(Redfield Digital) „Erbarme, die Hesse komme...!“ Da die vier Jungs von BLESSED WITH RAGE aus Kassel stammen, haben sie dieses Zitat aus dem Song der Rodgau Monotones bestimmt schon oft gehört. 2012 gegründet, hat die noch recht junge Band bereits die EP "This World Ends" (2012) und das Album "HeavenSkyline" (2014) veröffentlicht. Als Support von Bands wie Eskimo Callboy, We Butter The Bread With Butter und His Statue Falls haben BLESSED WITH RAGE bereits in ihrer Heimat Hessen auf sich aufmerksam gemacht und wollen jetzt auch den Rest der Republik aufmischen. Dazu gehen sie mit ihrem neuen Album "And The Shadows Followed Him" an den Start. Und dieses ist unter dem Dach von Redfield Digital komplett in Eigenproduktion entstanden. Wie sich das Do-It-Yourself Werk anhört, erfahrt ihr jetzt. Das Gedudel einer Spieluhr, Kinderstimmen und eine dämonisch verzerrte Stimme müssen als Intro für 'The Raven Speaks' herhalten. Hört sich ja ganz nett an. Dann geht's erstmal ins Post-Core-Eingemachte. Fieses Gekeife und ordentliches Gedresche, das mit Dub Step-Elementen hinterlegt ist. Soweit so gut. Und dann kommt der clean gesungene Refrain. Und damit eröffnet sich für mich auch schon die größte Schwäche der Band. Die cleane Stimme wurde nämlich mit einigen Effekten gepimpt und ich habe das Gefühl, dass damit gesangliche Schwächen überspielt werden sollen. Zudem hört sich das Englisch des Sängers irgendwie befremdlich an. Englischsprachige Hörer würden wahrscheinlich sofort merken, dass hier ein Kraut am Mikro war. Für 'Pulse (0)' erhöhen BLESSED WITH RAGE das Tempo. Insbesondere die treibenden Drums geben dem Song ordentlich Dampf. Dazu wieder ein ordentliches Screaming, das immer wieder in ein tieferes Growling übergeht. Über zu wenig Abwechslung innerhalb der Songs kann man sich bei BLESSED WITH RAGE übrigens nicht beklagen. Bei Pulse (0) gibt es zum Beispiel einen coolen Part, wo das Screamen lediglich von Bass und Drums begleitet wird. In 'Capital Of Mania' hat die Band ein sehr geiles Element in einen Breakdown eingebaut. Und zwar das Transformers-Verwandlungsgeräusch. Wer es kennt, weiß sofort, was ich meine. Dafür gibt es Thumbs-Up! Und hier offenbart sich eine Stärke von BLESSED WITH RAGE. Nämlich diese kleinen wirklich richtig guten Momente, die sich fast in jedem Song finden lassen. 'Issues' ist für mich einer der schwächsten Songs des Albums. Auf ein längeres Piano-Solo folgt zunächst etwas dämonisch verzerrtes Gerede. Dann setzt der cleane Gesang ein und wird fast ausschließlich von Piano und im Hintergrund gehaltenen Drums begleitet. Dann kommen auch noch Streicher hinzu. Hier hat man versucht, einen epischen Song zu schaffen, was bei mir einfach nicht funktioniert hat. blessedwithrage-2015-courtesy-of-redfielddigital.jpg'Sound And Smoke' und 'Pyramids In The Arctic' folgen den Strukturen der ersten Songs, können mit diesen aber nicht mehr ganz mithalten. 'Royal Legacy' hat mal wieder etwas mehr Dampf und liefert auch nochmal einen schönen Mosh-Part mit tiefen Growls. Bei 'Fire With Fire' gibt es durch die stimmliche Unterstützung von Cop Marley noch etwas andere Abwechslung. Zudem werden einige Parts auf deutsch gesungen. Dadurch erinnert der Song in manchen Bereichen an Callejon. 'Paranormal/ Creature' ist ruhiger als seine Vorgänger. Aber auch hier lassen es sich BLESSED WITH RAGE nicht nehmen, auch nochmal nen fetten Scream Part einzubauen. Beim Rausschmeißer 'Orphan' verzichtet die Band komplett auf verzerrte Gitarren. Ein sehr seichter Song, der mich aber auch nicht wirklich berühren konnte. Mein Fazit: BLESSED WITH RAGE konnten mich mit 'And The Shadows Followed Him' nicht wirklich in ihren Bann ziehen. Gerade der cleane Gesang macht meiner Meinung eher mehr kaputt, als dass er den Songs noch das gewisse Etwas gibt. Aber das ist ja auch wieder Geschmackssache. Wer jedoch an Bands wie Eskimo Callboy gefallen findet, der wird wohl mit 'And The Shadows Followed Him' ganz gut bedient sein. Album-VÖ: 23.04.2015 (Photo courtesy of Redfield Digital)