastischen Publikum, kann man diesen Abend durchaus als gelungen bezeichnen. Zum Schluss noch eine Anmerkung in eigener Sache: An dieser Stelle präsentieren wir Euch normalerweise einige Bilder vom Konzertabend. Darauf müssen wir bei diesem Konzert leider verzichten, da der von der Band vorgelegte Fotovertrag zu viele Unwägbarkeiten für uns beinhaltete. Photo of JONNY TWO BAGS by Brandise Danesewich Photo of JESSICA HERNANDEZ & THE DELTAS by Julie Simon Photo of SOCIAL DISTORTION by Danny Clinch